Korruptionsverdacht
Daten verkauft? Justiz-Mitarbeiter bald selbst vor Gericht

Ermittlungen zu Schüssen führten zum Verdacht der Bestechung. (Symbolbild) Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Ermittlungen zu Schüssen führten zum Verdacht der Bestechung. (Symbolbild) Foto
© Hendrik Schmidt/dpa

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
Nach einem Anschlag in Tamm decken Ermittler ein Datenleck bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft auf. Jetzt ist bekannt, ab wann die fünf Verdächtigen vor Gericht stehen.

Zwei Verfahren, ein mutmaßliches Netzwerk: Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Heilbronn stehen hinter einem blutigen Streit in der Security-Szene und einem Korruptionsskandal bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart dieselben Drahtzieher. Während das Verfahren wegen der Schüsse im Streit schon vor dem Landgericht in Heilbronn läuft, beginnt der Prozess gegen Justizmitarbeiter wegen einer mutmaßlichen Bestechung erst am 6. Mai vor dem Stuttgarter Landgericht. 

Dort stehen dann fünf Verdächtige, darunter zwei Mitarbeiter der Stuttgarter Staatsanwaltschaft vor Gericht. Unter den drei weiteren Verdächtigen sollen sich auch die beiden mutmaßlichen Drahtzieher befinden. Insgesamt sind bislang zehn Verhandlungstage angesetzt, wie ein Sprecher des Landgerichts auf Anfrage sagte.

Bestechungsskandal um Daten 

Die beiden Männer sollen zwischen 2022 und 2025 einen Wachtmeister und eine weitere Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft mit Geld und Schmuck bestochen haben. Die Bediensteten - darunter ein Wachtmeister - sollen daraufhin über die interne Software web.sta vertrauliche Informationen abgerufen und weitergegeben haben. Ein weiterer Angeklagter soll dem Wachtmeister Geld für entsprechende Auskünfte gezahlt haben.

Den beiden mutmaßlichen Drahtziehern wird vorgeworfen, die Mitarbeiter zur Weitergabe von Dienstgeheimnissen angestiftet und bestochen zu haben. Den Bediensteten werden Bestechlichkeit und die Verletzung von Dienstgeheimnissen vorgeworfen, dem fünften Angeklagten Beihilfe zur Bestechung.

Verbindung zu den Schüssen in Tamm 

Ausgangspunkt war ein Anschlag im Mai vergangenen Jahres in Tamm (Kreis Ludwigsburg): Ein damals 23 Jahre alter Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma wurde angeschossen und äußerte den Verdacht, dass zwei mutmaßliche Täter aus den Niederlanden zu dem Anschlag angestiftet worden sein könnten. Die beiden sitzen derzeit vor dem Landgericht Heilbronn wegen versuchten Mordes auf der Anklagebank. 

Die Ermittlungen in diesem Verfahren führten die Sonderkommission "Frost" schließlich zum Korruptionskomplex in Stuttgart. Im November wurden dort Büros der Staatsanwaltschaft durchsucht. Insgesamt sieben Mitarbeiter standen daraufhin im Verdacht, Bestechungsgelder angenommen und Dienstgeheimnisse verraten zu haben.

dpa