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Lieferservice EatFirst im Test: Wer zu spät ordert, den bestraft die Matsche

In 15 Minuten liefert EatFirst ein warmes Essen in Berliner Büros. So das Versprechen. Das soll funktionieren? Und wie gut sind die Gerichte? Drei stern-Redakteure haben den Test gemacht.

Von Lutz Kinkel

Das sieht doch ziemlich gut aus, oder? Der Realität entsprach unser geliefertes Essen rein optisch leider nicht immer - beziehungsweise nur ein Mal.

Das sieht doch ziemlich gut aus, oder? Der Realität entsprach unser geliefertes Essen rein optisch leider nicht immer - beziehungsweise nur ein Mal.

Die gute Nachricht ist: Wir haben es alle heil überstanden. Werner litt vorrübergehend an Flatulenz, aber woher diese kam, ließ sich nur mutmaßen. Vielleicht hatte er heimlich ein Faß Federweißer getrunken. Wer weiß das schon. Alle anderen gingen jedenfalls satt, sauber und trocken aus dieser Woche. Der Deal war: Eatfirst liefert fünf Tage das Essen, wir liefern drei schreibfähige Gierhälse. So trafen wir - Jan, Werner und ich - uns jeden Tag in der Küche, beäugten, beschnüffelten und beschmatzten die jeweils neuesten Kreationen. Die Urteile reichten von "Leider können wir heute nicht meckern" bis "Schmeckt nicht, sieht scheiße aus und es fehlt Salz". Also ganz so wie daheim auch.

Vor den Stoffwechsel hat der Herrgott den Bestellvorgang gestellt. Der ist bei Eatfirst ziemlich simpel. Die Homepage ist angenehm aufgeräumt, es stehen nur zwei Gerichte zur Auswahl, ein vegetarisches und ein nicht-vegetarisches, der Preis liegt immer bei sieben Euro. Ein paar Klicks und schon ist die Order draußen. Das Unternehmen verspricht, innerhalb von 15 Minuten zu liefern - und hat das an vier von fünf Tagen tatsächlich einlösen können. Einmal gab es eine Verzögerung von etwa zehn Minuten, für die sich eine Mitarbeiterin aber sogleich telefonisch entschuldigte. Wir haben die Entschuldigung selbstredend nicht akzeptiert. Wo kämen wir da hin.

Na gut. Mit dieser Portion konnten wir uns anfreunden. Nett auf dem Teller angerichtet, sah Blumenkohl, Püree und Fleisch recht appetitlich aus.

Na gut. Mit dieser Portion konnten wir uns anfreunden. Nett auf dem Teller angerichtet, sah Blumenkohl, Püree und Fleisch recht appetitlich aus.

Sehr lustig: Bald nach der Bestellung bekommt der Kunde einen automatischen Anruf. Eine Computerstimme kündigt die Ankunft des Fahrers an. Werner, in der festen Erwartung der Computerstimme, hob eines Tages seinen Hörer ab und blökte einfach nur "Ja, ja, ja" in die Muschel. Am anderen Ende war aber nicht der Eatfirst-Robot, sondern Professor Doktor Manfred Güllner, Chef des Meinungsforschungsinstitutes Forsa. Solche Begegnungen wirken enorm erfrischend auf schon eingefahrene Arbeitsverhältnisse.

Das schwierig aussehende Risotto (rechts)

Das schwierig aussehende Risotto (rechts)

Aber nun mal zu den Basics: Wie war das Essen eigentlich? In der Regel gut, wenngleich standardmäßig untersalzen und unterwürzt. Oft war die Optik ein Graus, in meinem Notizblock stehen Sätze wie "Also ich finde die Risotto-Farbe schwierig" oder auch "Das sieht so aus, weil Halloween ist". Gleichfalls kritisch wurden Konsistenz und Frische wahrgenommen. Offenbar fahren die Lieferautos das Essen stundenlang mit Wärmhalteplatten durch die Gegend. Bedeutet, frei nach Gorbatschow: Wer zu spät ordert, den bestraft die Matsche. Diese Dekonstruktion des Gegarten wird zusätzlich von den Plastikschalen gefördert, in denen das Essen liegt - da sie oft nur eine Kammer haben, pampt zusammen, was nicht zusammenpampen sollte: Sauce, Fleisch, Gemüse, Sättigungsbeilage.

Wer zu spät ordert, bestraft die Matsche. Oh ja, auch das durften wir erfahren.

Wer zu spät ordert, bestraft die Matsche. Oh ja, auch das durften wir erfahren.

Klingt alles schrecklich, war es auch. Andererseits wurden die Teller immer leer, also kann es so schrecklich nicht gewesen sein. Die Frage Eatfirst oder Eatanderswo schien uns eher eine sehr praktische zu sein. In der Nähe unseres Büros gibt es zig Restaurants mit kleinen Mittagsmenüs. Die Preise liegen so zwischen sieben und knapp neun Euro für zwei Gänge plus Getränk. Plus, und auch das ist nicht zu unterschätzen: einem Tapetenwechsel. Einmal am Tag raus, mit Kollegen oder Freunden palavern, das tut gut. Selbst Online-Redakteure dürfen sich zu diesem Behufe abkabeln.

Eatfirst hingegen ist erkennbar ein Lieferservice, der auf die Bedürfnisse der Londoner City zugeschnitten ist. Dort kann kein Banker den Bildschirm verlassen, weil die Algorithmen ständig drohen, seinen Bonus, seine Bank oder auch gleich das Weltfinanzsystem zu schreddern. Dort müssen die Menschen am Schreibtisch stoffwechseln und in die Tastaturen siffen. In unserer Branche ist das glücklicherweise noch nicht so. Wir haben Eatfirst seit unserer Testwoche nicht mehr benutzt.

Die Gerichte wurden von EatFirst zur Verfügung gestellt.