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Gastronomie in der Coronakrise: Jeder kann sie unterstützen: Was sich Restaurant-Betreiber einfallen lassen, um zu überleben

Die Gäste fehlen, das Geld auch, aber Zeit ist jetzt im Überfluss da. Kein Wunder also, dass Gastronomen kreativ werden. Sie helfen nicht nur selbst, sondern auch anderen. Wir geben einen Überblick.

Corona Restaurants

Not macht bekanntlich erfinderisch: So versuchen sich Restaurantbetreiber über Wasser zu halten

Getty Images

Normalerweise hat ein Gastronom eine Arbeitswoche von 60 Stunden oder mehr. Da nun bundesweit Restaurants, Cafés und auch Bars geschlossen haben, gehen die Arbeitsstunden gen Null. Was also tun mit der vielen Zeit? Trübsal blasen? Mitnichten. Nach dem ersten Schock tun viele Gastronomen das, was sie am besten können: Nach Lösungen suchen - und die sind vielfältig. Dabei helfen sie nicht nur sich selbst, sondern auch anderen. Wie die aussehen, habe wir hier als Überblick zusammengestellt: 

Lieferdienst und Abhol-Angebote:

Die Restaurants und Cafés müssen zwar geschlossen sein - doch einem Lieferdienst steht nichts im Wege. Viele bieten deshalb erstmalig an, das Essen bis vor die Tür zu bringen. Zum Beispiel über einen Dienstleister wie Lieferando. Manche Gastronomen schwingen sich sogar selbst aufs Fahrrad oder auf den Roller. Wer das nicht leisten kann, bietet Take-Away an. In den meisten Restaurants kann man vorher anrufen und sein Lieblingsgericht ordern.

In den Großstädten gibt es mittlerweile eigene Social-Media-Kanäle, in denen man erfährt, welche Gastronomie was anbietet. Für Hamburg beispielsweise hier, für Berlin hier. Wer nicht in der Großstadt lebt, kann sich bei seinen Stammlokalen umhören, wie man sie unterstützen kann. Es gilt auch in der Kleinstadt: support your local.

Obst- und Gemüseboxen von regionalen Bauern:

Die Nachfrage nach Obst- und Gemüseboxen von Bauern aus der Umgebung ist enorm. In Hamburg liefert beispielsweise Frischepost Lebensmittel von lokalen und unabhängigen Produzenten direkt an die Haustür. Natürlich kontaktlos. Die Bestellungen sind immens, auch eigenständige Bauern können sich vor einer erhöhten Nachfrage nicht retten. In Kleinstädten beispielsweise gibt es mittlerweile Wartelisten, weil viele Verbraucher ihre Lebensmittel lieber vor die Tür geliefert bekommen als selbst einkaufen zu gehen. Zwar kommen viele Landwirte mit den Bestellungen nicht nach, einen positiven Nebeneffekt gibt es aber: In der Corona-Krise werde regionale Strukturen wieder gestärkt. 

Gutscheine:

Wer sein Lieblingslokal unterstützen möchte, kann dies auch in Form von Gutscheinen tun. Die kauft man jetzt und löst sie ein, wenn das Restaurant wieder geöffnet hat. Entweder man erwirbt sie direkt an der Restauranttür, über die Hompage oder über neue Online-Portale. Bei "restaurant-hero" beispielsweise können sich Restaurants aus Berlin, Hamburg, München und Köln registrieren und ihre Gutscheine anbieten. Auch auf dem Portal "Pay now, eat later" können Gastronomen bundesweit ihren Gutschein platzieren.

Crowdfunding:

Man kann sein Lieblingsrestaurant aber auch direkt finanziell unterstützen, mit sogenannten Crowdfunding-Kampagnen. Max Strohe, Inhaber des Berliner Restaurants "tulus lotrek", beispielsweise geht noch einen Schritt weiter: Er hat die Kampagne "Kochen für Helden" ins Leben gerufen. Strohe hat dafür seinen Kühlraum leer gekocht, um Essen an Menschen in Funktionsberufen wie Ärzte und Ärztinnen sowie PflegerInnen in Krankenhäusern zu verteilen. Auf "startnext" hat Strohe bereits über 20.000 Euro (Stand 01. April, 19.00 Uhr) gesammelt. 

Und auch Tim Mälzer und Kollegen folgen seinem Beispiel und haben "Kochen für Helden" in Hamburg ins Leben gerufen. Lesen Sie mehr dazu hier. 

Soliküchen:

Ein anderes Modell fahren die sogenannten Soliküchen. Die Hamburger "Kitchen Guerilla" bekocht normalerweise die Kantinen großer Tech-Medien-Unternehmen. Wegen der Coronakrise steht der Herd aber still. Manche Großkunden zahlen dennoch weiter und lassen die Mahlzeiten an Hilfsbedürftige weitergeben. Koral und Onur Elci, Geschäftsführer von "Kitchen Guerilla" kamen dadurch auf die Idee der #SoliKüche. Für sieben Euro kann man online ein Essens-Paket erwerben, dass direkt an Obdachlose und Bedürftige weitergegeben wird. So versucht das Unternehmen, nicht nur sich selbst zu helfen, sondern auch Bedürftige mit Mahlzeiten zu versorgen.

