Online-Modehandel
Zalando wächst stark – Schließung in Erfurt sorgt für Unruhe

Zaland blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025 zurück. (Archivbild) Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
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Der Modehändler Zalando blickt auf ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr zurück. Die gute Bilanz wird indes überschattet von der Schließung des Erfurter Standorts. Sind weitere Einschnitte geplant?

Die geplante Schließung des Logistikstandorts in Erfurt mit rund 2.700 Beschäftigten überschattet ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr beim Online-Modehändler Zalando. "Es war wahrscheinlich eine der schwersten Entscheidungen, die wir je treffen mussten", sagte Zalando-Co-Chef David Schröder der Deutschen Presse-Agentur. "Gleichzeitig war sie notwendig, um sicherzustellen, dass wir die Kapazitäten dem zukünftigen Wachstumsbedarf anpassen."

Keine weiteren Schließungen geplant

Die Gespräche mit den Mitarbeiter-Vertretern vor Ort liefen gut. Das Unternehmen setze alles daran, die Folgen für die Beschäftigten möglichst gering zu halten. "Dazu gehört, dass wir Jobangebote machen, zusammen mit der Arbeitsagentur vor Ort", betonte Schröder.

Mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien an anderen Standorten übernommen worden. "Und jetzt geht es natürlich auch darum, mit dem Betriebsrat einen Sozialplan zu verhandeln." 

Der Betriebsrat hatte zuvor jedoch kritisiert, dass Zalando noch vor Beginn der eigentlichen Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan das Arbeitsgericht Erfurt angerufen hatte. Dort soll über die Einrichtung einer Einigungsstelle, also eines Schlichtungsgremiums, entschieden werden. Die Arbeitnehmervertretung will weiter für den Standort kämpfen.

Erfurt ist eines von vier Logistikzentren in Europa, die im Zuge der Übernahme der Modeplattform About You geschlossen werden sollen. "Weitere Maßnahmen wird es nicht geben", sagte der Manager. Die Schließung in Erfurt wurde auch von der Thüringer Landespolitik kritisiert.

Zukauf von About You im vergangenen Jahr abgeschlossen

Mit der Plattform About You will Zalando stärker Modetrends aufgreifen und dabei verstärkt auf Influencer setzen. Der Zukauf ist im vergangenen Jahr abgeschlossen worden und trug auch dazu bei, dass Zalando 2025 bei Umsatz und operativem Gewinn deutlich zulegen konnte. 

Der Umsatz stieg 2025 um 16,8 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro an. Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verbesserte sich von rund 511 auf 591 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente Zalando mit 213 Millionen Euro gleichwohl weniger als im Vorjahreszeitraum mit 251 Millionen Euro. 

KI generiert 90 Prozent der Marketingkampagnen 

Um weiterhin zu wachsen, setzt das Unternehmen auch zunehmend auf Künstliche Intelligenz (KI). "Wir nutzen es seit 15 Jahren im Marketing, in der Zahlungsabwicklung, in der Logistik", sagte Schröder. Inzwischen würden 90 Prozent der Marketingkampagnen für die Internetseite mit KI generiert. "Da standen wir noch bei fast null vor einem Jahr."

Auch die Entwicklerteams hätten mit Hilfe von KI im vergangenen Jahr 20 Prozent mehr Code generiert. "Das heißt, es macht uns schneller, es macht uns effizienter und in Summe stimmt uns das natürlich sehr zuversichtlich für die Zukunft."

Das Unternehmen kooperiere zudem mit Google, um den Einkauf auch direkt über Chatbots zu ermöglichen. "Ich glaube, auch da haben wir viel zu bieten und können vor allem damit dafür sorgen, dass noch mehr Kunden den Weg zu Zalando finden."

dpa