HOME

Lieferservice HelloFresh im Test: Abendessen für unambitionierte Gestresste

Gehetztes Einkaufen am Abend? Nicht nötig. Das übernimmt HelloFresh. Der Lieferdienst bringt frische Produkte samt Rezepte nach Hause, lautet das Versprechen. Funktioniert das? Wir haben es getestet.

Von Denise Wachter

Italienisches Steak Sandwich "Caprese" mit im Ofen geschmorten Tomaten und Mozzarella, dazu knusprige Pastinaken-Pommes

Italienisches Steak Sandwich "Caprese" mit im Ofen geschmorten Tomaten und Mozzarella, dazu knusprige Pastinaken-Pommes

Wer den Namen HelloFresh trägt, sollte gewährleisten, dass das Essen wirklich "fresh" beim Kunden ankommt. In meinem Fall war das wahrscheinlich nicht einmal die Schuld von HelloFresh selbst, sondern die des Auslieferdienstes UPS, aber dazu gleich mehr. HelloFresh möchte, dass die Verbraucher wieder mehr Zeit haben - für Kinder, Familie, Freunde, Freizeit oder fürs Bücherlesen, so steht es zumindest auf der HelloFresh-Homepage. Einkaufen und Abendessensplanung für eine gesamte Woche seien in unserer Gesellschaft der reinste Stress, heißt es da weiter, das möchte HelloFresh uns gerne abnehmen. Das Versprechen: "Wir achten darauf, dass nur das Beste in unseren Boxen landet", die Lieferung ist günstiger, als im Supermarkt selbst einzukaufen - und man muss nicht einmal zu Hause sein, wenn die Box eintrifft. Denkste!

Ein Paket auf Umwegen. Nach drei Tagen Irrfahrt gelangte es in meinen Besitz.

Ein Paket auf Umwegen. Nach drei Tagen Irrfahrt gelangte es in meinen Besitz.

Der Deal lautete: eine "Classic Box" für zwei Personen mit Produkten für drei Hauptgerichte. Man kann zwischen dieser Box und einer fleischlosen Veggie-Box wählen; für den Vitaminkick gibt es eine Obst-Box. Das klassiche Paket sollte also an einem Mittwochmorgen zwischen 8 und 12 Uhr geliefert werden. Wenn niemand anzutreffen ist, darf die Bestellung auch vor die Tür auf dem Fußabtreter abgelegt werden. Zweimal versuchte der Paketservice die Box zuzustellen, zweimal exakt um 11.57 Uhr, nur vergaß der Paketservice, die Box auf den Teppich zu stellen. Das heißt, die enthaltenen Lebensmittel lagen drei Tage ungekühlt in einem Karton. Denn genau so lange dauerte es, bis die Box in meinem Besitz war. Gut, die verderblichen Lebensmittel wurden mit einem Eispack kühl gehalten. So lagen Frischfleisch und Milchprodukte dann wahrscheinlich nur zwei Tage gänzlich ungekühlt im Karton.

Der Inhalt kann sich durchaus sehen lassen. Leider waren die Produkte ungekühlt, als sie bei mir ankamen. Das Hähnchenfleisch wurde daher sicherheitshalber entsorgt.

Der Inhalt kann sich durchaus sehen lassen. Leider waren die Produkte ungekühlt, als sie bei mir ankamen. Das Hähnchenfleisch wurde daher sicherheitshalber entsorgt.

Lose Nudeln, verlorener Knoblauch

Als ich die Classic Box öffnete, erwartete mich das nächste Desaster. Überall flogen Nudeln herum - die Packung war gerissen. Also sammelte ich die losen Rigatoni ein und bewahrte sie in einer Schüssel auf. Die Lebensmittel waren alle schön drapiert und in Plastik oder Papierverpackungen verstaut.

Drei Gerichte waren dabei, ein vegetarisches und zwei mit Fleisch. Ich probierte mich sogleich am vegetarischen und kochte Rigatoni mit herzhafter Porree-Karotten-Sahne-Soße, verfeinert mit Schnittlauch und Kürbiskernen. Den Gerichten beigelegt war eine hübsch designte Rezeptkarte, die ein wenig an die Rezepte des Kochhauses erinnert. Das Gericht war einfach zu kochen, man benötigte dafür die gelieferten Produkte, also Karotte, Porree, Kürbiskerne, Rigatoni, Sahne und Schnittlauch und nur etwas Brühe, Salz, Pfeffer, Olivenöl und Butter aus dem eigenen Vorrat.

