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Interview

Neue Weine: Til Schweiger: "Früher konnte ich mal drei Flaschen Wein am Abend trinken"

Er ist Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor, hat ein Restaurant und ein Hotel. Til Schweiger wird nicht müde. Jetzt macht er auch Wein. Wir haben mit ihm über seinen Weingeschmack gesprochen, und warum er Rotweine aus Deutschland nicht mag.

Til Schweiger mit einem seiner drei neuen Weine, dem Emma Tiger Super T, ein Cabernet Sauvignon.

Til Schweiger mit einem seiner drei neuen Weine, dem Emma Tiger Super T, ein Cabernet Sauvignon.

Prost, Herr Schweiger!

Wie schmeckt Ihnen denn der Wein?

Der Grauburgunder hat für mich etwas zu viel Säure, der Chardonnay und auch der Cabernet Sauvignon sind klasse.

Zu viel Säure? Für mich hat der Grauburgunder fast schon zu wenig. Aber den Rotwein mag ich am liebsten.

Wie kommen Sie eigentlich dazu, Wein zu machen? Ihr Kollege Matthias Schweighöfer ist auch schon zum Winzer geworden. Schickt sich das einfach als Prominenter?

Ich mache den Wein ja nicht, den machen die Winzer. Ich haben ihn nur cuvéetiert.

Cuvéetiert? Das klingt aber hochgestochen. Sie meinen, Sie haben ein Cuvée gemacht, also den Wein verschnitten.

Genau. Ich hasse ja das Wort Cuvée. Vor zwei Jahren habe ich schon mal einen Wein verschnitten und mein Logo darauf geklebt. Im nächsten Jahr hat mir der Jahrgang aber nicht mehr geschmeckt. Dann habe ich von einem italienischen Winzer den ganzen Jahrgang Ripasso gekauft. 8000 Flaschen.

8000 Flaschen?

Ja, er hat mir halt geschmeckt. Der ist super, der Wein. Aber ein Freund hat mir auch gesagt, dass ich die Menge in meinem Restaurant niemals loskriegen werde. Wir haben ihn trotzdem ins Programm genommen. Dann habe ich in Südafrika Nikolas von Haugwitz, Geschäftsführer von Hawesko (Anm. d. Red.: Hanseatisches Wein und Sekt Kontor in Hamburg) getroffen und wir haben etwas rumgesponnen. 

Daraus ist Ihre Weinserie entstanden?

Genau. Alles Weine, die ich selber mag, die zu mir passen. Ich arbeite mit den Winzern zusammen, aber die Weine sind meinem Geschmack angepasst.

Sie haben drei Weine kreiert: einen Grauburgunder, einen Chardonnay und einen Cabernet Sauvignon. Wie viel Til Schweiger steckt da wirklich drin – oder trinken Sie sie einfach nur?

Ich umgebe mich am liebsten mit Menschen, die für das, was sie tun, brennen. Andrea Lonardi aus der Toskana und Jochen Dreissigacker aus Rheinhessen sind zwar unterschiedliche Typen, haben aber die gleiche Passion: organische Weine zu machen. Und aus verschiedenen Fässern, kleines Holzfass, grosses Holzfass, Stahltank und verschiedenen Böden, Kalk, Sand habe ich meine Mischung kreiert.

Gibt es Rebsorten, die Sie nicht mögen?

Ich bin kein Fan von Sauvignon Blanc und kein Fan von Riesling. Das sind genau die Weine, die meistens den Frauen schmecken. Wenn ich mit einer Frau ausgehe und die kennt sich nicht mit Weinen aus, bestelle ich immer einen Sauvignon Blanc. Das funktioniert immer.

Til Schweiger

Sie haben bereits Ihr eigenes Bier, das Tils. Werden Sie Ihre Karte mit gebrandeten Getränken erweitern?

Das ist die Idee. Ich will am liebsten alles immer sofort. Niko (Anm. d. Red.: Geschäftsführer von Hawesko) hat mich aber davon überzeugt, dass es strategisch klüger ist, das sukzessive zu machen. Ich werde alle Weine aus meinem jetzigen Lager raushauen - und dann nur noch meine Weine anbieten, die ich zusammen mit Hawesko mache. Auch im Barefoot Hotel.

Anfang des Jahres ist Ihnen der Preis Ihres Leitungswassers um die Ohren geflogen. Wie viel kostet ein Glas Ihres Weins?

Ich gebe es jetzt langsam auf mit dem Wasser. Das ist wie mit dem Tatort-Vorspann. Ich habe nie gesagt, dass ich den abschaffen will. Ich habe nur gesagt, dass er mir nicht gefällt. Das ist übrigens bis heute so. In Hamburg verkaufe ich fast das günstigste Wasser. Im Ono bei Steffen Henssler kostet das Wasser deutlich mehr. Und in Köln bei meinem Lieblingsitaliener Case di Biase, das es seit 20 Jahren gibt, kostet die Liter-Flasche Wasser 7,20 Euro. Bei mir kostet die Flasche nur 4,20 Euro. Ich habe Mario gefragt, wieviele Gäste sich schon beschwert haben ob des Wasserpreises, er hat gegrinst, und was hat er gesagt?

Noch nie einer?

