Hoffnung
Wie diese Menschen aus der Wirtschaft uns Hoffnung machen

Sie gründen Start-ups, arbeiten hart und viel für ihre Geschäftsidee – und zeigen: Da geht jede Menge am Standort Deutschland. Das macht Hoffnung auf die Zukunft!
Teaser-Bild für die 50 Mutmacher aus dem Bereich Unternehmer
© stern-Montage: Fotos: fotothron.de, Quantum Systems PR, Maximilian Mann/stern
Florian Seibel, 46, CEO und Gründer Quantum Systems

Als Russland vor bald vier Jahren die Ukraine überfiel, da war Florian Seibel schon am Start und baute Drohnen. 2020 fing er mit Aufklärungsdrohnen fürs Militär an, als es noch keine Akzeptanz dafür gab. Seine Drohnen gehörten zu den ersten Rüstungsgütern, die Deutschland in die Ukraine lieferte, 2024 eröffnete er dort eine Drohnenfabrik. Dort wie hier möchte Seibel die Demokratie verteidigen, was leider auch eine Frage der Waffentechnik ist. Seibel ist nicht nur Vordenker, er spricht – selten in der verschwiegenen Branche – die wunden Punkte laut an: In der EU werden viele hochgezüchtete Waffensysteme in kleinsten Stückzahlen bestellt und produziert. Das dauert, veraltet schnell, ist irrsinnig teuer. "Goldrandlösungen" nennt Seibel das. Der Ingenieur und Hubschrauberpilot war 15 Jahre bei der Bundeswehr, weiß, wovon er spricht. Mit nun 850 Mitarbeitern ist Quantum Systems eines der wenigen Start-ups, das sich in der "Zeitenwende" zwischen den alten Konzernen etablieren konnten – agiler, smarter, günstiger. Wenn wir irgendwann ohne die USA verteidigungsfähig sind und uns das nicht die Welt gekostet hat, dann liegt das auch an Florian Seibel.
Frank Blome, 56, CEO PowerCo.

Frank Blome startet in in Salzgitter etwas, von dem manch Experte behauptet hat, es würde nicht mehr möglich sein: eine europäische Batteriefabrik für E-Autos. Nach dem Konkurs des schwedischen Startups Northvolt 2025 hieß es, Europa werde das zentrale und am meisten werthaltige Bauteil künftiger Autos asiatischen Produzenten überlassen. Doch – abgesehen von zwei Anlagen in Frankreich – ist das Werk der VW-Tochter PowerCo. das erste rein europäische Batteriewerk. Der Autokonzern hängt das noch nicht an die große Glocke, weil er die Produktion sehr langsam, fast über ein Jahr hochfährt. Blome, der Chef der PowerCo. ist ein überzeugter Pionier der Batterietechnik in Europa, der sich auch von Rückschlägen nicht aufhalten lässt. Der Elektrotechniker startete das erste europäische Autobatteriewerk bereits vor fast 18 Jahren im sächsischen Kamenz – für den Daimler-Konzern. Es könnte heute ein Trumpf der hiesigen Autoindustrie sein, hätte Daimler nicht 2015 kalte Füße bekommen und die Fabrik wieder zugemacht. In Salzgitter stehen die Zeichen besser – auch wenn VW die Investitionen in seine Batteriepläne zuletzt noch einmal kräftig zusammengestrichen hat.
Carletta Heinz, 41, Unternehmerin