Das Rezept funktionierte, bis auf ein paar Kleinigkeiten: Der Knoblauch sollte abgezogen und fein gehackt werden, dann tauchte dieser im Rezept aber gar nicht mehr auf. Deshalb Punktabzug. Die Pasta soll sehr delikat sein, so bewirbt es zumindest HelloFresh im Rezept, aber eigentlich waren es einfach nur Nudeln mit Lauch, zu viel Sahne und Brühe-Geschmack. Kann man machen, muss man aber nicht.

Pasta mit Porree und Möhre. Kann man machen, muss man aber nicht.

Pasta mit Porree und Möhre. Kann man machen, muss man aber nicht.

Gutes Steak-Sandwich, überraschende Pommes

Überzeugt hat mich, als ambitionierte Hobbyköchin, das zweite Gericht: italienisches Steak-Sandwich "Caprese" mit im Ofen geschmorten Tomaten und Mozzarella, dazu knusprige Pastinaken-Pommes. Vor allem auf die Pommes war ich gespannt, denn so habe ich die Wurzeln noch nie gegessen. Das Konzept ging auf. Die Rinderhüfte gelang köstlich, im Rezept wurde sogar genau angegeben, wie viele Minuten das Fleisch in der Pfanne bleiben musste: ein bis zwei Minuten für rare, zwei bis drei für medium, drei bis fünf Minuten für well done. Ich entschied mich für medium. Die Tomaten wurden im Ofen gegrillt, zum Schluss wurde der Mozzarella darauf geben; er schmiegte sich köstlich an die Grilltomaten. Auch die karamellisierten Zwiebeln waren ein Gedicht.

Schnell noch das Ciabatta in den Ofen, und das Sandwich konnte belegt werden: Tomaten, Mozzarella, in Scheiben geschnittenes Steak, karamellisierte Zwiebeln und Basilikum. Im Rezept war zwar auch Thymian angegeben, aber wie auch schon der Knoblauch zuvor, tauchte er nach dem Waschen, Trockenschütteln und Feinhacken nicht mehr im Rezept auf. Was soll nur diese zusätzliche Arbeit? Verrückt. Und deshalb wieder: Punktabzug.

Das Steak-Sandwich "Caprese" hat überzeugt. Vor allem die Pastinaken-Pommes. Lecker!

Das Steak-Sandwich "Caprese" hat überzeugt. Vor allem die Pastinaken-Pommes. Lecker!

Nix für ambitionierte Hobbyköche

Das dritte Gericht konnte leider nicht in seiner Gänze ausprobiert werden. Denn das Hähnchen mit knuspriger Mandelkruste an cremigem Kartoffelgratin und Kräuter-Zucchini bereitete ich ohne Hähnchenbrust zu. Drei Tage ungekühlt, das war mir beim Geflügel dann doch zu heike. Das Steak roch zumindest noch gut und es gab keine bösen Spätfolgen. Aber mit Hähnchen und Salmonellen ist das so eine Sache… Deshalb die vegetarische Variante: Kartoffelgratin und Kräuter-Zucchini. Das schmeckte nicht schlecht, haute mich aber auch nicht vom Hocker.

Bleibt zu sagen, dass die Gerichte und Rezepte mehr oder weniger funktionierten. Sie waren bis auf das Steak-Sandwich wenig raffiniert und geschmacklich nicht unbedingt die Wucht. HelloFresh ist keinesfalls etwas für ambitionierte Köche, sondern bedienen eher den massentauglichen Trend: "Lasst uns doch mal wieder kochen, statt Döner von nebenan zu holen". Den Rezepten würde ein bisschen mehr Kreativität gut tun, für die Frische der Produkte wäre es wichtig, wenn die Kühlkette gewährleistet wäre, auch wenn die Lieferung beim ersten Mal nicht klappt. Positiv ist, dass die Mengen exakt stimmen und kaum etwas im Müll landet. Privat würde ich HelloFresh aber nicht mehr nutzen, da plane ich mein Abendessen doch lieber selber - ein bisschen Selbstbestimmtheit sollte man sich beim Essen doch noch bewahren.

