Jahresbilanz 2025
EnBW investiert Rekordsumme trotz Gewinneinbruchs

Die EnBW stellt die Bilanz für das Jahr 2025 vor. Foto: Marijan Murat/dpa
Die EnBW stellt die Bilanz für das Jahr 2025 vor. Foto
© Marijan Murat/dpa
Ein dickes Minus beim Überschuss auf der einen Seite, hohe Investitionen in Wind, Solar und Wasserstoff auf der anderen. Die grüne Energie soll weiter wachsen. Was steckt hinter diesem Optimismus?

Trotz eines Gewinneinbruchs wegen einer Milliarden-Abschreibung und einer angespannten Weltlage blickt der Energieversorger EnBW zuversichtlich in die Zukunft. Man investiere mehr, als man verdiene, um im Zuge der Energiewende nicht an Bedeutung zu verlieren, sagte Konzernchef Georg Stamatelopoulos in Stuttgart. "Und wir haben auch die finanzielle Kraft, das auch zu tun." Nichtsdestotrotz sei kein Geld übrig, um ineffizient zu sein.

"Die Herausforderungen bleiben bestehen", sagte er. Aber man wolle hart arbeiten, um die Ziele etwa beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu erreichen. Dazu zähle, Kosten zu sparen und kein Personal aufzubauen.

Mit Blick auf die Energiekrise durch den Iran-Krieg sagte Stamatelopoulos, Deutschland brauche nach wie vor fossile Energien. Deren Beschaffung müsse man sichern. Kurzfristige Preisschwankungen sollen sich den Angaben nach jedoch nicht unmittelbar auf Endkundinnen und -kunden auswirken, da EnBW benötigte Energie lange im Voraus einkaufe. Daher müssten Preisspitzen nicht mitgenommen werden, erläuterte der Vorstandsvorsitzende. Nach aktuellem Stand sehe er keine Notwendigkeiten, Preise im laufenden Jahr zu erhöhen.

Niedrigere Marktbewertung und Milliarden-Abschreibung

Beim drittgrößten Energieversorger in Deutschland ist der Gewinn eingebrochen: Der Konzernüberschuss ist 2025 von 1,8 Milliarden Euro auf gut 450 Millionen Euro gesunken, wie aus dem Geschäftsbericht des Karlsruher Konzerns hervorgeht. Das entspreche einem Minus von 75 Prozent.

Hauptgrund für das Minus beim Konzernüberschuss sei ein gesunkenes Finanzergebnis gewesen, sagte Finanzvorstand Thomas Kusterer. Dieses sei im Wesentlichen auf eine niedrigere Marktbewertung von Wertpapieren gegenüber dem Vorjahr zurückzuführen.

Außerdem war EnBW vergangenes Jahr aus den Offshore-Windprojekten "Morgan" und "Mona" in Großbritannien unter anderem wegen massiv gestiegener Kosten ausgestiegen. "Das war ein notwendiger und richtiger, wenn auch schmerzhafter Schritt, auch finanziell mit einer Abschreibung von 1,2 Milliarden Euro", sagte Stamatelopoulos. Beim Einstieg in die Vorhaben im Jahr 2021 sei die Welt aber noch eine andere gewesen: ohne Ukraine-Krise, mit niedrigeren Zinsen und stabileren Lieferketten.

Dennoch sprach Stamatelopoulos von einem erfolgreichen Geschäftsjahr. Das Unternehmen habe "wichtige strategische und operative Meilensteine erreicht" und das vergangene Jahr mit Rekord-Investitionen in erneuerbare Energie und den Umbau der Energieinfrastruktur abgeschlossen. Das unter anderem um Bewertungseffekte bereinigte operative Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes EBITDA) lag den Angaben nach im vergangenen Jahr bei 5,1 Milliarden Euro (plus 3,4 Prozent).

Erneuerbare machen 66 Prozent der eigenen Erzeugungsleistung aus

Investitionen von 7,6 Milliarden Euro - 22 Prozent mehr als im Vorjahr - flossen demzufolge etwa in den Ausbau der Transport- und Verteilnetze, in Windparks an Land und auf See, in Solaranlagen und flexibel einsetzbare, wasserstofffähige Gaskraftwerke sowie die Elektromobilität. "Wir haben so viel wie noch nie in die Transformation des Energiesystems und damit in die Versorgungssicherheit investiert", sagte Stamatelopoulos.

Bei Wind und Solar habe der Konzern einen Rekord-Zubau verzeichnet. Insgesamt 800 Megawatt installierte Leistung aus erneuerbaren Energien kamen hinzu, die nunmehr zwei Drittel der eigenen Erzeugung ausmachen. Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil der Erneuerbaren an installierter Erzeugungsleistung auf bis zu 80 Prozent steigen.

Leicht rückläufiges Ergebnis für 2026 erwartet

EnBW versorgt rund 5,5 Millionen Kundinnen und Kunden. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stieg binnen eines Jahres um mehr als 1.000 auf etwa 31.500. Das Land Baden-Württemberg und der Zusammenschluss OEW von neun oberschwäbischen Landkreisen halten je fast die Hälfte.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet EnBW mit einem tendenziell leicht rückläufigen bereinigten EBITDA von 4,6 bis 5,1 Milliarden Euro. Unter anderem würden weiterhin rückläufige Erlöse aus der Kraftwerksvermarktung erwartet. "Grund hierfür sind geringere Margen bei Steinkohle und der Verkauf des letzten Braunkohlekraftwerks in Lippendorf."

Stamatelopoulos forderte Reformen etwa bei Netzentgelten. "Am wichtigsten ist, dass ein gezielter und klar priorisierter Netzausbau einhergeht mit dem Ausbau der Erneuerbaren." Auch die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und das Kraftwerkssicherheitsgesetz beschäftigen den Versorger. "Letztendlich befindet sich die Energiewende in einer anderen Phase als noch vor 20 Jahren", sagte der Manager. "Deshalb hoffen wir auf ein Jahr der Reform-Umsetzungen, damit der weitere Umbau des Energiesystems gelingt."

dpa