Heinz macht den Mund auf, wenn andere schweigen, und sie handelt, wenn andere zaudern. Sie führt das Familienunternehmen Heinz Glas in der 13. Generation. Es fertigt Flakons für Gucci oder Dior. Heinz sagt Sätze wie: "Für mich ist das Glas immer halb voll." Mit dieser Haltung manövrierte sie durch die Gaskrise und elektrifizierte Teile der Produktion. Sie bezieht auch klar Stellung gegen die AfD. Zwei ihrer Glashütten stehen in Deutschland, in Franken und Thüringen. Ein Viertel der Mitarbeiter dort sind keine deutschen Staatsbürger. "Wenn wir diese Menschen nicht hätten, könnten wir unsere Anlagen nicht mehr betreiben", sagt Heinz. Die Forderungen der AfD, die Zuwanderung extrem zu begrenzen, findet sie "gefährlich und furchtbar". Sie weiß aber auch: "Wenn im Wahlkreis Sonneberg über 40 Prozent die AfD gewählt haben, wird es in unserem Piesauer Werk nicht anders aussehen." Die roten Linien sind klar: Heinz hat schon Mitarbeiter entlassen, etwa weil sie ausländische Kollegen angespuckt haben. Als ein Werk umgebaut wurde, schickte sie ihre Leute in Demokratieworkshops.
Ghazaleh Madani, 29, Ärztin, CEO von Canchip

Ihre Technologie könnte die Krebsbehandlung dramatisch verbessern. Ghazaleh Madani, Ärztin, Forscherin und Gründerin, hat einen Chip entwickelt, auf dem sich Tumorgewebe aus menschlichen Zellen züchten und behandeln lässt. So lässt sich bereits vor Beginn einer Therapie testen, wie Tumore auf bestimmte Medikamente und Methoden reagieren – in Echtzeit und an Geweben des erkrankten Patienten. Mit dieser Innovation will die erst 29-Jährige den Kampf gegen Krebs "viel individueller, verträglicher und genauer machen." Außerdem hofft sie mit ihren Tumor-on-a-Chip-Systemen, die Behandlungskosten senken zu können. Die gebürtige Iranerin kam 2020 nach Deutschland und gründete nach ihrem Master in Biochemie und Molekularbiologie an der Universität Potsdam das Start-up Canchip. Ihre Motivation ist auch persönlich: Sie verlor mehrere Angehörige durch Krebs.
Robin Rombach, 33, CEO Black Forest Labs

CEO und einer der Gründer von Black Forest Labs – der aktuell größten deutschen KI-Hoffnung. Erst hatte der mittlerweile 33-jährige Physiker Rombach mitgeholfen, den frühen Bildgenerator "Stable Diffusion" zu entwickeln und damit den aktuellen KI-Hype auszulösen. Auch mit dem neuen Produkt, ein Bildgenerator namens "Flux 2", spielt Black Forest Labs ganz oben in der KI-Liga mit. Zu den Kunden gehören nicht nur die Deutsche Telekom, sondern auch Softwarehersteller Adobe, Samsung oder der Facebook-Konzern Meta. Black Forest Labs ist noch keine zwei Jahre alt und wird schon mit 3,25 Milliarden Dollar bewertet. Von Gründer Rombach heißt es, er sei bodenständig geblieben: Er fährt trotz allem gern Rennrad im Schwarzwald.
Gabriele Pochhammer , 65, Gründerin einer Agentur für Offline-Dating

Sie weiß, wie man Verlust in Hoffnung verwandelt. 2017 starb ihr Mann, nach wenigen Jahren einer großen Liebe, 2020 raffte die Pandemie ihren Traumjob in der Reisebranche hinweg. Aber statt Liegenbleiben entschied sich die Hamburgerin fürs Lieben-Bleiben. Und erfand sich neu mit der Agentur Hammer & Herz, die Singles ab 50 zusammenbringt und berät, Schwerpunkt Hamburg und München. Handverlesen statt vom Algorithmus gematcht. Sie lernt ihre Kundinnen und Kunden persönlich kennen, fragt nach Vorstellungen wie dem perfekten Sonntagmorgen, ehe sie zwei Menschen matcht. Pochhammer betont: Auch solo kann das Leben glücklich und erfüllt sein – aber wer sich nach einer neuen Liebe sehnt, hat in diesem Alter beste Karten. Weil alles lässiger ist. "In jüngeren Jahren hängt die ganze Lebensplanung vom Beziehungsstatus ab: Kinder oder nicht, Haus bauen, Karriere. Später gehen viele die Liebe ganz entspannt an, entscheiden selbst, ob und wie sie zusammenleben, reisen, Zeit verbringen, und sagen selbstbewusst: So möchte ich es haben, so nicht."
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