Teil 10 Sanftes aus dem Veneto

Ein guter Soave aus 100 Prozent Garganega-Traube macht seinem Namen alle Ehre - denn "soave" heißt sanft, und so rinnt er auch die Kehle hinunter

Soave bedeutet "sanft" - und genau so schmeckt ein guter Soave auch. Ohne alle Zicken läuft er schnurstracks die Gurgel hinab. Wir haben diesen ausgewählt, weil er als Weißwein so typisch leicht, so verführerisch weich - halt so typisch italienisch ist! Und zur Rehabilitation der ganzen Familie, denn im Zuge der Italienisierung unserer Ernährungsgewohnheiten hat der Soave ein ganz schweres Schicksal erlitten. Seine enorme Popularität verführte die Winzer ab 1970, endlose Felder in der Po-Ebene mit Garganega-Reben zu bepflanzen und die Erträge hochzupeitschen. Das Rohr, aus dem der Soave quoll, wurde immer dicker und der Wein dabei immer dünner; bis er zum Dauergast in den untersten Regalen der Discounter wurde.

Zwei Namen stehen für die Erneuerung des Soave: die der Weingüter Pieropan und Anselmi. Und ein dritter, das ist Graziano Prà: Sein Rezept ist die "grüne Lese", mit der er die Erträge senkt. Dabei schneidet er im Sommer ein Teil der Trauben vor ihrer Reife ab; so kann der Rebstock seine Nährstoffe auf weniger Trauben konzentrieren, die dadurch aromatischer und gehaltvoller werden. Wie unser Soave: In der Nase machen sich Heu und Fruchtnoten bemerkbar, sein Duft erinnert an Aprikose, Birne und Joghurt. Er schmeckt frisch und heiter und hat für einen Soave ein überraschend kraftvolles Volumen - auch weil Prà ihn zu 100 Prozent aus Garganega bereitet, die auf den steilen Südhängen aus kalkhaltigen Lehm- und Geröllböden wächst. Sein Soave ist ein Wein für den hemmungslosen Ganzjahresgebrauch. Doch Achtung! Wer sanft trinkt, muss auch sanft würzen - Soave passt am besten zu mildem Essen wie einem cremig gerührten Risotto, der Lieblingsspeise der Veroneser. Sie kochen es gern mit der Reissorte "Vialone Nano" von den Reisfeldern vor den Toren ihrer Stadt.

Soave: Italien hat eine enorme Vielfalt an Rebsorten, darunter viele "autochthone Sorten", solche also, deren Vorkommen regional begrenzt sind. "Autochthon" heißt "am Fundort entstanden" und auch "eingeboren". Wie die Sorte Garganega im Veneto, die für den Soave und den "Bianco di Custoza" verwendet wird. Der Zusatz "Classico" auf dem Etikett adelt (wie beim Chianti) den Wein aus der Kernzone, der auf steilen Hängen wächst. Drei Viertel des Soave stammen aber aus der Ebene und schmecken zum Gähnen! Meist mixen ihn die Winzer mit bis zu 30 Prozent anderen Rebsorten, darunter die Trebbiano Toscano, ein banaler Massenträger. Das ist gesetzlich erlaubt. Tragisch ist auch das andere Extrem, wenn überehrgeizige Winzer ihren Soave mit Chardonnay aus dem Barrique aufpeppen. Dann schmeckt der Wein nur noch nach Holz, Rauch und Vanille. Das Veneto ist für andere populäre Weine mit ähnlichem Schicksal berühmt, allen voran Prosecco di Valdobbiadene, Valpolicella und Bardolino. Doch jetzt sagen wir Arrivederci, Italia! Und für nächste Woche: Á Buenos Días, Espana!

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