Die Classic Box wurde von HelloFresh zur Verfügung gestellt.

Haben Sie Appetit bekommen? Dann finden Sie das Steak-Sandwich "Caprese" Rezept auf der nächsten Seite

Italienisches Steak Sandwich "Caprese" mit im Ofen geschmorten Tomaten und Mozzarella, dazu knusprige Pastinaken-Pommes

Italienisches Steak Sandwich "Caprese" mit im Ofen geschmorten Tomaten und Mozzarella, dazu knusprige Pastinaken-Pommes

Italienisches Steak Sandwich "Caprese"

Zutaten für 2 Personen (für 4 Personen alle Zutaten verdoppeln)

  • Rinderhüfte 2
  • Tomaten 2
  • Pastinaken 2
  • Ciabatta 1
  • Zwiebel 1
  • Thymian 5 g
  • Basilikum 10 g
  • Mozzarella 125 g
  • Knoblauch (solo) 1/8

Gut im Haus zu haben

  • Salz
  • Pfeffer
  • Zucker
  • Olivenöl
  • Essig
  • Butter
Alle Zutaten, die sie für das Steak-Sandwich brauchen.

Alle Zutaten, die sie für das Steak-Sandwich brauchen.

Zubereitung

1 • Rinderhüfte aus dem Kühlschrank nehmen damit diese Zimmertemperatur erreichen kann.

• Ofen auf 200°C Ober-/ Unterhitze (180°C Umluft) vorheizen.

• Tomaten waschen, Strunk entfernen, vierteln und entkernen.

2

• Anschließend mit der Schnittseite nach oben in einer kleinen feuerfesten Auflaufform verteilen, mit etwas Olivenöl beträufeln, mit Salz, Pfeffer und 1 Prise Zucker würzen und ca. 30-35 Min. im Ofen garen, bis die Tomaten weich und karamellisiert sind.

• Für die Pastinaken-Pommes: Pastinaken waschen und schälen.

3

• Anschließend in feine (ca. 1 cm breite Streifen schneiden).

• Mit etwas Olivenöl, Salz und Pfeffer auf einem tiefen Backblech verteilen und ca. 20-25 Min. auf mittlerer Schiene des Ofens garen.

• Ciabatta für die letzten 12 Min. der Garzeit zum Aufbacken zugeben.

4

• Für die karamellisierten Zwiebeln: Zwiebel abziehen und in feine Streifen schneiden.

• 1 TL Butter in einer beschichteten Pfanne bei schwacher Hitze erwärmen.

• Zwiebeln mit ½ TL Zucker zugeben und ca. 10 Min. unter gelegentlichem Wenden garen. Dann Hitze reduzieren.

5

• 2 TL Essig hinzufügen und schmoren, bis die Flüssigkeit verdampft ist.

• Thymian waschen. trocken schütteln und fein hacken.

• Basilikum waschen, trocken schütteln und Blätter abzupfen.

• Mozzarella abgießen und in feine Scheiben schneiden.

6

• Mozzarella für die letzten paar Min. der Garzeit auf den Tomaten verteilen und zerlaufen lassen.

• Knoblauch abziehen.

• Für das Steak: ½ EL Olivenöl in einer großen beschichteten Pfanne stark erhitzen.

7

• Steaks darin ca. 1-2 Min. (für Rare), 2-3 Min. (für Medium), 3-5 Min. (für Well Done) braten.

• Anschließend nach Geschmack mit Salz und Pfeffer würzen und kurz in Alufolie gewickelt ruhen lassen.

• Ciabatta quer halbieren und längs aufschneiden.

8

• Ciabatta auf der Oberseite und Unterseite mit etwas Olivenöl bepinseln und Knoblauch darüber reiben.

• Mit Tomaten, Mozzarella, in Scheiben geschnittenem Steak, karamellisierten Zwiebeln und Basilikum füllen.

• Anschließend mit Pastinaken-Pommes auf Tellern verteilen und genießen.

Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.