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Plastik vermeiden Essensreste wie kleine Geschenke: Ein Bienenwachstuch ist nachhaltig und macht glücklich

Sehen Sie im Video: Bienenwachstücher – wie man sie richtig nutzt und selbst herstellen kann.
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Die Corona-Zeit hat vielerorts den Blick auf den eigenen Haushalt verändert, auch bei der stern-Redaktion. In einem Selbstversuch, der weder Mut noch Geschick erforderte, hat unsere Kollegin Bienenwachstücher getestet – und ist begeistert.

Die Corona-Pandemie hat das Leben fast aller Menschen auf der Erde auf den Kopf gestellt. Unser Alltag sieht, seitdem das Virus aufgetaucht ist, völlig anders aus als zuvor. Homeoffice und Homeschooling waren vorher seltene Ausnahmen, mit Masken haben wir Menschen nur auf der Straße gesehen, wenn sie aus Asien in Europa zu Besuch waren. Die viele Zeit, die wir plötzlich zu Hause verbringen, insbesondere während des Lockdowns gab es wenig Gründe, die eigenen vier Wände zu verlassen, hat uns verändert. Sie hat aber auch den Blick auf unser Zuhause beeinflusst. Viele Menschen haben die unfreiwillige Isolation genutzt, um auszumisten, aufzuräumen oder gleich zu renovieren. Altpapiercontainer zeugten von aufgelösten Zeitschriftensammlungen, Altkleidercontainer von aussortierter Kleidung. Die permanente Anwesenheit hat uns die Augen auf die Baustellen in unseren Haushalten geöffnet, es gab schließlich wenig Ablenkung.

Die Ruhe am Himmel sowie auf den Straßen und das gut hörbare Vogelgezwitscher waren für mich ein Grund, meinen Haushalt mal in puncto Umweltsünden unter die Lupe zu nehmen. Zig angebrochene Flaschen Putzmittel haben mich darauf gebracht, nach Alternativen Ausschau zu halten (der Artikel dazu kommt bald). Und der Wunsch, möglichst plastikfrei zu leben, lenkte meinen Blick auf die Frischhaltefolienreste in meinem Küchenschrank.

Hübsche Bienenwachstücher und überraschende Erkenntnisse

Wenn man einen großen Essensrest übrig hat, ist alles kein Problem: In fast jedem Haushalt findet sich eine Schüssel mit passendem Deckel, der den Inhalt luftdicht abschließt. Oder man lässt das Gericht einfach im Kochtopf und stellt diesen in den Kühlschrank. Bei den kleineren Übrigbleibseln sieht das schon anders aus, für sie habe ich meist Frischhaltefolie verwendet, manchmal Alufolie. Beides nicht umweltbewusst. 

Meine Onlinerecherche am Küchentisch führte mir schnell vor Augen, wie es besser geht. Ich begann, Bienenwachstücher in unterschiedlichen Größen zu kaufen und zu benutzen. Und kaum etwas hätte mich mehr überraschen können als dieses Material, das unsere Groß-, Urgroß- und Ururgroßmütter wohl schon glücklich gemacht hat.

Bienenwachstuch: selbst herstellen oder fertig kaufen?

Ich bin nun weder eine begnadete Bastlerin noch eine supertolle Hausfrau. Stoff auszuschneiden und darauf Wachs glattzubügeln, sodass man später ein anwendbares Bienenwachstuch in den Händen hält, habe ich mir nicht so richtig zugetraut. Ich sah mich eher mit einem verklumpten Lappen und einem kaputten Bügeleisen zurückbleiben. Deswegen bin ich auf Nummer sicher gegangen und habe für meinen Test fertige Tücher online bestellt. (Mittlerweile, muss ich hinzufügen, werde ich es zumindest mal versuchen, sie selbst herzustellen.)

Dass man Bienenwachstücher weder in die Spülmaschine schmeißen noch heiß abwaschen kann, logisch, hat mich zunächst verunsichert. Wie soll da Hygiene gewährleistet sein? Ich beschloss, es einfach auszuprobieren und habe alles eingewickelt, was mir in die Hände fiel: Brot, Käse, Obstreste und sogar eine halbe Zwiebel. Und letztere, muss ich sagen, war die Megaüberraschung: Als ich sie verwendet habe – für einen Wespenstich, aber das ist eine andere Geschichte – roch das Tuch nach: gar nichts!

