Energieversorgung
EnviaM will Gaspreis für Kunden stabil halten

Das Energieunternehmen EnviaM beliefert rund 1,1 Millionen Kunden in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen mit Stro
Das Energieunternehmen EnviaM beliefert rund 1,1 Millionen Kunden in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen mit Strom, Gas, Wärme und schnellem Internet. (Symbolbild) Foto
© Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

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Trotz Krisen und Preissprüngen bleibt der Gaspreis für EnviaM-Kunden vorerst stabil – doch Neukunden trifft’s härter. Das steckt dahinter.

Kunden von EnviaM müssen trotz der Krise im Nahen Osten und stark gestiegener Börsenpreise vorerst nicht mit höheren Kosten für Gas rechnen. "Wir werden die Preise so gut es geht und so lange wie möglich stabil halten", sagte Vertriebsvorstand Wolfgang Wirtnik. Das Gas werde bis zu drei Jahre im Voraus eingekauft, um sich gegen Preissprünge abzusichern.

Anders sehe das bei Neukunden aus, für die Gas kurzfristig neu beschafft werden müsse, erklärte Wirtnik. Sie müssten derzeit mit 10 bis 15 Prozent höheren Preisen rechnen. 

Das decke sich mit dem bundesweiten Trend, informierte der Betreiber des Vergleichsportals Verivox. Seit Kriegsbeginn seien die Neukundenpreise für Gas um rund 20 Prozent gestiegen. Zahlten Neukunden Mitte Februar noch rund 8,1 Cent pro Kilowattstunde, seien es aktuell 9,8 Cent. Dabei hätten sich die Gaspreise in den letzten Wochen sogar wieder etwas erholt. Zwischenzeitlich hätten Neukunden im Schnitt 10,9 Cent pro Kilowattstunde zahlen müssen. 

"Anschlussboom" im Stromnetz - Rechenzentren siedeln sich an

EnviaM beliefert rund 1,1 Millionen Kunden in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg sowie Thüringen mit Strom, Gas, Wärme und schnellem Internet. 2025 wurde dabei deutlich mehr Gas abgesetzt: 8.450 Gigawattstunden (2024: 7.300 GWh). Bei Strom ging die Menge dagegen deutlich zurück von 7.803 auf 6.717 Gigwattstunden. Laut Vorstandschef Stephan Lowis lag das vor allem am Weiterverkauf von Strom an Weiterverteiler wie Stadtwerke.

Insgesamt gebe es im Stromnetz im EnviaM-Gebiet einen "Anschlussboom", sagte Lowis. Täglich gingen bei der Tochter Mitnetz mehr als 100 Anfragen zu Netzanschlüssen ein - so viele wie vor einigen Jahren (2018/2019) pro Monat. "Das reicht von kleinen Photovoltaikanlagen auf dem Dach bis zu großen Rechenzentren." 

Viel grüner Strom - Wärmewende hinkt hinterher

So gebe es etliche Anfragen von Großverbrauchern etwa für Rechenzentren und Industrieanlagen. Konkret nannte Lowis die Neuansiedlung von zwei großen Datenzentren von Amazon und der Schwarz-Gruppe. Zu vier weiteren Großprojekten gebe es konkrete Verhandlungen ebenso wie zu neuen Anschlüssen von Großkunden und Industriegebieten. Ein wichtiges Plus sei dabei die hohe Verfügbarkeit von erneuerbarer Energie. Im Netzgebiet wird deutlich mehr grüner Strom eingespeist als verbraucht. Lowis: "Das ist ein klarer Standortvorteil."

EnviaM erzeugt auch selbst Strom. Mehr als die Hälfte (59 Prozent) stammen dabei inzwischen aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraft, Wind und Sonne. Anders sieht es bei der Wärmeversorgung aus - hier hinkt der Umstieg mit einem Anteil von gerade einmal 18 Prozent deutlich hinterher. 

Netzbetreiber wappnet sich vor möglichen Angriffen 

Damit die Energienetze mit den wachsenden Ansprüchen und der fortschreitenden Digitalisierung Schritt halten, wird auch in den kommenden Jahren kräftig investiert - allein in diesem Jahr rund 600 Millionen Euro. Zugleich wappnet sich die Unternehmensgruppe für vielfältige Bedrohungen. Dass Energienetze Ziel von Angriffen sein können, hatten mutmaßlich linksextremistische Brandanschläge im September und im Januar in Berlin gezeigt. Davon waren jeweils Zehntausende Haushalte teils über mehrere Tage hinweg betroffen. "Wir bereiten uns auf alles vor", betonte IT-Vorständin Sigrid Nagl. Dabei gehe es vor allem um den Schutz neuralgischer Punkte im Netz.

dpa