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Glaubenskrieg um Nespresso und Co.: Warum Kunden die Kaffee-Kapseln mögen

Viel zu teuer und umweltschädlich: Viele Kritiker wollen den Kapsel-Kaffee miesmachen und fordern die Rückkehr zur Filtermaschine. Was soll das, liebe Nörgler? Lasst doch die Kunden entscheiden!

Ein Kommentar von Gernot Kramper

Glaubt man den Kritikern, geht vom Kapsel-Kaffee eine Gefahr für Umwelt und Portemonnaie aus

Glaubt man den Kritikern, geht vom Kapsel-Kaffee eine Gefahr für Umwelt und Portemonnaie aus

In deutschen Küchen herrscht Krieg. Ein Krieg gegen meine Kaffeekapseln. Dem Kunden gefallen Nespresso und all die anderen Nachahmer. Mir auch. Wir Kapsel-Lover genießen unseren leckeren Kaffee und die Umsätze explodieren. So ein Idyll von zufriedenen Verbrauchern kann im Nörgel-Staat Deutschland nicht in Frieden gedeihen. Alle möglichen "Schützer" warnen seit Jahren vor dem Kapselgenuss, als sei der Belzebub persönlich in die Maschine gestiegen.

Immer wird der Kapsel-Trinker auf seine ökonomische Unvernunft hingewiesen, denn Kapselkaffee sei unverschämt teuer. 36 Cent fürs Tässchen ist nicht gerade wenig, aber dass Leute in die Nespresso-Verschuldung abrutschen, habe ich noch nie gehört. Die besorgten Spielverderber wissen natürlich alles besser als ich, der dumme Konsument.

Der Kunde ist klüger

Tatsächlich ist der Verbraucher meist klüger als seine Vormünder. Jemand, der zwölf Kaffeetrinker versorgen muss, wird beim Filterkaffee bleiben, weil ihm die Kosten der Kapselversorgung für das durstige Dutzend bewusst sind. Die Nespresso-Maschine steht bei Leuten, die allein oder zu zweit mal einen guten Kaffee genießen wollen. Und da ist das Portionierungssystem sinnvoll. Welcher Single erinnert sich nicht an seine Melitta-Kaffeemaschine auf der zwischen Frühstück und Nachmittag langsam ein Liter Kaffee vor sich hin köchelte. Trinken wollte die Brühe schon nach einer Stunde niemand mehr. Oder nehmen wir mich: Ich trinke im Büro drei bis vier Kaffee am Tag. Sicher könnte ich sparen, wenn ich einen Melitta-Kaffee daheim brühen und in eine Thermoskanne füllen würde. Allerdings würde ich mir dann im Büro lieber jeweils einen frischen Pfefferminztee aufbrühen.

Die Preise sind ohnehin relativ. Vor der Kapsel-Revolution kam der Coffee-to-go-Boom. Ein Milchkaffee-to-go kostet zwischen 1,80 und 2,90 Euro - Pappbecher inklusive. Über diese Preise regt sich niemand auf. Im Vergleich dazu sind 36 Cent für einen Nespresso fast geschenkt. Beim Coffee-to-go stimmt zumindest die Qualität. Meine persönliche Rechnung sieht noch anders aus: Im Bürogebäude steht ein Kaffeeautomat. Für 64 Cent spuckt er eine Mischung aus Milchschaum und Kaffeegebräu aus. Manchmal schmeckt es erträglich, häufig eher wie Getriebeabstrich vom Trecker und meist ist kaum Milchschaum im Becher. Im Vergleich zu dieser Nepp-Maschine macht Nespresso mir ein Angebot wie aus dem Himmel. Die Qualität ist Lichtjahre vom firmeneigenen Sirup-Automaten entfernt, obendrein spare ich täglich mehr als zwei Euro.

Die Alternative aus dem Büroautomaten: 64 Cent für drei Zentimeter undefinierbare Brühe.

Die Alternative aus dem Büroautomaten: 64 Cent für drei Zentimeter undefinierbare Brühe.

Die günstigen Alternativen

Wer wirklich knausern will, kann die angeblichen Kapsel-Ausbeuter einfach austricksen. Dazu muss man zuerst die subventionierte Nespresso-Maschine kaufen. Für 50 Euro gibt es den Kaffeeautomaten, einen Milchschäumer und eine Riesenmenge an Nespresso-Kapseln. Sind die guten Kapseln weggetrunken, kauft man den Ersatz einfach bei einem Klon-Anbieter. Die Bohnen sollen angeblich nicht so gut schmecken wie die Crus von Nespresso, dafür gibt es das Tässchen schon für 20 Cent. Auch um die Umwelt muss man sich dann keine Gedanken machen, die Billigheimer vermeiden nämlich das teure Aluminium. Ist auch das noch zu teuer, muss man eben auf Kaffee-Pads umsteigen. Qualitativ kommen sie nicht an die Kapseln ran, kosten bei Aldi aber auch nur 8 Cent die Tasse. Einen Grund, zu Omas Filterkaffee zurückzukehren, gibt es jedenfalls nicht.

Mehr über den Siegeszug der Kaffee-Kapseln

Mehr über die teure Kaffeekapsel-Verführung lesen Sie im aktuellen stern. Jetzt am Kiosk.

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