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TV-Kritik

Kitchen Impossible: Was lässt man einen Drei-Sterne-Koch kochen? Tim Mälzers Antwort sitzt

Ein allerletztes Mal fällt die Klappe für eine der besten Kochshows im deutschen Fernsehen. Mälzers Kontrahent: Christian Bau, ein Drei-Sterne-Koch.

Tim Mälzer Kitchen Impossible

TV-Koch Tim Mälzer meint es nicht gut mit Drei-Sterne-Koch Christian Bau (rechts)

MG RTL D

Die letzte Folge der dritten Staffel wartet mit kulinarischen Schmankerln auf: Peking-Ente, Döner, ein Drei-Sterne-Gericht und eine ghanaische Erdnusssuppe. Als Kontrahenten hat sich Mälzer den "Koch des Jahres 2018" Christian Bau ausgesucht. Der seit 10 Jahren die drei Sterne hält.

Was die Spitzenköche auszeichnet: Sie sind untereinander sehr gut vernetzt. Kein Wunder also, dass Mälzer von Bau in die Kaderschmiede der Sterneköche geschickt wird: Zu Torsten Michel in die Traube Tonbach. Dort werden seit einem Vierteljahrhundert die drei Michelin-Sterne Jahr für Jahr erkocht.

Was man Mälzer lassen muss, er ist ein Analytiker. Er schmeckt feine Nuancen wie Hasenblut aus dem Gericht aus dem Schwarzwald heraus und kommt dem Drei-Sterne-Gericht gefährlich nah. Natürlich hat der TV-Koch mit der Präzision und Technik eines Drei-Sterne-Kochs nichts gemein. Sein Ergebnis stellt dennoch zufrieden.

Döner für den Drei-Sterne-Koch

Aber welche Aufgabe stellt man einem Drei-Sterne-Koch, fragt sich Mälzer im Vorfeld. Seine Antwort: Döner.

Fast Food, das der Spitzenkoch seit Jahren weder gegessen noch jemals zubereitet hat. Was auffällt: Bau denkt falsch. Nur weil es sich um ein einfaches und günstiges Gericht handelt, bedeutet es nicht, dass die Zutaten billig sind: Im Dönerfleisch sind weder Dönergewürze mit Zusatzstoffen drin, noch besteht die Chili-Paste aus getrockeneten Zutaten und Dosentomaten.

Kitchen Impossible Tim Mälzer Christian Bau

Kitchen Impossible ist ein Format, in dem Spitzenköche die Chance haben, ihre Persönlichkeit zu zeigen. Natürlich drücken sie dies vor allem durch ihr Kochen aus. Aber was für ein Mensch steckt eigentlich hinter dem perfekten Teller? Bei Bau ist es ein kerniger und emotionaler Typ, der in seinem Anspruchsdenken fast schon verbissen ist. Der Spitzenkoch hatte keine einfache Kindheit, er hat sich aber hochgearbeitet und es mit viel Ehrgeiz in die Spitzenliga geschafft. Emotional und mit Tränen in den Augen erzählt Bau von seinem Aufstieg und seinen Problemen. Ein ehrlich sympathischer Typ.

Fünf Jahre braucht man, um zu lernen, wie man Peking-Ente zubereitet. Mälzer hat nur ein paar Stunden. Eine Aufgabe, die der TV-Koch niemals gestellt hätte, weil sie unlösbar ist. Mälzer tritt sie (nach kurzem Rumzicken) dennoch an. Und versaut drei Enten prompt. Sie wurden über Nacht nicht trocken genug. Deshalb versucht er das Unmögliche: Er bereitet in nur 2,5 Stunden drei weitere Enten zu. Die verbrennen leider im Ofen. Die Jury findet zumindest seinen Reis sehr gut.

Fufu ist nix für den Spitzenkoch

An die Substanz geht es Christian Bau in Ghana. Hohe Luftfeuchtigkeit, Hitze, Lautstärke und die Eindrücke in der ghanaischen Hauptstadt Accra machen Bau zu schaffen. Seine Aufgabe: Erdnusssuppe mit Fufu. Letzteres lernt Bau hassen, mit einem Holzpflock muss er dafür Maniok und Kochbananen so lange stampfen, bis eine homogene, zähflüssige Masse entsteht - das ghanaische Nationalgericht. Überzeugen kann der Spitzenkoch die Ghanaer damit nicht.

Am Ende steht es zwischen dem TV-Koch und dem Spitzenkoch gleich.

Insgesamt war die dritte Staffel etwas schwächer als die vorangegangen. Das liegt unter anderem daran, dass sich das Konzept der Sendung wiederholt und auch an der zu klassischen Aufgabenwahl. Es fehlten diesmal Elemente wie Kochen im Erdloch oder das Verköstigen einer Schiffsmannschaft. Dafür war in fast jeder Folge die Demut vor dem Tier präsent: Wenn Mälzer Innereien vom noch handwarmen Rind lösen oder einem Wildhasen das Fell über die Ohren ziehen muss. Mälzer tut so etwas auch nicht gern, es gehört aber zum bewussten Fleischkonsum dazu.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass es eine vierte Staffel geben wird und dass die Fäkalsprache Mälzers Wortschatz nicht nachhaltig vergiften wird. Und natürlich, dass endlich das Duell der Duelle stattfinden wird: Tim Mälzer gegen Jamie Oliver.

(UPDATE: Vox hat bestätigt: "Kitchen Impossible" geht in die vierte Staffel.)

+++ Lesen Sie hier nochmal, warum Kitchen Impossible so erfolgreich ist +++

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