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Halloween Kohlrabisticks - sonst gibt's Saures! Wie Eltern mit einem übergriffigen Aushang Spott ernten

Halloween
Sie wollen doch nur Gemüse: An Halloween werden wieder zahlreiche verkleidete Kinder an den Haustüren klingeln.
© Arne Dedert / DPA
Auf einem Aushang fordert eine Familie die Nachbarn auf, an Halloween Gemüse statt Süßem an die Kinder zu verteilen. In den sozialen Medien sorgt das für viel Spott. Dabei ist es vor allem unangenehm und übergriffig.

"Süßes, sonst gibt's Saures!" Mit diesem Spruch werden am Sonntag Hunderttausende Kinder im Land von Tür zu Tür ziehen und auf die Spende von Naschwaren hoffen. Ein Brauch, der mittlerweile auch in Deutschland heimisch geworden ist.

Doch nicht überall ist diese Jagd nach Schleckereien gerne gesehen. Derzeit macht ein Foto in den sozialen Netzwerken die Runde, das einen Aushang aus einem Hausflur zeigt. Eine Familie fordert seine Nachbarn auf, ihren Kindern auf keinen Fall Süßes zu schenken, wenn diese an Halloween an den Türen klingeln. Statt Bonbons und Schokolade erbitten sie stattdessen "Gesundes wie Trauben" oder Nüsse bereit zu halten. Für den besonderen Genuss dürfen an die kleinen Schleckermäuler aber auch "Paprika-, Gurken oder Kohlrabisticks" verfüttert werden.

So weit, so amüsant. Eltern die ihren Kindern ein strenges Süßigkeitenverbot auferlegt haben, sind mittlerweile keine Seltenheit. "Mein Leon mag nur Gesundes": So oder so ähnlich hört man diesen Satz häufig auf Kindergeburtstagen - auch wenn er fast immer vonseiten der Eltern kommt und eigentlich nie von den betroffenen Söhnen und Töchtern.

Was dieses Schreiben jedoch besonders unangenehm macht, ist der passiv-aggressive Ton, in dem der Text verfasst ist: Die Nachbarn werden als Komplizen mit verhaftet für den eigenen Ernährungsstil: Es wird daran erinnert, dass "wir uns an einige Regeln halten wollen". Diese Eltern bestimmen also nicht nur darüber, was ihre eigenen Kindersollen, sondern auch was andere Erwachsene wollen.

Halloween: Kein Süßkram bitte!

Am Schluss dann noch der Hinweis auf das letzte Halloween vor zwei Jahren: "damals habe man Tütenweise ungesunden Kram entsorgen" müssen, den ihre Kinder bekommen hätten. Ein letzter mahnender Hinweis an die Nachbarn: Wollt Ihr etwa zur Vermüllung der Erde beitragen?

Auch wenn dieses Schreiben für viel Spott und Erheiterung im Netz sorgt - lustig ist das eigentlich nicht. Es ist übergriffig und distanzlos. Denn andere Menschen werden zu Erfüllungsgehilfen der eigenen Ideologie verdammt.

Wie jemand seine eigenen Kinder erzieht, was er ihnen zu Essen gibt, das ist selbstverständlich Privatangelegenheit. Doch wer seine Kinder an fremden Türen klingeln lässt, muss damit klarkommen, was sie dort geschenkt bekommen.

Auf eine gute und gesunde Ernährung bei den Kindern zu achten ist wichtig. Doch die Welt geht gewiss nicht unter wenn es einmal im Jahr nichts Gesundes, sondern Süßes gibt. Das sollten auch die Aushang-Eltern kapieren. Denn sonst bekommen sie selbst irgendwann Saures - und zwar von den eigenen Kindern.

che

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