Jedes Frühjahr wird Wilhelmshaven zu einem Hotspot für Walbeobachter, denn dann stehen die Chancen gut, Deutschlands einzige heimische Walart zu sehen: Schweinswale. Bei den Schweinswal-Tagen vom 24. April bis 3. Mai gibt es viele Angebote zum Whale-watching – in diesem Jahr bereits zum 10. Mal. Ein Überblick, wo, wann und wie man die Schweinswale am besten sehen kann:
Warum sind Schweinswale ausgerechnet jetzt in Wilhelmshaven zu sehen?
Das liege an der geografischen Lage der Stadt und dem Verhalten der Wale, sagt Juliana Köhler, Geschäftsführerin des Wattenmeer Besucherzentrums, das die Schweinswal-Tage mitveranstaltet. "Die Schweinswale folgen ihrer Nahrung", erklärt sie. Das seien hauptsächlich Stinte, die jetzt im Frühjahr aus der tiefen Nordsee ins Wattenmeer bis in den Jadebusen kämen – und die Schweinswale folgten ihnen quasi. Das sei ein deutschlandweit einzigartiges Naturschauspiel, was sich beobachten lasse, sagt Köhler.
Von wo aus lassen sich die Schweinswale entdecken?
"Das Besondere ist, dass man die Schweinswale hier von Land aus sehen kann", sagt Köhler. Das geht zum Beispiel vom Wilhelmshavener Südstrand aus oder von der Dachterrasse des Wattenmeer-Besucherzentrums. Denn parallel zur Südstrandpromenade verlaufe auch ein Priel, also eine tiefere Wasserrinne, in der sich Fische und Schweinswale tummelten, berichtet Köhler.
Wo kann man Schweinswale noch sehen?
Das geht auch auf dem Jadebusen selbst. Denn zu den Schweinswal-Tagen werden extra Schiffsfahrten angeboten. Täglich gibt es Whale-watching-Exkursionen mit dem Fahrgastschiff "Harle Kurier". Außerdem können Neugierige mit dem Segelschiff "Nordwind" rausfahren. Dafür sind die Tickets aber fast ausverkauft. Neu im Einsatz ist dieses Jahr auch ein kleines Börteboot, wie man es sonst von Helgoland kennt.
Wie lassen sich die Schweinswale entdecken?
Am besten sei es, erst einmal die Augen über die Wasseroberfläche schweifen zu lassen, rät Köhler. Kameras oder Handys helfen da wenig. "Wenn man dann Schweinswale gesichtet hat, kann man gut ein Fernglas zur Hand nehmen." Anders als etwa Seehunde, die bis zu 30 Minuten unter Wasser tauchen, kommen Schweinswale alle paar Minuten zum Atmen an die Wasseroberfläche. Dann taucht meist ihre dreieckige Rückenflosse auf.
Wegen ihrer vergleichsweise kleinen Größe – Schweinswale gehören zu den kleinsten Walarten – sind die Meeressäuger allerdings nicht so leicht im Wasser zu erkennen. Das sei bei größeren Artgenossen wie Buckelwalen oder Pottwalen, wenn sie an die Wasseroberfläche kämen, naturgemäß anders, sagt Köhler. Schweinswal-Watching gelte daher auch als "Königsklasse" bei Walbeobachtungen. Schweinswale können nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung bis zu 180 Zentimeter lang und bis zu 20 Jahre alt werden. In der Regel würden die Tiere aber nur fünf bis neun Jahre alt werden.
Wie stehen die Chancen, tatsächlich Schweinswale zu sehen?
Die Aussichten sind grundsätzlich gut. Die ersten Tiere seien auch schon da und im Jadebusen gesichtet worden, erzählt Köhler. Aber eine Garantie, die Tiere zu entdecken, gibt es nicht. Es seien nun mal Wildtiere, sagt die Expertin. Daher seien auch Geduld und ein bisschen Glück nötig für Wal-Sichtungen. "Wir hoffen auf ruhige See und gutes Wetter, dann sieht man die Schweinswale auch."
Wer hilft bei der Ausschau nach Schweinswalen?
Sowohl an Bord der Schiffe als auch am Südstrand gibt es ehrenamtliche Helfer und Walexperten etwa des Besucherzentrums, der Nationalparkverwaltung und des Vereins JadeWale, die Tipps geben. Alle Whale-watcher seien auch untereinander vernetzt und gäben Sichtungen von Schweinswalen an die Gäste weiter, sagt Köhler. An der Südstrandpromenade gibt es zudem Infostände. Walrufer machen wie jedes Jahr auf die Meeressäuger aufmerksam.
Was wird in Wilhelmshaven noch geboten?
Zum Programm der Schweinswal-Tage gehören etwa auch Vorträge, Filme und Führungen durch die Walausstellung im Wattenmeer Besucherzentrum. Auch eine "Wal-Olympiade" ist dieses Jahr an den Wochenenden geplant. "Da geht es um interaktive Mitmach-Aktionen für Familien und Kinder", sagt Köhler.
Alle Angebote drehen sich um das Leben und den Schutz der Schweinswale, von denen es in der deutschen Nordsee nach Angaben der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer schätzungsweise 20.000 bis 40.000 Tiere gibt. In der deutschen Roten Liste wird der Schweinswal, der auch Kleiner Tümmler genannt wird, als stark gefährdete Art eingestuft.