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"Dschungel-Floßfahrt" Studentin erhält Hasskommentare nach Rassismus-Diskussion um Europa-Park: "Es hat mich sehr getroffen"

Die Floßfahrt im Europa-Park
Die Floßfahrt im Europa-Park sorgte für Diskussionen um Rassismus und Kolonialismus
© imago/Geisser / Imago Images
Um die "Dschungel-Floßfahrt" im Europa-Park in Rust ist eine Debatte entbrannt. Studierende hatten auf kolonialistische Klischeebilder aufmerksam gemacht. Der Park reagiert. Einige reagieren mit wütenden Nachrichten – an die Studentin.

Eine Attraktion im Europa-Park in Rust ist Mittelpunkt einer Diskussion um Rassismus und Kolonialismus geworden. Seit mehr als 30 Jahren kann man auf der "Dschungel-Floßfahrt" in etwa acht Minuten neben Wasserfällen auch Tier-Skulpturen und Szenerien bewundern, die vom afrikanischen Kontinent inspiriert wurden.

Doch nicht nur Tiere und Pflanzen sind zu sehen, sondern auch Menschen-Figuren, konkret schwarze Menschen in traditioneller Kleidung und weiße Menschen in Safari-Outfits. Die sind im Fokus der Diskussion. Die "Badische Zeitung" und die "Stuttgarter Nachrichten" berichteten.

Auslöser des Ganzen: eine Seminararbeit von zwei Studierenden aus dem Jahr 2019, die die Attraktion und ihre Darstellungen zum Thema hatte. Der stern hat mit der 21 Jahre alten Studentin der Universität Freiburg gesprochen, die an der Arbeit beteiligt war. 

Geteilte Meinungen zum Fahrgeschäft

Man habe sich im Rahmen des Seminares in Kooperation mit dem städtischen Museum Freiburg mit Themen wie Rassismus, Exotisierung und Kolonialisierung beschäftigt. Dazu hätten die Seminarteilnehmer:innen Übungsforschungen gemacht.

"Im praktischen Teil sind mein Kommilitone und ich in den Europapark gegangen. Ich war als Kind auch oft da", so die 21-Jährige. Für das Projekt hätten sie die Floßfahrt gefilmt und Besucher:innen nach ihrer Wahrnehmung dazu befragt. "Da kamen ganz viele verschiedene Stimmen bei heraus. Manche haben einen nostalgischen Blick auf die Bahn und finden das Afrika-Thema toll. Manche sahen es aber sehr kritisch." Ein Urteil wollten die beiden Studierenden aber nicht fällen. "Das steht uns nicht zu."

Dennoch findet die Studentin einige Punkte an der Attraktion, die sie für problematisch hält. Zum Beispiel die sogenannte "Colonial Food Station", deren Name inzwischen geändert worden sei. Aber auch die Figur eines Schwarzen mit einem Affen sei eine "eurozentrische, rassistische Konzeption, die wir von Afrika haben". Auch Wörter wie "abenteuerlich", "exotisch" oder "wild" halte sie für schwierig in diesem Kontext. Solche Darstellungen würden Bilder erzeugen, die dem heutigen Afrika nicht entsprächen. Wenn man so etwas nicht überwinde, könne man Alltagsrassismus auch nicht bekämpfen.

Thema sorgt für Furore – Hassnachrichten an Studentin

Laut der 21-Jährigen hat der Europa-Park sein Einverständnis gegeben, die Fahrt im Rahmen einer Seminararbeit zu filmen. Am Ende des Seminars wollte das Museum den Film mit in eine Ausstellung aufnehmen. "Wir mussten den Europa-Park aber fragen, ob wir die Rechte dafür bekommen. Das ist daran aber gescheitert", erklärt sie. Das Prozedere habe sich in die Länge gezogen, auch wegen Corona. Es sei enttäuschend gewesen, dass die Arbeit abgelehnt wurde.

"Wir dachten, es wäre schade, wenn es untergeht. Auch in Anbetracht zur heutigen Zeit und den Diskussionen um Rassismus und Postkolonialismus. Wir haben das Thema dann an die 'Badische Zeitung' gegeben, um zu zeigen, was in der Ausstellung fehlen wird", erzählt die Studentin. Der Artikel ist mittlerweile hinter einer Bezahlschranke.

Der Artikel hat aber für viel Aufmerksamkeit und Furore gesorgt, der sich auch gegen die Studentin richtete. "Es gab einen Leserbrief, der direkt an mich gerichtet war. Das war ziemlich verletzend, weil ich mich nicht ins Rampenlicht stellen, sondern auf das Thema aufmerksam machen wollte und mir dafür die Legitimation abgesprochen wurde."

Auch über Facebook habe die 21-Jährige Nachrichten erhalten. "Viele Kommentare sind aus dem Zusammenhang gerissen. Es hat mich sehr getroffen, dass sich viele an mich persönlich wenden und nicht über das Thema diskutieren. Das hätte ich so nicht erwartet." Oft habe es geheißen, "es gäbe wichtigere Themen" und "wir sollen nicht so arrogant sein".

Europa-Park ändert Attraktion

Der Europa-Park hat sich zu der Diskussion auch geäußert. "Jede Form des Rassismus und der Diskriminierung lehnt der Europa-Park mit Nachdruck ab", betonte Engelbert Gabriel, Sprecher der Geschäftsleitung, gegenüber dem stern in einer schriftlichen Mitteilung. So habe man eine Deklaration mit allen Freizeitparks weltweit gemeinsam mit dem Europarat gegen Rassismus und Diskriminierung initiiert.

Allerdings sagte Gabriel auch: "Ohne Frage wird in den Themenbereichen des Europa-Parks bewusst mit Klischees gearbeitet, die sicherlich teilweise auch überspitzt dargestellt werden. Manche Szenen der 'Dschungel-Floßfahrt', die zu den ältesten Attraktionen des Europa-Parks zählt, können nach heutigen Maßstäben fehlgedeutet werden." Bereits im vergangenen Jahr habe es vereinzelte Hinweise von Gästen gegeben, die sich eine neue Einordnung der "Dschungel-Floßfahrt" in einen zeitgemäßen Kontext gewünscht hätten.

"Alman-Taxi" mit Moderatorin Daphne Sagner: "Darf man Farbige noch sagen?"

"Wir haben dieses Feedback zum Anlass genommen, die bereits geplante Neugestaltung der Attraktion zu beschleunigen und schon zur aktuellen Sommersaison einzelne Figuren zu entfernen." So ist laut Berichten eine schwarze Figur durch die eines weißen Mannes ersetzt worden. Neben der Neugestaltung der "Dschungel-Floßfahrt" werde auch der Themenbereich Abenteuerland umgestaltet.

Ein Schritt, den die Studentin begrüßt. "Ich hatte aber nie die Forderung, dass direkt etwas geändert werden sollte. Ich hatte keinen aktivistischen Hintergrund." Dass so schnell reagiert wurde, sei für sie aber erstaunlich. Ob die Umbauten aber wirklich etwas verändern, sei für sie fraglich.

rw

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