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Mayonnaise aus Pflanzen: Das Ei des Josh Tetrick

Erst war es das Fett, dann Zucker und Gluten - und nun soll es dem Ei an den Kragen gehen. Ein US-Unternehmer will gesundes Essen billig produzieren und setzt auf Ersatzprodukte aus Pflanzen.

Von Denise Wachter

Das ist ein Ei. Ginge es nach dem Unternehmen Hampton Creek, könnte das bald Vergangenheit in Lebensmitteln sein.

Das ist ein Ei. Ginge es nach dem Unternehmen Hampton Creek, könnte das bald Vergangenheit in Lebensmitteln sein.

Die Lebensmittelindustrie findet immer wieder ein neues Produkt, das wie eine entlaufene Sau durch das Dorf gejagt wird. Nachdem Fett, Zucker und Gluten mit Low-Fat-, Low-Sugar- und Gluten-Free-Produkten der Teufel ausgetrieben wurde, ist es nun das Ei. Denn das soll laut US-Unternehmer Josh Tetrick nicht nur hohe Cholesterinwerte haben. Sondern auch für die 34 Millionen US-Bürger verantwortlich sein, die an Allergien oder Unverträglichkeiten von Eiprodukten leiden.

Das Ammenmärchen vom gefährlichen Cholesterin in Eiern ist allerdings schon seit Jahren überholt. Und trotzdem will Tetrick mit seinem Food-Tech-Startup Hampton Creek Eier aus Lebensmitteln verbannen. Den Verbrauchern spricht er damit aus der Seele. Das zeigen die 150.000 Anhänger bei Facebook - das Ergebnis einer perfiden Marketingstrategie.

Natürlich empfindet er auch die Haltung von Legehühnern als abscheulich. Dennoch urteilt er knallhart: Nicht der Verbraucher ist das Problem, der Eier aus Masttierhaltung kauft und isst. Sondern das Freilandhuhn, das einfach zu teuer ist. "Wer will schon sechs Dollar für ein Dutzend Eier zahlen?", fragt der US-Unternehmer bei einem Vortrag. Die Lösung des Lebensmittelherstellers: "Nehmen wir doch das Huhn aus dieser Gleichung heraus."

Dabei hat Hampton Creek wirklich gute Absichten: Das Unternehmen verspricht, Essen gesünder und schmackhafter zu machen und es für jeden erschwinglich zu halten. Das Hauptargument der Ei-Ersatzhersteller ist nicht nur die Gesundheit, sondern auch, dass die Produktion des Ei-Ersatzes um 48 Prozent kostengünstiger ist als die "natürliche" Eiproduktion.

Das erste Produkt, dem Hampton Creek das Ei austreiben will, ist Mayonnaise: Aus natürlichen Zutaten ohne Genmanipulation soll diese bestehen. Deshalb haben sie zwei Jahre gebraucht, bis sie "Just Mayo" ("Nur Mayo") aus rein pflanzlichen Inhaltsstoffen entwickelt haben. Darin enthalten sind Rapsöl, gefiltertes Wasser, Zitronensaft, Weißweinessig, Zucker, Salz, Apfelessig, Erbseneiweiß, modifizierte Stärke, Knoblauch, Gewürze und Beta-Carotin.

Biozertifizierung ist zu teuer

Die Mayonnaise wird bereits in der amerikanischen Bio-Supermarktkette Whole Foods und einem regionalen Supermarkt in San Francisco vertrieben. Hampton Creek untersucht hunderte Pflanzen pro Woche, die für die Entwicklung tierfreier Produkte infrage kommen. Deshalb beschäftigt das Unternehmen hauptsächlich Biochemiker in seinem Lebensmittellabor.

Das Startup ist auch eines der ersten, das Technik mit der Erschwinglichkeit des Produkts verbindet. Die nächsten Innovationen stehen quasi schon im Kühlfach: roher, eifreier Keksteig "Eat the Dough" und "Scrambled Eggs" (Rühreier), die jedoch noch nicht marktreif sind. Bio-zertifiziert werden die Produkte aber nicht, da das nicht dem Ansatz von Hampton Creek entspricht, die Produkte gesünder und gleichzeitig erschwinglich anzubieten. So begründet es zumindest der Geschäftsführer des Food-Tech-Startups.

Ob der Weg zu gesunder Ernährung über technisch optimierte Lebensmittel gehen muss, ist fraglich. Wie wäre es denn damit: einfach mehr Bionahrung anbieten, damit sie kostengünstiger wird.

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