Tag der Arbeit
1. Mai mit Feiern, Demos, Müllbergen und 87 Festnahmen

Am Abend des 1. Mai kam es zu Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizisten. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
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Am 1. Mai blieb es in Berlin laut Polizei "weitestgehend störungsfrei" – trotz einzelner Rangeleien und Angriffe in Kreuzberg. Mehr als 70.000 Feiernde gab es, 5.300 Polizisten und 87 Festnahmen.

Trotz des größtenteils friedlichen Ablaufs des 1. Mai in Berlin hat die Polizei bei allen Demonstrationen, Feiern und sonstigen Veranstaltungen insgesamt 87 Menschen wegen verschiedener Delikte vorläufig festgenommen. 121 Ermittlungen wegen des Verdachts von Straftaten wurden am Freitag eingeleitet, wie die Polizei mitteilte.

Die Polizei sprach von einem "weitestgehend störungsfreien Maifeiertag" mit zahlreichen Demonstrationen und insgesamt mehr als 70.000 Menschen, die auf überfüllten Straßen in Kreuzberg und in vielen Parks unterwegs waren. 5.300 Polizisten waren im Einsatz. Teile Kreuzbergs hatten sich in eine riesige Partymeile verwandelt. Sanitäter waren vor allem am Abend im Dauereinsatz. Die Stadtreinigung schaffte Müllberge fort.

15 Polizisten meist leicht verletzt

Unter den Straftaten des Tages waren typische Fälle bei Demonstrationen wie Landfriedensbruch, Angriff auf Polizisten und Körperverletzung. Aber auch Delikte, die eher bei den Straßenfesten vorkommen, wie sexuelle Belästigung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Beleidigung.

So wurde bei einem Streit um verbotenes Grillen im Volkspark Friedrichshain ein Polizist von einer größeren Gruppe angegriffen, getreten, geschlagen und gebissen. Im Laufe des ganzen Tages wurden 15 Polizisten überwiegend leicht verletzt. Nur ein Polizist musste seinen Dienst beenden - das ist die niedrigste Zahl der letzten Jahrzehnte am 1. Mai. 

Wegner zieht positive Bilanz

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) zogen eine positive Bilanz. "Der 1. Mai in Berlin war friedlich", hieß es von Wegner im Internetportal X. "Das ist auch ein großer Erfolg der besonnenen und konsequenten Planung und Vorbereitung unserer Polizei und Feuerwehr." Spranger betonte, der Tag sei "weitgehend friedlich" verlaufen. Das lange vorbereitete Einsatzkonzept sei aufgegangen mit einer angepassten Deeskalationsstrategie. 

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) widersprach zum Teil. Am späten Abend griffen Demonstranten aus dem linksautonomen Spektrum Polizisten an, es habe leicht verletzte Polizisten gegeben. Deshalb könne man "weiterhin nicht von einem friedlichen Tag sprechen". 

Vermummte Linksautonome mit Leuchtfackeln 

An der großen linken und linksradikalen abendlichen Demonstration nahmen laut Polizei rund 11.000 Menschen teil. Die Veranstalter nannten die Zahl 30.000. Gleich zu Beginn wurden in Kreuzberg pyrotechnische Gegenstände und sogenannte Nebeltöpfe gezündet. Weil sich der sogenannte schwarze Block von Linksautonomen vermummt und Leuchtfackeln angezündet habe, sei er von der Polizei seitlich begleitet worden. 

Während der Demonstration und am Ende wurden Polizisten mit Flaschen beworfen. Die Polizei nahm bei der Veranstaltung 18 Demonstranten fest, unter anderem auch wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen. 

Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel sprach von einer bewährten und immer weiter fortentwickelten Strategie der Deeskalation: "Zurückhaltung, wenn es uns nicht braucht, enge Begleitung, wenn Straftaten drohen, konsequentes Eingreifen, wenn Straftaten begangen werden."

Sanitäter mit 1.657 Einsätzen - feiernde Menschen und Alkohol

Die Sanitäter der Feuerwehr waren vor allem wegen Zehntausender feiernder Menschen und viel Alkohol am 1. Mai im Dauereinsatz "unter hoher Belastung". 1.657 Einsätze seien am Feiertag bis in die Nacht nur im Bereich des Rettungsdienstes absolviert worden, teilte die Feuerwehr mit. 

Am meisten Einsätze gab es demnach am Abend in Kreuzberg. Im überfüllten Görlitzer Park hätten sich die Notfälle und Hilfeleistungen so gehäuft, dass zusammen mit der Polizei eine Verletzten-Sammelstelle eingerichtet werden musste, "um sich dort häufende medizinische Hilfeersuchen gezielt abarbeiten zu können". Zwischenzeitlich hätten die Menschenmengen Zufahrtswege versperrt. 

Große Müllhaufen in Parks - Straßen bedeckt von Glasscherben

Nach der ausgeuferten Straßenparty in den Kreuzberger Straßen beseitigte die Stadtreinigung seit dem frühen Morgen große Mengen Müll. Nach Angaben der BSR fielen rund 350 Kubikmeter Abfall an - etwa doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. Etwa 170 Mitarbeiter seien mit 70 Fahrzeugen unterwegs gewesen. 

Mit Sonderschichten und viel Personal wurden die von Scherben und Glassplittern bedeckten Straßen zwischen Oranienplatz und Schlesischem Tor abgefahren. Große Müllhaufen gab es vor allem auch im Görlitzer Park, aber ebenso im Mauerpark, im Treptower Park und im Volkspark Friedrichshain. 

Ein offizielles Straßenfest gibt es am 1. Mai in Kreuzberg schon seit Jahren nicht mehr. Die Anwohner hatten zu sehr unter Lärm, Müll und sonstigen Hinterlassenschaften der feiernden jungen Menschen gelitten. Allerdings kommen trotzdem Zehntausende jedes Jahr an dem Feiertag aus anderen Stadtteilen, den Randbezirken und aus Brandenburg, so dass der Andrang größer ist denn je.

dpa