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Irish Beef: Warum irisches Rindfleisch so gut ist – und wir uns davon ein Stück abschneiden sollten

Das Geheimnis des irischen Fleischs liegt auf dem Boden: Es sind die grünen, satten Weiden und die Verbundenheit mit der Natur, die irisches Fleisch so unwiderstehlich machen.

Rinder-Farmer in Irland: "Angus-Beef ist wunderbar - es ist das beste Rindfleisch"

Wenn der 27-jährige John Fitzgerald über die Zucht von Angus-Rindern spricht, strahlen seine Augen. Für ihn gibt es keine schönere Arbeit. Er ist in der Natur und arbeitet mit Tieren. Er liebt diese Lebensweise. "Ich bin nicht Farmer geworden. Ich bin als einer geboren und großgezogen worden", sagt John im Gespräch mit dem stern.

Rinder werden in Irland seit über 5000 Jahren gehalten. Ganz so lang besitzt die Familie Fitzgerald zwar noch keine Rinder, aber zumindest in sechster Generation: "Hoffentlich kann ich bald zurück nach Hause gehen, um den Geist der Farm weiterzutragen", sagt der 27-Jährige. Viele denken, dass Farming, wie John es nennt, hart und anstrengend sei. Es kommt aber auf die Organisation und die Methodik an - dann kann Farming etwas sehr Angenehmes sein.

"Das Gras ist unser Gold"

Die Iren setzen bei der Rinderzucht auf ihre grünen, satten Wiesen. "Das Gras ist unser Gold", sagt Paul Nolan von Dawn Meats, Irlands größtem Anbieter von irischem Fleisch, gegenüber dem stern. "Deshalb versuchen wir die Zeit, die die Tiere auf der Wiese sind, zu maximieren. in einem normalen Jahr sind die Rinder bis zu neun Monate draußen." Und das schmeckt man: Die Marmorierung ist gleichmäßig, das Fleisch dadurch saftig und zart. 

Nicht zu Unrecht wird Irland auch die grüne Insel genannt. Die natürlichen Gegebenheiten sind einzigartig und machen die Rinderzucht umso vielversprechender. Bis zu 280 Tage im Jahr verbringen die Rinder auf der grünen Weide. Zu 90 Prozent essen die irischen Rinder Gras und Grassilage - ein ziemlich hoher Anteil. Irland hat gegenüber Deutschland einen klaren Standortvorteil: Es ist günstiger, die Tiere auf der Wiese grasen zu lassen als das Vieh mit teurem Kraftfutter im Stall zu halten - das milde Golfstromklima und die dünn besiedelte grüne Landschaft machen es möglich.

Im Vergleich: In Deutschland stehen die Kühe zum Großteil im Stall und werden mit Futter aus der Konserve abgespeist. Auf saftigen Wiesen grasen die wenigsten Tiere, und wenn, muss man für das Fleisch ordentlich in die Tasche greifen. Das liegt auch daran, dass nur etwa 35 Prozent der Mastrinder für wenige Monate auf die Weide kommen. In konventioneller Haltung sehen die Mastrinder - wenn überhaupt - die grüne Wiese nur aus den Spalten ihrer Ställe. In Irland ist Weidehaltung selbstverständlich, die Rinder werden meist in kleinen Herden gehalten. Im Schnitt sind so 15 Tiere zusammen. In Deutschland gibt es über 70 Prozent Großbetriebe mit mehr als 100 Tieren. 

John Fitzgeralds Angus-Rind mit einem jungen Kalb

John Fitzgeralds Angus-Rind mit einem jungen Kalb

Das beste Rindfleisch

John Fitzgerald züchtet Angus-Rinder, eine alte Rinderrasse, die sehr rentabel ist. "Angus-Rinder sind zäh, sie lieben die Fütterung mit Gras, 90 Prozent kalben von allein, das Kalb ist in 20 Minuten auf der Welt", sagt der junge Farmer. Hinzu kommt der Geschmack: "Angus-Beef ist richtig zart, es ist vermutlich das beste Rindfleisch." John brät sein Steak schlicht in der Pfanne, mit Salz und Pfeffer. Das größte Glück für ihn ist das Sirloin-Steak, das Lendenstück mit Knochen.  

Deutsche Mastbetriebe könnten sich von den irischen eine Scheibe abschneiden. In Deutschland ist Grasfütterung eher gering bis gar nicht vorhanden. Es wird Kraftfutter, das aus Energie und Protein besteht, meist zugekauft. Der Ursprung des Futters ist oft nicht bekannt - zumindest bei konventionellen Betrieben. In Ausnahmefällen kann sogar gentechnisch verändertes Futter zugefüttert werden.

In Deutschland gibt es 12,7 Millionen Rinder, in Irland etwa 7,5 Millionen. Die Iren essen davon nur etwa zwei Prozent (bei einer Einwohnerzahl von 4,5 Millionen), der Rest wird exportiert, davon um die 50 Prozent nach Großbritannien. Der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der EU könnte daher zum Problem werden: "Der Brexit beschäftigt uns, aber wir sind nicht besorgt. Wir müssen warten, wie es sich entwickelt", sagt Paul Nolan. "Wir gucken nach Alternativmärkten. Wenn sich etwas ändert, werden wir bereit sein." Hierzulande wird irisches Fleisch auch in Supermärkten angeboten oder man bezieht es online übers Internet.

Die Reise nach Irland wurde von Gourmetfleisch.de unterstützt.