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Stern Logo Vegan selbst versucht! - 60 Tage "Vegan for Youth"

Vegan selbst versucht!: Tag 31-32: Japan trifft Südamerika

Derik erklärt, warum manche vegane Lebensmittel so teuer sind, stellt ein Buch vor und präsentiert seine veganen Sushi-Kreationen mit Chia-Samen.

Von Derik Meinköhn

Am Anfang meiner Challenge habe ich mich ja über den teuren Einkauf gewundert, ein paar spezielle Lebensmittel haben den Preis ganz schön nach oben geschraubt. Heute habe ich das neue Buch von Jan Bredack "Vegan für alle" gelesen und darin zumindest eine Erklärung dafür gefunden. Jan ist Gründer der veganen Supermarktkette "Veganz" und beantwortet in einem Kapitel die Frage, weshalb viele dieser supergesunden Lebensmittel bei uns nicht angebaut werden, teuer sind und außerdem noch schwer zu bekommen. Er schreibt, dass die großen Konzerne sofort gegen diese neuen Lebensmittel vorgehen, sie in Misskredit bringen und versuchen, diese mit aller Macht vom Markt fern zu halten.

Chia-Samen zum Beispiel muss Jan über England einführen, weil der Direktimport nach Deutschland noch immer von langwierigen Tests abhängig gemacht wird. Dabei werden Chia-Samen in Südamerika seit über 1000 Jahren gegessen. Sie enthalten unglaublich viele Nährstoffe, Proteine und Antioxidantien sowie Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Ein wahres Wunderkorn. Leider teuer. Deshalb ist es eine Idee von Jan, die Großen der Nahrungsmittelindustrie dazu zu bewegen, auch solche Superfoods zu produzieren und zu vertreiben. Das würde den Preis erheblich senken, und mehr Menschen könnten sich das leisten.

Das wiederum finden viele Veganer gar nicht lustig, denn die Nahrungsmittelindustrie ist schon so etwas wie das Feindbild. Die Typen, die uns abhängig machen, indem sie Zucker ins Essen mischen, die gewinnorientiert denken und nicht gesundheitsorientiert, die dafür sorgen, dass wir umgeben sind von kranken, fetten Menschen. Ich finde es ist natürlich ein zweischneidiges Schwert. Aber wenn man demnächst an jeder Autobahnraststätte statt des fettigen Curryprügels eine Portion Chia bekommen könnte... Das fänd ich schon gut.

Verschiedene vegane Strömungen

Die Geschichte, die Jan in seinem Buch erzählt, ist übrigens sehr lesenswert. Er ist Sohn eines Stasi-Offiziers, der ihn immer extrem unter Druck gesetzt hat und nie etwas von ihm hielt. Er stieg auf zu einem Top-Manager bei Mercedes, hatte einen Burnout, wurde abgesägt und nach Moskau versetzt, entdeckte dann über seine neue Liebe vegetarisches und veganes Essen, stieg aus und gründete "Veganz". Die Kapitel über sein Leben wechseln sich immer wieder ab mit Kapiteln, in denen er schreibt, warum das vegane Leben gut ist, was dahinter steckt, wie wir mit Tieren umgehen und wie gesund es ist, vegan zu leben.

Interessant fand ich auch das Kapitel über verschiedene ideologische Strömungen bei den Veganern. Staight Edge Veganer entstammen zum Beispiel der Hardcore Punk Szene. Um sich von anderen Punks abzusetzten, verzichteten sie auf Alkohol, Drogen und wechselnde Geschlechtspartner. Ende der 80er entstand daraus Vegan Straight Edge. Es gibt auch eine vegane Strömung, die den nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Theorien nahesteht, hätte ich nie gedacht!

Algen als gute Jodquelle

Als Veganer muss man auf ein paar Nährstoffe besonders achten. Zum Beispiel auf Jod. Das steckt reichlich in Algen. Und mit Algen kann man prima Sushi machen. Meine japanischen Röllchen habe ich mit Südamerika vermählt und ein paar Chia-Samen in den Reis gemischt. Ich habe kein richtiges Rezept, weil ich dieses Mal einfach drauflos gekocht habe.

In den garen, noch feuchten, heißen Reis habe ich ein paar Löffel Chias eingerührt. Um die richtige Konsistenz zu finden, braucht es etwas Übung. Der Reis muss bissfest sein, sollte nicht pappig sein, aber trotzdem gut kleben. (Nicht verzweifeln, mein allererstes Sushi war ein Katastrophe!) Der Reis wird sauer-süß gewürzt, am besten mit Su, einem Reisessig, und Mirin, einer japanischen Würzsauce. Man bekommt den Geschmack aber auch mit unserem Essig, Sherry und etwas Süße ganz gut hin, einfach vorsichtig ausprobieren und immer wieder neu abschmecken. In die Rollen kann man hineingeben, was die Küche hergibt. Sehr gut fand ich gegrillte Aubergine und Avocado. Wie man die Dinger rollt, guckt man sich am besten bei einem Japaner an, oder bei Chefkoch auf Youtube. Guten Appetit!

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