HOME

Fever-Tree-Gründer Tim Warrillow: Alle trinken Gin Tonic - dieser Mann kennt schon den nächsten Trend-Drink

Tonic-Hersteller Fever Tree hat geschafft, was ihm niemand zugetraut hätte: das Monopol von Schweppes zu brechen. Doch Firmengründer Tim Warillow will noch mehr: Er nimmt mit neuen Produkten den wachsenden Markt dunkler Spirituosen ins Visier.

Fever-Tree-Gründer Tim Warillow

Fever-Tree-Gründer Tim Warillow nimmt mit neuen Ginger-Ales nun auch den wachsenden Markt dunkler Spirituosen ins Visier

Es hätte eine der netten Geschichten werden können, wie es sie heutzutage an fast jeder Ecke gibt: 2004 hatte der englische Werber Tim Warrillow genug von der Medienbranche, er wollte aussteigen und stattdessen seinen eigenen Gin brennen. Allein in Deutschland dürfte es mittlerweile hunderte, wenn nicht tausende solcher Brennereien geben.

Es kam aber anders. Warillow traf 2004 Charles Rolls, der bereits Erfahrungen in der Gin-Branche hatte. Der brachte den jungen Mann auf eine ganz andere Idee. Wenn ein Gin Tonic zu einem Viertel aus Gin, aber zu drei Vierteln aus Tonic Water besteht - ist es da nicht sinnvoll, auch bei letzterem auf Qualität zu achten?

Reise zum gefährlichsten Ort der Welt

Gemeinsam gründeten sie in London die Firma Fever Tree, um das Monopol von Schweppes zu brechen. "Wir wollten es ganz anders machen, es gab damals noch keinen Premium-Markt für Tonic", sagt Tim Warrillow im Gespräch mit dem stern. "Deswegen gingen wir dahin, wo es die besten Zutaten gibt: Die letzte Chinin-Plantage auf der Welt war in Ost-Kongo." Ein Land, in dem Chaos und Krieg herrschen und das Amnesty International vor einigen Jahren als "gefährlichsten Ort der Welt" bezeichnete.

Das Risiko zahlte sich aus: Fever Tree feierte einen Siegeszug in den Bars Europas, allein in deutschen  Großstädten findet man das Tonic in rund 3000 Bars. Die Wachstumsrate liegt bei fast sagenhaften 100 Prozent. Die "Sunday Times" listete den Getränkehersteller 2011 unter den am schnellsten wachsenden privaten Export-Firmen auf Platz 32.


Dabei kostet ein Fläschchen Fever Tree (0,2 Liter) stolze 1,69 Euro, deutlich mehr die Produkte der Mitbewerber. Für das gleiche Geld bekommt man bei Schweppes etwa eine 1,25-Liter-Flasche. "Das größte Problem bestand anfangs darin, überhaupt das Interesse zu wecken. Die ganze Kategorie wurde übersehen", sagt Warillow. "Niemand nahm wahr, dass es auf die Zutaten ankommt - und auf den Geschmack." Inzwischen beträgt der Marktanteil im britischen Heimatmarkt 26 Prozent. Im deutschen Einzelhandel liegt Fever Tree bei rund zehn Prozent - Tendenz steigend. 

Rum und Whiskey statt Gin

Das kann noch eine ganze Weile so weitergehen, der Gin-Hype ist noch nicht abgekühlt. Ganz im Gegenteil: "Wenn man sich die Entwicklung in Großbritannien anschaut, hat Deutschland den Höhepunkt noch längst nicht erreicht." Generell sieht er einen Wandel der Trinkgewohnheiten. Der klassische Purtrinker stirbt aus, jüngere Menschen greifen heute zu Longdrinks.

Doch Warillow hat schon längst das nächste Ziel ins Auge gefasst. Nach Jahren des Gin-Booms rechnet er im englischsprachigen Bereich mit einem Trend zu Premium-Qualität auch bei dunklen Spirituosen wie Rum und Whiskey. Deren Marktanteil beträgt in Deutschland 80 Prozent - im Verhältnis zu lediglich 14 Prozent bei Gin. Damit gibt es ein gewaltiges Potenzial für Mixgetränke, die mit dunklen Spirituosen harmonieren, wie Warillow dem stern sagt. Zu nennen sind etwa der klassische Cuba Libre (Rum, Limette, Cola) und Whiskey mit Ginger Ale.

Aus diesem Grund bringt Fever Tree im Herbst zwei neue Ginger Ales auf den Markt. Ähnlich wie bei der Herstellung ihres Tonic Waters ließ sich der Brite auch für seine neuen Kreationen viel Zeit, um die besten Zutaten zu finden. Der verwendete Ingwer stammt aus Nigeria, der Elfenbeinküste und Indien. Für das Smoky Ginger Ale kam geräucherter Applewood hinzu, das Spiced Orange Ginger Ale bekam süße Clementine und Zimt zugesetzt.

Und noch etwas will Fever Tree auf den Markt bringen: eine neue Cola. Will er sich nach Schweppes nun den nächsten Platzhirschen angreifen? So weit wird es wohl nicht kommen. Seine Cola ist ausschließlich zum Mixen gedacht. Es sei doch eine Sünde, einen edlen Rum in süße Cola zu schütten, so Warillow.

Themen in diesem Artikel