Nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Hertha-Fans und Sicherheitskräften mit mehr als 50 Verletzten hat ein Krisengespräch des Fußball-Zweitligisten mit Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und der Berliner Polizei offenbar noch keine konkreten Ergebnisse erbracht. Alle Beteiligten versicherten lediglich, weiter gemeinsam nach Lösungen für den Konflikt zwischen Fußball-Anhängern und der Polizei zu suchen.
"Wir hatten heute ein sehr gutes, konstruktives Gespräch mit der Behördenleitung der Polizei Berlin und der Geschäftsführung von Hertha BSC. Ich habe in dem Gespräch klargemacht, dass es in Berlin keine rechtsfreien Räume gibt. Gewalt gegen Einsatzkräfte werde ich nicht hinnehmen", teilte Berlins Innensenatorin Iris Spranger mit.
Die Hertha, die nach den Vorfällen ungewöhnlich klare Kritik an dem jüngsten Polizeivorgehen geäußert hatte, bewertete das Treffen ihrerseits in einer Erklärung: "Nach dem heutigen Gespräch zwischen der Innensenatorin Iris Spranger, Vertretern der Polizei Berlin und unserem Geschäftsführer Dr. Peter Görlich ziehen alle Beteiligten ein positives Fazit. Im Mittelpunkt des sehr offenen und konstruktiven Austauschs stand das gemeinsame Ziel, die Voraussetzungen für ein gewaltfreies und sicheres Stadionerlebnis zu stärken."
Über mögliche Maßnahmen zur Deeskalation schon für das nächste Hertha-Heimspiel am 1. Februar (13.30 Uhr/Sky) im Olympiastadion gegen Darmstadt 98 wurde nichts mitgeteilt. An dem hochrangigen Treffen nahm neben Spranger und Görlich unter anderem auch Berlins Polizeivizepräsident Marco Langner teil, Vertreter der organisierten Fanszene waren aber offenbar nicht dabei.
Massive gegenseitige Vorwürfe
Zu den Ausschreitungen war es am vergangenen Samstag vor dem Zweitliga-Spitzenspiel der Hertha gegen Schalke 04 (0:0) am Osttor des Olympiastadions beim Einlass der Heimfans gekommen. Fans und Polizei warfen sich anschließend gegenseitig vor, durch Provokationen die Gewalt ausgelöst zu haben. Zudem gab es beiderseitige Anschuldigungen exzessiver Gewalt. Laut Polizei wurden 21 Polizisten und 31 Fans verletzt.
Die Hertha hatte in einem Statement angemerkt, dass Gesprächsversuche zur Klärung eines seit einigen Wochen schwelenden Konflikts zwischen Polizei und Hertha-Fans von den Behörden nicht ausreichend gehört wurden. Längere Zeit hatte es keine größeren Zwischenfälle gegeben. Nach dem Ost-Derby gegen Dynamo Dresden Anfang November kippte aber die Stimmung. Polizei und Fanvertreter konnten keinen klaren Grund für den Wandel nennen.
Spranger wurde von der Hertha nun zum schnellen Dialog aufgefordert, den die Innensenatorin aufnahm. "Es gab über viele Jahre eine sehr gute Abstimmung zwischen der Polizei Berlin und Hertha BSC, auch im Rahmen von regelmäßigen Sicherheitsgesprächen. Beide Seiten haben vereinbart, dass sie daran anknüpfen und diese Abstimmung intensivieren – das betrifft auch die Nachbereitung der Geschehnisse beim Spiel Hertha BSC gegen den FC Schalke 04", teilte Spranger nach dem Treffen mit.
Dialog soll weitergehen
Die Hertha kündigte eine Fortsetzung der Gespräche an. "Sowohl die Polizei Berlin als auch Hertha BSC haben deutlich gemacht, dass sie die Inhalte auch intern weiter aufarbeiten werden. Zugleich besteht bei beiden Seiten Einigkeit darüber, den Dialog fortzusetzen und in weiteren Gesprächen alle relevanten Akteure an einen Tisch zu bringen, um tragfähige und nachhaltige Lösungen umzusetzen", hieß es. Man werde über den Fortlauf der Gespräche zu gegebener Zeit informieren.