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Stern Logo Vegan selbst versucht! - 60 Tage "Vegan for Youth"

Vegan selbst versucht!: Tag 8: Om und schmerzende Knie

Jeden Tag zu meditieren, kann ziemlich anstrengend sein. Auch Derik geht der täglichen Meditation nicht immer nach. Doch wenn er es tut, ist er ziemlich entspannt - auch ohne Erleuchtung.

Von Derik Meinköhn

Zum Programm von Vegan for Youth gehört auch die tägliche Meditation. Es ist ziemlich anstrengend, jeden Tag zu meditieren. Ehrlich gesagt, gibt es auch Tage, da habe ich es einfach weggelassen. Denn, auf die Schnelle am Abend funktioniert Meditation einfach nicht.

Ich mache seit ein paar Jahren Kung Fu. Wenn es der Job zulässt, gehe ich montags in die Sporthalle - also eigentlich eher selten. Aber durch das Kung Fu ist mir Meditation nicht unbekannt. Ich meditiere im Schneidersitz oder neuerdings auch im Lotossitz, der geht mir zwar auf die Knie, aber es ist entspannter für den Rücken. Meditieren ist kein Hokuspokus: In allen Kulturen und Religionen gibt es Meditation in unterschiedlichen Formen. Die traditionelle westliche Meditation wurde im Mittelalter durch die Inquisition verbannt, aber Teile davon finden sich noch in den Exerzitien (intensives Gebet) wieder. In unserem täglichen Leben spielt Meditation keine Rolle, denn: Wir sind Arbeitstiere und haben für Besinnung keine Zeit und Platz. Und, wenn wir heute ans Meditieren denken, fällt uns als erstes Buddha ein. Aber es gibt viel mehr: Tanzen, Gehen, Rezitieren, alles ist möglich. Ich aber sitze und komme mir anfangs ziemlich doof vor.

"Ich sitze. Ich atme. Ich bin da."

Ich sitze trotzdem. Sitze und atme. 20 Minuten mit geschlossenen Augen. Ich komme in einen Zustand, bei dem ich das Gefühl habe, dass ich mich selbst beobachte. Meine Gedanken ziehen vorbei, Geräusche ziehen vorbei, irgendwann tut mir irgendwas weh und ich will aufhören. Aber auch das zieht vorbei. Ich denke: "So ein Mist". Aber auch das geht vorbei. Ich bin. Ich sitze. Ich atme. Nichts leuchtet, nichts macht "Aha" oder erweitert sich, ich bin einfach nur da und sitze auf dem Boden, bin fast eins damit. Hört sich echt langweilig an. Dann kommt aber plötzlich so ein seltsamer Zustand, den kann ich nicht richtig beschreiben. Ich bin ganz weit weg und gleichzeitig voll da. Wundere mich, dass der Wecker das Ende der 20 Minuten verkündet, denn genau in diesem Moment hatte ich den Eindruck von Zeitlosigkeit. Seltsam. Das Gefühl war echt cool. Ich stehe langsam auf, die Knochen tun mir plötzlich richtig weh. Aber danach bin ich ziemlich entspannt. Echt relaxed. Der Tag holt mich aber irgendwann ein und ich kann mich über Kleinkram wieder so aufregen, als hätte ich das Wort Meditation nie gehört. Ich bin wirklich gespannt, ob das nach den 60 Tagen immer noch so ist, oder ob die tägliche Übung zu einer entspannten und bewussten Grundhaltung führt. Mal sehen. Bis dahin: "Om".

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