Buckelwal in der Ostsee
Walforscher: Bei sinkendem Wasserstand Risiko für Organe

Derzeit verharrt der Buckelwal wieder weitgehend an einer Stelle. Foto: Jens Büttner/dpa
Derzeit verharrt der Buckelwal wieder weitgehend an einer Stelle. Foto
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Bewegt sich der Buckelwal nicht bald vom Fleck, könnte ihm ein sinkender Wasserstand zum Verhängnis werden, meint ein Meeresbiologe.

Ein geschwächter Wal kann nach Einschätzung eines Walforschers durchaus auch gezielt stranden, wenn ihm dies das Atmen erleichtert. "Dass er in der Ostsee eine Sandbank aufsucht, um sich zu erholen, kann man sich schon vorstellen", sagte der Meeresbiologe Boris Culik der Deutschen Presse-Agentur. 

Es hänge stark vom Auftrieb ab, ob der Wal an der Oberfläche treibe oder nicht, erklärte der Forscher, der früher am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel gearbeitet hat. Wenn der Wal gut genährt sei, habe er eine dicke Speckschicht und schwimme oben auf. Wenn nicht, sinke er ab. "Das hängt also davon ab: Wann hat er zuletzt gefressen? Wie gut ist sein Ernährungszustand? Wie dick ist die Speckschicht? Was ist sein spezifisches Gewicht im Vergleich zu dem relativ auftriebsarmen Ostseewasser?"

Der Wal hatte sich in der Wismarbucht bei gestiegenem Wasserstand zunächst freigeschwommen, verharrte danach aber länger wieder auf Grund liegend.

Wenn der Wasserstand sinkt, könnte es kritisch werden

Der Wasserstand in der Lübecker Bucht liegt heute nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) um 35 bis 70 Zentimeter über dem Normalhöhennull (NHN), in der Nacht von null bis 60 Zentimeter höher. Am Dienstag soll der Wasserstand nach aktueller Einschätzung zwischen 20 Zentimeter unter und 25 Zentimeter über NHN liegen.

Ein anhaltendes Verharren an der Stelle würde Culik zufolge daher enorme Risiken für den Wal bergen: "Wenn er jetzt gemütlich mit dem Bauch auf einer Sandbank liegt und oben guckt das Blasloch raus, alles gut. Aber wenn dann 50 Zentimeter weniger Wasser da sind, dann entwickelt er ein unheimliches Gewicht, das dann auf seinen inneren Organen lastet. Er hat ein ganz schwaches Skelett im Vergleich zu uns."

Ein Wal werde komplett von dem Wasser getragen - mit 50 Zentimeter weniger Wasser, wie morgen für die Wismarbucht gegen Mittag erwartet, werde es sehr schwierig. "Dann würden die Organe gequetscht werden: die Lunge, das Herz, Leber und so weiter."

An die Rettungshelfer vor Ort appellierte der Forscher: "Wenn der jetzt auf einer Sandbank liegt, wird es höchste Zeit, ihn da wieder wegzubugsieren. Die Retter haben nur wenige Stunden Zeit."

dpa