Mit vier Festnahmen und Durchsuchungen von 15 Objekten in Nordrhein-Westfalen ist die Bundespolizei gegen international agierende kriminelle Schleuser vorgegangen. Seit den frühen Morgenstunden waren mehr als 500 Beamte im Großraum Essen, Gelsenkirchen, Marl, Herdecke und Lüdenscheid im Einsatz. Es gehe um gefährliche Schleusungen von Migranten in Booten über den Ärmelkanal nach Großbritannien, teilten die Bundespolizei und die Generalstaatsanwaltschaft Hamm mit.
"Die Maßnahmen sind Teil umfangreicher internationaler Ermittlungen gegen ein Schleuser-Netzwerk", hieß es. Die Täter erzielen den Ermittlungen zufolge Gewinne von 100.000 bis zu 150.000 Euro pro in Großbritannien ankommendem Boot. "Die Schleuser nehmen hierbei regelmäßig auch eine Gefährdung von Leib oder Leben der Migranten in Kauf." Die Bundespolizei sprach von einem "bedeutenden Schlag gegen internationale Schleusungskriminalität".
Festgenommene sollen nach Belgien ausgeliefert werden
Eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft sagte, es handele sich bei den vier Festgenommenen um Syrer, die in Essen, Lüdenscheid und Herdecke wohnten. Es werde angestrebt, sie nach Belgien auszuliefern. Über die Zulässigkeit der Auslieferung werde das Oberlandesgericht Hamm entscheiden.
Bei den Durchsuchungen stellten Einsatzkräfte umfangreiches Beweismaterial sicher - darunter elf Schlauchboote, einen Bootsmotor, Rettungswesten, Handys, mehr als 50.000 Euro Bargeld, zwei Gewehre und eine Pistole.
Laut Mitteilung wurden europäische Haftbefehle und Ermittlungsanordnungen vollstreckt. Rund 20 Ermittler belgischer, französischer und britischer Ermittlungsbehörden, des Bundeskriminalamts und von Europol begleiteten den Einsatz.