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© Markus Spiske / Unsplash

Die Reinigung ist mehr als simpel

Bienenwachs wirkt schmutz- und wasserabweisend, sodass die Reinigung ganz einfach ist. Bislang hat das Abspülen mit kaltem Wasser für meinen Bedarf ausgereicht. Sollte es eine stärkere Verschmutzung aufweisen, sind auch lauwarmes Wasser und ein mildes Spülmittel okay, heißt es. Anschließend kann man das Bienenwachstuch einfach mit einem Geschirrhandtuch abtupfen oder es darauf ausbreiten, damit es an der Luft trocknet. Alternativ könnte man es auch mit Wäscheklammern aufhängen. Die Tücher sind relativ steif, was das Einwickeln von Lebensmitteln sehr vereinfacht.

Mit der Zeit entstehen im Wachstuch Knickspuren oder Bereiche, in denen die Beschichtung dünner wird. Der Fall ist bei mir jedoch nach einigen Wochen Verwendung noch nicht eingetreten. Doch die Gebrauchsspuren sollen sich leicht beseitigen lassen: Man legt das Tuch auf ein Backblech mit Backpapier oder einer Backpapier-Alternative aus und erwärmt es für einige Minuten im Backofen bei etwa 70°C, bis die Oberfläche wieder gleichmäßig glänzt. Done! Oder man legt das Tuch zwischen zwei Lagen Backpapier und bügelt auf niedriger Stufe kurz darüber.

Die Sache mit der Hygiene

Die nordrhein-westfälische Verbraucherzentrale ist nicht ganz so optimistisch wie ich. Sie schreibt auf ihrer Website: 

Bienenwachstücher sehen oft sehr schön aus, aber sie haben keine besonders lange Nutzungsdauer (oft wird ein Jahr als Verwendungszeitraum angegeben). Eigentlich sind sie auch gar nicht notwendig, um Müll zu vermeiden: Schüsseln lassen sich beispielsweise mit einem Teller abdecken. Brote, Kuchen oder Snacks sind in einer Mehrwegdose bestens aufgehoben und werden darin in der Tasche auch nicht gedrückt. 

Ein entscheidender Nachteil von Bienenwachstüchern ist, dass man sie nicht heiß spülen kann. Denn Bienenwachs schmilzt bei ca. 62°C. Daher sind diese Tücher aus hygienischen Gründen nicht für rohes Fleisch und Fisch geeignet. Zugesetztes Baumharz, das gegen Bakterien und Pilze wirken soll, kann möglicherweise den Geschmack der Lebensmittel verändern.

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Für einen eigenen Test haben wir ein paar Links zusammengestellt:

Bienenwachspastillen für die Reparatur:

Zur Herstellung und Reparatur:

Für meinen Haushalt sind sie genau richtig

Da ich weder Fleisch noch Wurst esse und Fisch am Tag des Einkaufs verbrauche, habe ich bei der Verwendung keinerlei Bedenken. Auch konnte ich bislang nicht feststellen, dass sich der Geschmack der Lebensmittel verändert hat. Was sich jedoch – zum Positiven – entwickelt hat, ist deren Haltbarkeit: Käse schimmelt nicht mehr so schnell und auch Brot hält sich länger. Das liegt wohl an dem Baumharz, das die Verbraucherzentrale erwähnt. (Ich besitze zum Beispiel auch keine Mehrwegdose, in die ein ganzes Brot passt und finde, dass Brot in Brotdosen komisch feucht und gummiartig wird.)

Was jedoch stimmt: Die Tücher sehen einfach entzückend aus – und das Auge isst bekanntlich mit. In einem an 50er-Jahre-Design erinnernden Muster oder einer Farbgebung, die von den Küchengardinen meiner Großmutter inspiriert worden sein könnte, werden die Lebensmittel im Kühlschrank zur optischen Freude und: Überraschung. Im Gegensatz zu Frischhaltefolie kann man ja nicht hindurchschauen. 

So kommt auch mal wieder ein bisschen Abenteuer in den Alltag 🤣

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