Künstliche Intelligenz
Bayern will 50.000 Urteile veröffentlichen

Urteile enthalten viele sensible Informationen, die bisher eine Veröffentlichung verhindern. Eine neue KI-Software soll nun für
Urteile enthalten viele sensible Informationen, die bisher eine Veröffentlichung verhindern. Eine neue KI-Software soll nun für mehr Transparenz sorgen. (Symbolbild) Foto
© Patrick Pleul/dpa

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Jedes Jahr ergehen zahllose Urteile. Veröffentlicht werden aber nur wenige, denn die Anonymisierung kostet viel Zeit. Das soll sich nun ändern.

Der Freistaat Bayern will in den kommenden Jahren 50.000 von einer Künstlichen Intelligenz (KI) anonymisierte Gerichtsurteile veröffentlichen. "Transparente und für die Öffentlichkeit zugängliche Urteile stärken das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in den Rechtsstaat und können helfen, Erfolgsaussichten in einem Verfahren einzuschätzen", sagte Justizminister Georg Eisenreich (CSU) in München. Hinter dem "Projekt 50k" stehe der Einsatz des neuen KI-Tools "ALeKS". Die Verfügbarkeit anonymisierter Urteile sei zudem eine wichtige Voraussetzung für das Training von KI-basierten Modellen und werde auch Grundlage für neue Anwendungen sein.

Manuelle Prüfung durch Servicemitarbeiter

Die Software "ALeKS" wurde bereits seit März 2026 beim Oberlandesgericht München getestet. Nun erfolge eine Ausweitung auf weitere Nutzer, hieß es weiter. Ob ein Urteil veröffentlicht werde, entscheide die Richterin oder der Richter. Für die Anonymisierungen seien dann bei den Oberlandesgerichten angesiedelte zentrale Anonymisierungsstellen zuständig, die bis zum 1. Juli aufgebaut werden sollen. Servicemitarbeiter sollen die per KI anonymisierten Entscheidungen noch manuell überprüfen. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz erleichtert die Herausgabe von Urteilen.

Anonymisierung kostet bislang viel Zeit

"Es kostet sehr viel Zeit, wenn eine Richterin oder ein Richter ein Gerichtsurteil veröffentlichen will", sagte Eisenreich. Zum Schutz der Verfahrensbeteiligten mussten bislang alle sensiblen Daten wie Namen, Geburtsdaten oder Adressen manuell in der Akte geschwärzt werden. Das neue Anonymisierungstool erledige das in Sekunden. "Dadurch entlasten wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erheblich, beschleunigen die Veröffentlichung von Urteilen und fördern zugleich die Transparenz sowie den Zugang zum Recht."

Kooperation mit Niedersachsen

Das Tool "ALeKS" steht für "Anonymisierungs- und Leitsatzerstellungs-Kit zur smarten Veröffentlichung von Gerichtsentscheidungen". Für die Grundlagen hatte Bayern in einem Forschungsprojekt mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg die automatisierte Anonymisierung von Gerichtsurteilen untersucht und einen Prototyp entwickelt. Gemeinsam mit Niedersachsen wurde dieser Prototyp weiterentwickelt und wird nun fortlaufend ausgebaut.

dpa