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Gefrorene Lebensmittel Die Geschichte der TK-Kost: Was sich ein Naturforscher bei den Inuit abguckte

Schockgefrostete Erbsen stehen den frischen in (fast) nichts nach.
Schockgefrostete Erbsen stehen den frischen in (fast) nichts nach.
© Getty Images
Für Naturvölker in kalten Klimazonen ist es etwas Selbstverständliches: Lebensmittel mithilfe von Kälte zu konservieren. Aber wie erhielt diese Methode eigentlich Einzug in unsere Küchen? Alles begann mit Neugierde und Experimentierfreude.

Vor über 90 Jahren wurden erstmalig tiefgekühlte Produkte verkauft. Das war in einem kleinen Lebensmittelgeschäft in den USA – und galt als Innovation. Denn damit war eine neue Methode zur Haltbarmachung geboren: das Schockfrosten. Bis heute gibt es eigentlich keine schonendere Art der Konservierung – und das ganz ohne Konservierungsstoffe.

Die ersten Produkte, die tiefgekühlt angeboten wurden, waren Gemüse, Obst und Fisch – danach war Einfrieren auf dem Vormarsch und führte zu einer weltweiten Erfolgsgeschichte tiefgekühlter Produkte. In Deutschland wurde Tiefgekühltes 1955 erstmals vorgestellt – mittlerweile gibt es über 17.000 gefrorene Artikel im Handel. Aber wie hat sich das Schockfrosten von Lebensmitteln eigentlich entwickelt?

Gefrorene Lebensmittel waren für Menschen aus kalten Klimazonen wohl schon immer etwas Selbstverständliches, sie machten so beispielsweise Fleisch haltbar und konservierten es. Hierzulande aber musste sich die Wissenschaft etwas einfallen lassen. 1626 soll Francis Bacon, ein englischer Staatsmann, einen ersten Versuch gewagt haben: Er kaufte ein Huhn, tötete es und nahm es aus, und füllte den Hohlraum mit Schnee. Er wollte herausfinden, ob das Fleisch so haltbar gemacht werden könnte. Leider starb er kurze Zeit später an einer Lungenentzündung, doch sein Versuch war ein erster Weg. 

Der Wendepunkt erfolgte in Kanada

Ein Wendepunkt in der Geschichte der Tiefkühlkost kam, als Clarence Birdseye, ein von der US-Regierung angestellter Naturforscher, 1912 ins kanadische Labrador zog. Die Inuit froren dort in den Wintermonaten ihre Lebensmittel ein, im Frühling tauten sie sie dann wieder auf und Fisch und Co schmeckten hervorragend. Birdseye stellte fest, dass die Eiskristalle bei Fisch, der im Winter gefroren wird, viel kleiner waren, als bei Fisch, der im Frühling gefroren wird. Der Naturforscher stellte folglich die Theorie auf, dass kleinere Eiskristalle für Lebensmittel weniger schädlich sind und dazu beitragen, Geschmack und Frische zu bewahren. Damit sollte er Recht behalten, denn bis dato war die Textur von aufgetauten Lebensmitteln eher matschig und wenig appetitlich. Diese Entdeckung aber änderte alles.

Zurück in den USA experimentierte der Naturforscher mit verschiedenen Kältemitteln und Gefriermethoden. Bekannt wurde er mit der Technik, Lebensmittel in Kartons zu verpacken und unter unterkühlten Platten zwischen 6 und -45 Grad Celsius für eine Stunde zu lagern.

Obwohl Birdseye mit seiner Entdeckung in die Industriegeschichte einging, dauerte es noch Jahrzehnte, bis die allgemeine Bevölkerung TK-Kost zu genießen begann. Das lag daran, dass sich erst die Technik noch weiter entwickeln musste, die Kühlkette beim Transport und auch die Möglichkeiten zu Hause. Mitunter war auch immer noch die Qualität der Lebensmittel nach dem Auftauen nicht gut. Es brauchte viel Atem, bis man herausfand, welche Lebensmittel sich zum Schockfrosten eigneten und welche nicht. Beispielsweise lassen sich Tomaten nach wie vor nicht gut einfrieren, Erbsen hingegen sind nur ganz frisch vom Feld besser. 


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