Faktencheck Notstrom in Berlin: Fake News um fehlende Stromgeneratoren

Beim großflächigen Stromausfall in Berlin sind THW und Bundeswehr im Einsatz. Foto: Christophe Gateau/dpa
Beim großflächigen Stromausfall in Berlin sind THW und Bundeswehr im Einsatz. Foto
© Christophe Gateau/dpa
Das THW hält in Deutschland Tausende eigene Notstromgeräte vor. Der Ukraine lieferten die Helfer nur extra angeschaffte Stromgeneratoren - kein eigenes Material, was angeblich in Berlin fehlen soll.

Während nach dem großflächigen Stromausfall in Berlin Zehntausende Haushalte wieder Strom bekommen, wird in sozialen Netzwerken weiter spekuliert. Dort heißt es, die Technik zur Überbrückung der Stromausfälle hätte der Hauptstadt nicht zur Verfügung gestanden, weil sie im Ausland im Einsatz gewesen sei.

Behauptung

Alle Stromgeneratoren des Technischen Hilfswerks (THW) seien in der Ukraine und fehlten deshalb bei der Lage in Berlin.

Bewertung

Das ist falsch. Das THW hat der Ukraine nur Notstromgeneratoren zur Verfügung gestellt, die extra angeschafft wurden.

Fakten

Sowohl das THW als auch die Bundesregierung haben in den vergangenen Jahren Zahlen dazu veröffentlicht, wie viele Stromgeneratoren der Ukraine zur Verfügung gestellt wurden. Das THW hat seit dem russischen Überfall auf die Ukraine, in Zuge dessen Russland regelmäßig die Strominfrastruktur angreift, rund 1.700 Stromerzeuger in die Ukraine geliefert.

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Allerdings fehlen diese gelieferten Geräte nicht in Deutschland: "Es handelt sich dabei nicht um Geräte aus dem Bestand des THW", erklärte ein Sprecher des THW der Deutschen Presse-Agentur per Mail. "Das THW liefert keine eigene Einsatzausstattung an die Ukraine oder andere Länder." Die Generatoren seien auf Anforderung und finanziert durch das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium vom THW beschafft worden. Das THW organisierte außerdem den Transport.

Auch eine Sprecherin des Bundesinnenministerium bestätigte in der Bundespressekonferenz am 5. Januar: "Die Notstromaggregate, die an die Ukraine geliefert wurden, wurden extra für diese Lieferungen angeschafft und nicht aus dem Bestand des THW genommen." Ähnlich antwortete die Bundesregierung im April 2024 auf eine schriftliche Frage einer AfD-Bundestagsabgeordneten. Gänzlich falsch ist somit auch, dass sämtliche Notstromgeräte des THW in der Ukraine seien.

Nach eigenen Angaben lagert das THW bundesweit Notstromkapazitäten. "Dies umfasst mehrere tausend Stromerzeuger verschiedener Größen (bis 13 kVA) sowie mehrere hundert sogenannte Netzersatzanlagen bis zu einer Leistung von bis zu 200 kVA", teilte eine THW-Sprecherin mit. Der Katastrophenschutz ist in Deutschland Ländersache. VA (Voltampere) ist eine spezielle Leistungseinheit.

Das THW kann im Rahmen der Amtshilfe angefordert werden. Nach einer entsprechenden Anforderung kann die Bundesanstalt des THW dann die eigene Ausrüstung und ihre Einheiten in ganz Deutschland verlegen. Auch beim großflächigen Stromausfall in Berlin war das THW im Einsatz.

Mitteilung des THW zu gelieferten Notstromgeräten Transkript der Bundespressekonferenz vom 5. Januar 2026 Antwort der Bundesregierung auf schriftliche Frage im Bundestag PM des THW zum Stromausfall in Berlin

dpa