Justiz
Auto-Attacke auf Kind: War es Rache oder ein Fahrfehler?

Der 18-Jährige soll den Jungen auf dem Parkplatz angefahren haben - mit Absicht? Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Der 18-Jährige soll den Jungen auf dem Parkplatz angefahren haben - mit Absicht? Foto
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Nach einem Streit eskaliert die Situation auf einem Parkplatz: Ein 12-Jähriger wird überfahren. Handelte ein 18-Jähriger aus Rache? Oder war es einfach nur ein Fahrfehler mit dem neuen Auto?

Nach dem Tod eines 12-Jährigen auf einem Supermarkt-Parkplatz deutet sich in Heilbronn ein schwieriger Prozess um die Frage von Schuld und Verantwortung an. Denn während die Staatsanwaltschaft einem 18-Jährigen vorwirft, den Jungen aus Rache überfahren und ermordet zu haben, spricht der Angeklagte von einem Fahrfehler und einem Unfall.

Fahrfehler oder Selbstjustiz?

Der 18-Jährige habe den sechs Jahre jüngeren Jungen nach einem Streit und nach Beleidigungen auf dem Parkplatz mit seinem Auto verfolgt und angefahren, weil er sich zutiefst gekränkt gefühlt habe, hieß es zur Anklageverlesung vor dem Landgericht Heilbronn. Die Mutter des getöteten Kindes verfolgte den Prozessauftakt im Gerichtssaal unter Tränen.

Nach seiner eigenen Darstellung gab der Angeklagte hingegen zu viel Gas, als er nach dem Streit überstürzt den Parkplatz verlassen wollte. "Wie bei einen Kavalierstart" sei das gewesen und ein Fahrfehler, ließ er über seinen Anwalt verlesen. Nie habe er die beiden Jungen auf dem Fahrrad und dem Tretroller anfahren wollen. Er habe sie nicht gesehen, "Ich spürte nur einen Schlag, als wäre ich gegen einen Bordstein gefahren", hieß es in der Einlassung weiter.

"Mittel zur Machtdemonstration"

Der Fall geschah am 11. September vergangenen Jahres in Niedernhall nordöstlich von Heilbronn. Im Streit habe das Kind unter anderem damit gedroht, das Auto des 18-Jährigen zu zerkratzen, sagte die Staatsanwältin vor der Jugendkammer des Landgerichts. Der 18-Jährige sei "von Rache getrieben" worden und habe beschlossen, den 12-Jährigen "als Mittel zur Machtdemonstration massiv abzustrafen".

dpa

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