Dem gleichen Vorbild folgt auch das Restaurant "Speisekombinat" in Berlin. Mit jeder gekauften Mahlzeit werden Bedürftige unterstützt - im Lokal selbst Arbeitsplätze gesichert. Die Aktion findet so viel Anklang, dass die Betreiber überlegen, wie man sie auch nach der Coronakrise fortführen kann.

Auch das Berliner Hotel Orania hilft der Obdachlosenhilfe in Berlin. Die Kühlräume des dazugehörenden Restaurants waren voll, die Gäste aber blieben wegen der Umstände aus. Also kochten die Betreiber 300 Portionen für die Obdachlosenhilfe, die sie an Bedürftige verteilte. Ab sofort kocht das Restaurant mittwochs, samstags und sonntags für Obdachlose. Unterstützung erhält das Hotel vom Gastronomie-Zulieferer Hamberg und der "Deutschen See".

Weinpakete:

Viele Winzer beliefern nicht nur den Handel, sondern auch die Gastronomie. Damit die nicht auf ihren Flaschen sitzen bleiben, bieten viele Weinmacher Online-Pakete an, die oft versandkostenfrei bis vor die Tür geliefert werden. Das Weingut Wechsler beispielsweise bietet das "stayathome-Paket" an, darin sechs Flaschen für 60 Euro inklusive Versand. Auch die Offenburger Winzer trotzen der Krise und bieten ein "stayathome-Paket" für zu Hause an. Sechs Flaschen für 49 Euro. Ein Teil der Einnahmen wird an ein Frauenhaus gespendet. Mehr Infos gibt es hier. Viele lokale Weinhändler haben aber auch weiterhin ihre Tür für den Verkauf offen. 

Erntehelfer:

Eine ganz andere Form von Unterstützung leistet die Homepage "Clever ackern". Wer wegen des Coronavirus Kapazitäten frei hat, kann sich über das Portal an seinem Wohnort erstmal unverbindlich registrieren lassen. Dann werden passende Landwirte herausgesucht und dem Bauern potentielle Arbeitskräfte vorgeschlagen. Wenn alle Bedingungen stimmen, kann jeder der möchte bald schon auf dem Feld ackern - und sicherstellen, dass dieses Jahr auch Erdbeeren und Spargel auf dem Tisch stehen. 

Koch-Sets für Zuhause:

Manche Gastronomen liefern ihr Gericht nicht heiß, sondern im Vakuumbeutel abgepackt für Zuhause zum Aufwärmen. Das Hamburger Restaurant "Lesser Panda" beispielsweise bietet Ramensets für eine japanische Nudelsuppe an. Im Set enthalten sind frische hausgemachte Nudeln, Brühe, Fleisch, Gemüse und eine Anleitung. Das Set kann man abholen oder gegen Gebühr liefern lassen. Mehr Infos gibt es hier.

Auch das mexikanische Restaurant "Mexikostraße" verkauft sogenannte Taco-Kits an, bislang nur zum Abholen und auch nur in Hamburg. 

Außerdem bieten viele Cafés in Großstädten Frühstück zum Selbermachen an. Sie liefern Brötchen, Aufstriche, Aufschnitt und Obst. Für Rühr- oder Spiegelei muss man nur noch den Herd anschmeißen. 

Desinfektionsmittel statt Schnaps:

Das "BrewDog" in England hat es vorgemacht: Statt Bier gibt's jetzt Desinfektionsmittel. Das ist dort aber nur möglich, weil die Brauer eine Destille betreiben. Auch die Berliner "Deutsche Spirituosen Manufaktur" folgt deren Beispiel. Die brennen eigentlich Brände, Geiste, Gin und Vodka, haben jetzt aber auch auf Desinfektionsmittel umgestellt. Aus 96-prozentigem Ethanol wird nun Händedesinfektionsmittel nach WHO-Standard produziert. Tausende Flaschen werden an Berliner Altenheime gespendet, den Rest gibt es online.

Auch die Destille "Drilling" in Hamburg produziert nun Handdesinfektionsmittel. Die Betreiber kooperieren mit der "Apotheke am Bahrenfelder Bahnhof" und überlegen, jetzt auch für den Privatgebrauch Desinfektionsmittel zu "brennen". 

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Einkaufs-Apps für Nachbarschaftshilfe:

Nachbarschaftshilfe wird gerade groß geschrieben: Wer Älteren oder Risikogruppen das Einkaufen abnehmen möchte - ohne auf Einkaufszettel angewiesen zu sein, kann dies auch mit Einkaufs-Apps erledigen. Die synchronisieren und aktualisieren sich in Echtzeit. Der Einkauf kann dann einfach kontaktlos vor die Haustür des Nachbarn gestellt werden. Geteilte Einkaufslisten leisten beispielsweise die Apps "Bring" oder auch die "SmartList" von Chefkoch.

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