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Viniversitaet: Mit jedem Schluck ein bisschen schlauer

Die Flasche auf, das Glas gefüllt ... und prost! Das allein reicht vielen Weintrinkern nicht mehr. Sie wollen mehr über das Geheimnis der Trauben wissen. Die Kurse, die ihnen weiterhelfen, sind gut besucht

Von Alf Burchardt

Und was meint der Fachmann, wenn er sagt, der Wein sei sehr tanninhaltig?" Gute Frage. Die Folge von einem Ganzviel an Tannin - raue Zunge, beschlagene Zähne - haben alle hier schon mal erlebt, über die Ursache aber meist noch nie nachgedacht. Tannin, hören sie jetzt, ist ein Stoff, der in den Trauben sitzt und, je nachdem wie lange der Wein auf der Maische liegt, den Geschmack beeinflusst. Rote Weine haben viel, weiße Weine kaum Tannin. Aha, wieder was gelernt.

Es steigt die Zahl derer, die Wein nicht nur trinken, sondern auch etwas über ihn erfahren möchten. Die Weinhändler helfen da gern. Sie bieten zahlreiche Kurse an und freuen sich über guten Besuch. Heute sind knapp 20 Neugierige in einem Berliner Hotel erschienen, um an einem Anfängerseminar der Wein-Universität, der Viniversitaet, teilzunehmen. Die sitzt eigentlich in der Nähe von Düsseldorf, hält ihre Veranstaltungen aber bundesweit in 15 Städten ab. Bevor es losgeht, verspricht Kursleiterin Gisela Krug, Inhaberin einer Weinhandlung in Spandau: "Nach diesem Abend werden Sie Wein anders als zuvor trinken!" Allgemeines Gemurmel - das sollte ihr gelingen.

Schon bald sitzt jeder Teilnehmer vor zwei Gläsern Weißwein, eingeschenkt aus verhüllten Flaschen, daneben liegt ein Blatt mit Fragen. "Welcher Wein hat die hellere Farbe?" Okay, zum Einstieg was Leichtes. "Welcher Wein hat die intensivere Nase?" Auch nicht sooo schwer. "Welcher Wein ist der körperreichere?" HmÉ Körper? "Wenn Sie das Glas schwenken und sehen, dass Schlieren die Wand runterlaufen - dann hat der Wein Körper", hilft Krug.

Nach einer kurzen Pause sind die ersten drei Rotweine dran. Der Arbeitsbogen stellt Fragen nach Fruchtigkeit, Würze, Holzeinfluss und Säureakzent. Auf den Tischen stehen Näpfe für die Reste, aber dort hinein mag kaum jemand sein Glas entleeren.

Ungefragt beginnt ein Teilnehmer vorzutragen, was er schon alles über Rotwein weiß. Streber! Was macht so einer überhaupt in einem Grundkurs? Oder hat er schon zu viel getrunken?

Die nächsten zwei Rotweine. Das einhellige Urteil über den ersten: viel zu bitter! "Woher mag der kommen?", fragt Krug. "Aus Friesland!", antwortet einer. Die Stimmung ist jetzt ganz, ganz locker, die Teilnehmer sind untereinander längst zum Du übergegangen.

Krug geht mit einer Torte Camembert herum. Dann werden die beiden Roten noch mal gegeneinandergetrunken. Das verblüffende Urteil: Jetzt ist Wein Nummer eins der Sieger, Nummer zwei geht gar nicht mehr: Oha, also ist nicht jeder Wein ein guter Speisebegleiter!

Schließlich gibt es noch eine kleine Gläserkunde und die Antwort darauf, warum Wein manchmal korkt (das liegt am Luftschadstoff 2,4,6-Trichloranisol), dann ist, nach drei Stunden, "Weinbasics Nr.1 - Der Start in die Weinwelt" zu Ende. Die Teilnehmer verstauen das Material, das sie zum Thema Wein erhalten haben, einige erkundigen sich nach dem nächsten Kurs. Heute sind sie alle zufrieden. Aber nicht immer kann Gisela Krug alle glücklich machen. "Ab und zu habe ich auch Biertrinker, die arbeiten in der Gastronomie, werden von ihrem Chef hierher geschickt. Die gehen meist wieder raus - enttäuscht."

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