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Michelin-Stern für Streetfood in Bangkok Diese 70-Jährige ist die Königin der Straßenküche – und kocht mit Skibrille

Auf Instagram ist Jay Fai häufig zu sehen: Links ein Portrait von thetravellist_net. Rechts die Köchin (mit Skibrille) in Action von Instagrammer jslim60.
Auf Instagram ist Jay Fai häufig zu sehen: Links ein Portrait von thetravellist_net. Rechts die Köchin (mit Skibrille) in Action von Instagrammer jslim60.
© Instagram/thravellist.net/jslim60
Bangkoks erster Michelin-Stern für Streetfood: Eine 70-jährige Straßenköchin ist vor allem für ihr Krabben-Omelette bekannt. Das ist so gut, dass die Köchin dafür ausgezeichnet wurde.

Sie trägt eine Beanie-Mütze, eine schwarze Schürze und eine Skibrille, die sie vor heißem, spritzenden Fett schützen soll. Die 70-jährige Jay Fai oder auch Tante Fai, wie sie genannt wird, ist vom ersten Michelin-Führer in Bangkok mit einem Stern ausgezeichnet worden. Also der größten Ehre in der kulinarischen Welt. 

Andere Köche lechzen förmlich nach der höchsten Auszeichnung in der Gastronomie. Jay Fai musste aber zugeben, dass sie zwar von dem Namen Michelin gehört habe, aber nicht wusste, dass er etwas mit Kochen zu tun hat. Tante Fay brutzelt auf den Straßen Bangkoks seit jeher, Nudeln mit Garnelen und Krabben über Holzkohle, oder aber ihr berühmtes Krabben-Omelett. Trotzdem platzt Jay Fai (nachdem sie herausgefunden hatte, was der Michelin-Stern bedeutet) vor Stolz: "Ich bin sehr stolz. Wir haben nicht viele Angestellte, weil ich ein bisschen schwierig und verrückt bin", sagte sie der "AFP" nach der Auszeichnung. 

Jeden Tag kocht die 70-jährige Jay Fai in ihrem Restaurant

 Ihr Restaurant ist so einfach wie ihre Gerichte: eine offene Küche, Fliesen an den Wänden und Metallhocker, die bis auf die Straße hinaus stehen. Jeden Tag steht Jay Fai hier hinterm Herd. Fängt das Essen Flammen, setzt sich die Sterneköchin - ganz pragmatisch - lieber ihre Skibrille auf. Schließlich kann heißes Öl zu bösen Verbrennungen führen.

Normalerweise hat der Michelin-Führer die Reputation, nur Fine-Dining-Restaurants auszuzeichnen, also Läden, die ihre Tische mit weißen Stofftischdecken und Silberbesteck eindecken. Aber auch die Jury der Michelin-Führer entwickelt sich weiter: Bereits 2010 wurde in Hong-Kong ein Dim-Sum-Laden ausgezeichnet. Oder aber ein Straßenkoch in Singapur, der in seiner Straßenküche nur ein Gericht anbietet: Hühnchen mit Reis. 

Die Bangkoker Foodbloggerin Chawadee Nualkhair hat für die 70-jährige Sterneköchin nur gute Worte: "Jay Fai ist die Königin der thailändischen Straßenküche. Sie hätte alles mit ihrem Ruhm erreichen können: Restaurantketten, Streetfood-Filialen, ein schickes zweites Restaurant, aber sie tat das nicht. Sie blieb in ihrem Open-Air-Laden mit ihren zwei Woks. Ich bin glücklich, dass sie endlich Anerkennung bekommt", sagte die Foodbloggerin dem "Guardian"

Kein Schnäppchen für Einheimische

Für thailändische Verhältnisse ist das Essen bei Jay Fai alles andere als günstig. Für Tante Fais Spezialgericht Krabben-Omelett muss man um die 23 Euro hinblättern.

Jay Fais Streetfoodküche ist die einzige Küche auf der Straße von 28 Restaurants, die im "Bangkok Guide Michelin"" aufgeführt ist. Unter anderem finden sich darin eher Haute-Cuisine-Restaurants wie das französische Le Normandie oder das modern-indische Restaurant Gaggan, das zwei Michelin-Sterne bekommen hat.

Der Guide Michelin in Bangkok kam übrigens zur rechten Zeit. Vor einigen Monaten verärgerten die thailändischen Behörden die lokale und internationale Foodszene: Sie wollten die Straßenküchen in Bangkok verbieten. Mittlerweile wurden die Pläne – vor allem auch wegen des großen internationalen Aufschreis – teilweise rückgängig gemacht. Lesen Sie mehr dazu hier: 


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