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Preiswert kochen: Fünf Euro, und keinen Cent mehr

Die Mission: ein Essen für zwei kochen, das satt macht und schmeckt. Das Budget: fünf Euro, und keinen Cent mehr. Sternekoch Gunnar Hinz nimmt die Herausforderung an - und zaubert einen Skihüttenklassiker in der Deluxe-Variante.

Von Angelika Unger

Rosa Rücken vom Ibérico-Eichelschwein mit Fenchel, Orangen und Senfsauce für 32 Euro; gestampfte Mandelhörnchen mit geflämmtem Carpaccio von der Jakobsmuschel für 24 Euro - das sind Gerichte, wie Gunnar Hinz sie im Alltag kocht. Hinz ist Küchenchef im Restaurant "Das kleine Rote", einem kleinen, feinen Lokal im Hamburger Westen: Bereits ein halbes Jahr nach der Eröffnung zeichneten ihn die Tester mit einem der begehrten Michelin-Sterne aus.

Doch nun steht Gunnar Hinz am Gemüsestand auf dem Großneumarkt, vor ihm auf der Theke liegen ein kleiner Spitzkohl, zwei Eier, zwei Zwiebeln und ein Topf Schnittlauch, und er sagt: "Wir brauchen eine Zwischenrechnung." Der Gemüsehändler schiebt leicht verwirrt seine Kappe zurück, tippt ein paar Zahlen in seine Kasse ein und sagt schließlich: "3,50 Euro".

Jeden Tag Not, überhaupt satt zu werden

Warum das Ganze? Weil Deutschlands Kochelite beweisen will, dass gutes Essen nicht teuer sein muss. Deshalb gibt es das Buch "Sterneküche. Rezepte für fünf Euro von Deutschlands besten Köchinnen und Köchen". Zwei Euro vom Verkaufspreis kommen der Gesundheit obdachloser Menschen zugute - denen also, für die Sparen beim Essen schiere Notwendigkeit ist, weil sie jeden Tag Not haben, überhaupt satt zu werden. Fünf Euro, für einen Obdachlosen ist das viel Geld.

Wer sich die Rezepte durchliest, ausgelegt für zwei Personen, kommt ins Grübeln. Lammrücken kredenzt Joachim Heß aus dem "Goldenen Pflug" in Heiligenkreuzsteinach, und sein Kollege Jens Bomke vom "Ringhotel Bomke" hat ein Rezept beigesteuert für Roulade von der Lachsforelle. Ein bisschen schade findet Gunnar Hinz das. Schließlich sei klar, dass man die Zutaten für diese Rezepte nicht für fünf Euro bekommen könne - nicht einmal für fünf Euro pro Person.

Ein Gericht für fünf Euro - ohne Mogelpackung

Hinz ist heute angetreten, um wirklich und wahrhaftig für fünf Euro zu kochen, ein Essen für zwei Personen, und zwar eines, das satt macht und schmeckt, ohne Mogelpackung. Krautfleckerl soll es geben, hat er entschieden, ein traditionelles österreichisches Skihütten-Gericht: "Weil es auch für fünf Euro satt machen soll und weil Kohl gerade Saison hat." Dann ist er nicht nur günstig, sondern schmeckt auch am besten, sagt Hinz.

Da steht er nun, mit seinem Kohl, seinen Eiern, dem Schnittlauch und den Zwiebeln - und hat nur noch 1,50 Euro zur Verfügung. Was wird denn noch gebraucht? Das war's, sagt er, die restlichen Zutaten gehören zur Grundausstattung in jedem Haushalt.

Grundausstattung in jedem Haushalt - da schrillen die Alarmglocken. Nachfragen bringen den Haken schnell ans Licht: Mehl, Salz, Pfeffer, Zucker, Öl, darüber kann man reden, mit etwas gutem Willen auch Butter. Aber Schinken? "Ach, ein paar Scheiben Schinken hat doch jeder im Haus", argumentiert Hinz gut gelaunt, steigt ins Auto und schickt sich an, in Richtung "Kleines Rotes" abzufahren.

21 Cent bleiben übrig

Kurze Zeit später biegt der Küchenchef - nicht ganz ohne sanften Zwang - auf den Neukauf-Parkplatz in Ottensen ein. Die Mission: vier Scheiben gekochten Schinken kaufen. Das Budget: 1,50 Euro.

An der Wursttheke greift er eine Packung eingeschweißten Schinken - und legt sie wieder zurück. 1,76 Euro: zu teuer. Mindestens ein Dutzend Packungen liegen nebeneinander, die günstigste für 1,64 Euro. "Im Prinzip hätten wir die Sachen auch bei Aldi einkaufen können, da hätten wir sicher noch gespart", argumentiert er. "Und wir nehmen doch auch nur einen halben Kohl." Aber fünf Euro sind nun mal nicht 5,14 Euro; die Suche geht weiter. Im Kühlregal wird Hinz schließlich fündig. Sechs - eher kleine - Scheiben Hinterschinken, eingeschweißt für 1,29 Euro. 21 Cent bleiben übrig. Geschafft!

"Wäre ja schade um den halben Kohl"

In der Küche des "Kleinen Roten" bindet sich Hinz seine schwarzweiß gestreifte Schürze um und macht sich ans Werk. Nudeln selber machen, daran wagen sich die wenigsten. Dabei ist der Nudelteig schnell vorbereitet: "Ein Ei und 100 Gramm Mehl pro Person - günstiger geht es kaum", sagt er. Die Masse presst Hinz durch die Nudelmaschine - "mit dem Nudelholz geht es aber auch". Er muss so dünn ausgerollt werden, dass man fast durchgucken kann, erklärt er und wischt sich die mehlige Hand an seiner Jeans ab, bevor er den Teig in kleine Stücke zupft.

Routiniert hackt Hinz nun Kohl und Zwiebeln in feine Streifen, während das Nudelwasser auf dem Gasherd schon sachte vor sich hin köchelt. Die Hälfte des Kohls legt er beiseite, überlegt kurz und sagt dann: "Wir könnten noch einen schnellen Krautsalat dazu machen. Wäre ja schade um den halben Kohl."

Eine Zitrone findet sich noch in der Küche. Gehört die denn zur Grundausstattung? "Die kostet höchstens 19 Cent", versichert Hinz und mischt das restliche Kraut mit Öl, Zitronensaft und Gewürzen.

Resteessen vom Sternekoch

Der Rest ist schnell erledigt: Nur noch Kohl, Zwiebeln und Schinken anschwitzen, die Fleckerl kurz in heißem Wasser baden, zum Kohl in den Topf geben und umrühren. Kurz vorm Servieren knetet Hinz den Krautsalat noch mal ordentlich durch, damit er weich und saftig wird. Dabei erzählt er, wie viel Geld man sparen kann, wenn man die Reste verwertet. Was man aus Kohl nicht alles machen könne! "Zum Beispiel eine Kohlroulade: Schafskäse rein, Tomatensauce und Reis dazu - fertig." Und sicher auch für unter fünf Euro.