Für die Hamburger Elbphilharmonie steht mit der kommenden Spielzeit 2026/27 ein großer Geburtstag an: Das Konzerthaus an der Elbe wird im Januar zehn Jahre alt. Für diese besondere Saison versprechen Generalintendant Christoph Lieben-Seutter und sein Team "ein gigantisches Programm, das wirklich weltweit seinesgleichen sucht", wie der "Elphi"-Chef auf der Pressekonferenz zur Vorstellung der kommenden Spielzeit sagte.
Im Fokus steht neben dem eigenen Geburtstag das 250-jährige Jubiläum der Vereinigten Staaten von Amerika. "Das ist ein Anlass, verschiedenste Scheinwerfer auf das Kulturleben und speziell die Musik der US zu werfen."
Kultur der USA im Fokus der zehnten Spielzeit
Die Elbphilharmonie hat deshalb nach eigenen Angaben nicht nur eine dichte Abfolge von amerikanischen Weltklasse-Orchestern (7 Orchester in 13 Konzerten) im Programm. Geplant sind auch Konzerte mit Fokus auf den amerikanischen Jazz - zum Beispiel mit Blick auf den 100. Geburtstag des Jazzsaxophonisten John Coltrane – sowie auf die Rootsmusik des Landes. So werde Folk-Sängerin und Banjo-Musikerin Rhiannon Giddens ein fünftägiges Reflektor-Festival rund um das Instrument kuratieren.
Auf mögliche Kritik zum USA-Schwerpunkt sagte Lieben-Seutter: "Ja, es gibt einige Dinge, die uns beunruhigen." Gleichzeitig aber habe die USA nach wie vor eine der wichtigsten Kulturszenen der Welt. Die wolle die Elbphilharmonie abbilden, "und zwar nicht nur die klassische Seite dieser Kultur".
Prometheus und John Adams
Der Generalintendant hat mit seinem Team mehrere Stücke ins Programm gehoben, die sich um den rebellischen Prometheus drehen, sechs verschiedene Produktionen sind geplant. Eine davon - "Nono: Prometeo" des SWR Symphonieorchesters - habe schon lange auf der Bucketlist des Teams gestanden, sagte Lieben-Seutter. "Das ist sehr schwer und aufwändig in der Aufführung. Aber das leisten wir uns zum Geburtstag. Es ist eines der wesentlichen Werke der Musik des späten 20. Jahrhunderts." Das Stück ist für im Raum verteilte Solisten, Chor und vier Orchestergruppen und Live-Elektronik konzipiert.
Das NDR-Elbphilharmonie Orchester, das seit Anbeginn das Residenzorchester der "Elphi" ist, hat Meisterwerke von Mozart, Beethoven, Brahms, Bruckner und Mahler geplant. Zudem gibt es zahlreiche Abende mit zeitgenössischen Kompositionen von John Adams sowie von Missy Mazzoli, von der Chefdirigent Alan Gilbert schwärmt. Sie sei eine unglaubliche Künstlerin, die auch politisch engagiert sei, sagte er. "Es ist aufregend, dass sie hier ist."
Geburtstagsparty mit alten Bekannten
Noch steht das Programm für die kommende Saison nicht vollends fest. "Das ist der erste Aufschlag", sagt Lieben-Seutter. "Die großen Konzerte gehen jetzt in den Verkauf. Aber es kommen noch weitere Dinge dazu. Dazu informieren wir im Herbst."
Auf den Geburtstag im Januar warf der "Elphi"-Chef dennoch einen kurzen Blick: So soll unter anderem die Harmonielehre von John Adams erneut aufgeführt werden. Zudem habe die "Elphi" die Techno-Marching-Band Meute wieder eingeladen. "Damals waren sie noch aufstrebend, heute sind sie Superstars", sagte Lieben-Seutter dazu. Auch eine internationale Werbekampagne ist rund um den Geburtstag geplant.
"Elphi" in Top-10 der umstrittensten Gebäude
Kostenlose PR gab es nun bereits von der "New York Times". Die hat nämlich vor wenigen Tagen eine Liste veröffentlicht, die sich mit den umstrittensten Gebäuden der Welt beschäftigt. Das Konzerthaus ist dabei auf Platz 8 gelandet – noch vor dem von US-Präsident Donald Trump geplanten vergoldeten Ballhaus im Weißen Haus.
Die "Elphi" ist allerdings aufgrund eines durchaus positiven Effektes auf dieser Liste gelandet. Die Elbphilharmonie zeige, wie sich die öffentliche Wahrnehmung komplett ändern könne, sagte der japanische Architekt Toshiko Mori. Er hat – wie auch der amerikanische Architekt Daniel Libeskind – für die Zeitung die seiner Meinung nach kontroversesten Gebäude der Welt herausgesucht. Der Text erschien am 17. April im "t-Magazine" der "New York Times".
Darin begründet Mori seine Entscheidung für die "Elphi" wie folgt: Sie spiegele wider, "wie Kontroversen mit der Zeit an Bedeutung verlieren", sagte er mit Blick auf heftige Debatten während der fast zehnjährigen Bauzeit.
Ursprünglich sollte das Konzerthaus 2010 fertiggestellt werden, es wurde 2016/17. Zudem hatten sich die Kosten von anfangs geplanten 77 Millionen Euro zunächst auf gut 241 Millionen bei Vertragsvergabe erhöht und waren am Ende auf etwa 789 Millionen Euro gestiegen.
Mittlerweile aber ist die Elbphilharmonie längst zu dem Wahrzeichen geworden, als das sie gedacht war. Nach der Fertigstellung habe sich die öffentliche Wahrnehmung komplett geändert. "Alle lieben es. Man bekommt keine Tickets mehr", wird Architekt Mori weiter zitiert.
Intendant: "Gut, dass über die Elbphilharmonie geredet wird"
"Elphi"-Generalintendant Christoph Lieben-Seutter nimmt die Liste mit Humor. "Wir fanden das lustig und witzig. Wir haben es eigentlich nur positiv gesehen. Nach dem Motto: "Lustige Konnotation. Wie kommen sie auf die Idee? Gut, dass über die Elbphilharmonie geredet wird"", sagte er während der Pressekonferenz.
In den Top 10 des Rankings findet sich auf Platz 1 übrigens der Bau des mythischen Turmes von Babel. Das biblische Bauprojekt, mit dem der Himmel erreicht werden sollte, ist Libeskind zufolge "dauerhaft das umstrittensteGebäude, weil es nie fertiggestellt werden kann".
Die Elbphilharmonie dagegen ist weit entfernt vom Scheitern. Im Gegenteil, wie Intendant Lieben-Seutter ausführte: Das Konzerthaus habe weltweit einen sehr guten Ruf. "Das Haus ist immer noch fantastisch ausgelastet."