Aufwuchs der Bundeswehr
Land sucht Lösungen für Aktivitäten in Boostedt

Weil die Bundeswehr die alte Rantzau-Kaserne in Boostedt möglicherweise wieder selbst nutzen will, stehen die Pläne des Landes i
Weil die Bundeswehr die alte Rantzau-Kaserne in Boostedt möglicherweise wieder selbst nutzen will, stehen die Pläne des Landes infrage. Foto
© Frank Molter/dpa
Im Kalten Krieg war Boostedt ein wichtiger Standort der Bundeswehr mit Kampfpanzern, Panzergrenadieren und Artillerie. Jetzt besteht wieder Bedarf. Für die aktuellen Mieter werden Lösungen gebraucht.

Das Land Schleswig-Holstein muss sich für seine Aktivitäten in der ehemaligen Rantzau-Kaserne in Boostedt (Kreis Segeberg) nach Alternativen umsehen. Wegen des wachsenden Platzbedarfs der Bundeswehr könne die ursprüngliche Vereinbarung zur gemeinsamen Nutzung des Geländes von Landesunterkunft, Justizvollzugsschule und Katastrophenschutzlager nicht aufrechterhalten werden, teilten die drei Ministerien für Integration, Justiz und Inneres mit. Die bestehenden Mietverträge wurden vorerst nicht verlängert. Ob eine weitere Nutzung möglich bleibe, werde derzeit geprüft und gemeinsam mit der Bundeswehr bewertet.

Dreifache Nutzung durch das Land

Zur Nutzung der Liegenschaft hatten das Land Schleswig-Holstein und die Gemeinde Boostedt im Juni 2024 eine Verwaltungsvereinbarung geschlossen. Die Ministerien wollen ihre Vorhaben aber ab sofort getrennt voneinander behandeln. Die Mietverträge für die Liegenschaft laufen bis zum 30.11.2028.

Nach Angaben von Innenministerin Magdalena Finke (CDU) besteht Austausch mit der Bundeswehr, ob das Landeslager in Boostedt bleiben könne, oder man eine andere Lösung finden müsse. In Boostedt gebe es Synergieeffekte zwischen Katastrophenschutz und Militär.

Auch Justizministerin Kerstin von der Decken (CDU) berichtete von Gesprächen über die Frage eines Verbleibs der Justizvollzugsschule in Boostedt. "Gleichzeitig führen wir eine Bedarfsplanung durch, um zu prüfen, welche Anforderungen die Justizvollzugsschule erfüllen muss. Ich hoffe auf zügige Klarheit."

Ministerien brauchen Klarheit für die Planung

Für den Fall, dass die Bundeswehr den Standort tatsächlich in Anspruch nimmt, erarbeite das Integrationsministerium alternative Lösungen und werde das Standortkonzept bis zum Sommer anpassen, teilte Ministerin Aminata Touré mit. Der Anspruch sei, eine gute und sichere Lösung für Geflüchtete, Beschäftigte, Dienstleister und die Standortgemeinden zu gewährleisten. "Gleichzeitig benötigen wir dringend Klarheit, welche Liegenschaften in Schleswig-Holstein das Bundesverteidigungsministerium letztendlich tatsächlich für die eigenen Zwecke benötigt", so Touré.

In der Landesunterkunft in Boostedt sind derzeit durchschnittlich rund 580 Personen untergebracht. Die maximale Kapazität liegt bei 1.250 Plätzen. Darüber hinaus sind über 120 Beschäftigte des Landesamtes für Zuwanderung und Flüchtlinge in Boostedt tätig. Die Beschäftigten seien bereits am vergangenen Freitag über die möglichen Veränderungen informiert worden.

Gemeinde präferiert Alternativen im Ort 

Boostedts Bürgermeister Hartmut König nannte als sein Ziel, "das erprobte Erfolgsmodell gemeinsam mit dem Land an einer anderen Stelle der Gemeinde fortzuführen und gezielt zu optimieren, sollte die Kaserne nicht mehr zur Verfügung stehen".

dpa