Noch nie einer. Ich habe zwei Gegendarstellungen gegen die Mopo (Anm. d. Red.: Hamburger Morgenpost), die diesen Schwachsinn in die Welt gesetzt hat, erwirkt. Die kriegt man ja nicht, weil man Unrecht hat.

Wie viel kostet denn jetzt Ihr Wein?

Der Cabernet Sauvignon kostet 24,90 Euro. Der Chardonnay auch, der Grauburgunder 11,90 Euro. Wir werden aber auch deutlich günstigere Weine anbieten im nächsten Jahr.

Und ein Glas in Ihrem Restaurant?

Das kann ich Ihnen so nicht sagen. Beim Wein muss man im Restaurant Faktor drei haben. Ich weiß nicht, für wie viel ich den Wein im Einkauf kriege. Der Wein wird aber flaschenweise verkauft. Wer die Flasche nicht austrinkt, kann sie auch mitnehmen.

Die Weine sind nach Ihren Töchtern Emma und Luna benannt. Fehlt da nicht noch eine Tochter?

Emma ist die Rotweinlinie. Luna die Weißweinlinie. Und Lilli hat sich immer beschwert, weil sie nur einen Tee hat. Ich habe ihr aber versprochen, dass ihr Name der geborene Rosé-Name ist. Die Edellinien heißen dann Emma Tiger, Luna Marie und Lilli Camille. Insgesamt besteht meine Linie aus 15 Weinen und Prosecchi.

Sie werden den Wein in Ihrem Restaurant "Barefood Deli" ausschenken. Ich habe die Bewertungen im Internet gelesen. Sie sind durchwachsen. Der Service wird bemängelt, das Essen sei Durchschnitt. Wie gehen Sie mit dieser Kritik um?

Ich bin Kritik gegenüber immer offen, wenn sie berechtigt und konstruktiv ist. Die schlechten Kritiken sehe ich mit einem weinenden Auge, weil ich meinem Personal versucht habe einzutrichtern, was die Philosophie meines Restaurants ist. Ab heute wird alles gut.

Wie das?

Ab heute habe ich meine neue Restaurantleiterin Jill. Die Kellner dürfen nicht cooler als die Gäste sein, dann haben sie bei mir nichts zu suchen. Es tut mir in der Seele weh, wenn mir von schlechten Bewertungen berichtet wird. 

Meine Kollegen waren in dieser Woche bei Ihnen zum Essen. Die haben sich auch beklagt.

Auch meine beste Freundin hatte hier eine Feier und war sehr verärgert. Es ist so schade, wenn man mit soviel Liebe so einen Laden aufstellt und es kommen andere Leute und machen das kaputt. Das ist ärgerlich. Wir haben ja auch tolle Kellner, es gab oder gibt aber immer welche, denen mein Investment und meine Glückseligkeit ihnen am Arsch vorbei geht. Und so Leute brauche ich nicht. 

Sie sind auch auf Facebook unterwegs. Erst kürzlich wurde ein Klageantrag abgewiesen, weil Sie einen negativen Post einer Userin öffentlich gemacht haben. Ein Glücksfall ...

Das war kein Glücksfall, ich habe Recht bekommen. Das wäre auch schlimm gewesen, wenn nicht. Wäre das nicht der Fall gewesen, wäre ich zur höchsten Instanz gegangen. Meine Anwältin hat mir aber gesagt, dass ich gebrochene Herzen hinterlassen habe, weil ich nicht vor Gericht erschienen bin. Ich habe gesagt, dass ich das nachhole.

Halten Sie Ihr Versprechen?

Natürlich. Ich halte alle meine Versprechen. Demnächst, Anfang Dezember, komme ich nach Saarbrücken.

Nochmal zurück zum Wein.

Ja, gern.

Til Schweiger im Weinberg mit Partner Nikolas von Haugwitz, Geschäftsführer von Hawesko, und Winzer Andrea Lonardi in der Toskana

Til Schweiger im Weinberg mit Partner Nikolas von Haugwitz, Geschäftsführer von Hawesko, und Winzer Andrea Lonardi in der Toskana

Die Weißweine haben Sie mit einem Winzer in Rheinhessen gemacht. Die Rotweine in der Toskana. Warum nicht auch die in Deutschland?

Ich will keinem deutschen Winzer zunahe treten. Es gibt bestimmt Winzer in Deutschland, die Rotweine anders machen. Ich persönlich habe noch keinen deutschen Rotwein getrunken, der mich weggehauen hat. Ich bin von den kräftigen Rotweinen aus Kalifornien versaut. Aus dem Napa Valley, da habe ich lange gelebt.

Noch eine letzte Frage: Ihr Schauspielkollege Gérard Depardieu hat mal gesagt, er trinke pro Tag 14 Flaschen Wein. Wie ist das bei Ihnen?

Je älter ich werde, desto weniger vertrage ich. Früher – also natürlich nicht täglich – konnte ich schon mal drei Flaschen Wein am Abend trinken und bin am nächsten Morgen joggen gegangen. Wenn ich jetzt zwei Flaschen trinke, bin ich den ganzen nächsten Tag tot. Das ist ja auch kein Genuss mehr und ich bin Genussmensch. 

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