Umweltgefahr
MV fordert mit Blick auf Tourismussaison: "Eventin" muss weg

Die Schweriner Landesregierung fordert eine umgehende Verlegung der "Eventin" weg von der Insel Rügen. (Archivbild) Foto: Jens B
Die Schweriner Landesregierung fordert eine umgehende Verlegung der "Eventin" weg von der Insel Rügen. (Archivbild) Foto
© Jens Büttner/dpa
Seit mehr als einem Jahr wird der russische Öltanker "Eventin" vor Deutschlands größter Insel Rügen von Behörden festgehalten. Für die Landesregierung in Schwerin ist das ein unhaltbarer Zustand.

Vor Beginn der Tourismussaison hat Mecklenburg-Vorpommerns Landesregierung ihre Forderung nach schnellstmöglicher Verlegung des russischen Öltankers "Eventin" weg von seinem Ankerplatz vor der Insel Rügen bekräftigt. Innenminister Christian Pegel (SPD) sagte im Landtag, das Land erwarte von der Bundesregierung unverzügliches Handeln. "Tourismus, Wasser- und Naturschutz auf und um Rügen benötigen möglichst ein Null-Risiko, und das ist am verlässlichsten zu erreichen, wenn das Schiff nicht mehr auf Reede dort liegen wird."

Die zuständigen Bundesbehörden sehen nach Worten Pegels kein erhöhtes Risiko durch die "Eventin", das über das hinausgehe, was durch den üblichen Tanker-Verkehr auf der Ostsee in der Region bestehe. Das Schiff, das der sogenannten russischen Schattenflotte zugerechnet wird, sei demnach in einem technisch sicheren Zustand und liege bei vorherrschenden Nord-West-Wetterlagen im Windschatten der Insel Rügen. Gegen die Gefahr eines Losreißens in einem Sturm halte der Bund rund um die Uhr einen Schlepper ausschließlich für die "Eventin" vor, der im Notfall eingreifen solle.

Schwerin will "Eventin" loswerden

Dennoch bleibe die Landesregierung bei ihrer Forderung, dass die "Eventin" vor Rügen verschwinden solle, sagte Pegel weiter. Der Bund habe gegenüber dem Land erklärt, dies wäre aufgrund des Tiefgangs der "Eventin" nur möglich, wenn das Schiff auf einem Weg etwa zu einem geeigneten Hafen deutsche Hoheitsgewässer verlasse. Dann aber hätten deutsche Behörden keine Handhabe mehr.

Fall beschäftigt Finanzgericht Hamburg

Der Tanker mit fast 100.000 Tonnen Öl an Bord war im Januar 2025 nördlich von Rügen havariert und wird seither von den deutschen Behörden festgehalten. Um das Schiff wird juristisch gestritten. Beim Finanzgericht Hamburg ist nach Angaben der Generalzolldirektion ein gerichtliches Hauptverfahren anhängig. Eigentlich wollte der Zoll das Schiff samt Ladung einziehen und verwerten. Im Dezember hatte der Bundesfinanzhof (BFH) in München im Rahmen eines Eilverfahrens aber auch in zweiter Instanz entsprechende Verfügungen gestoppt.

Als Teil der russischen Schattenflotte sanktioniert

Die EU zählt das 20 Jahre alte Schiff zur sogenannten Schattenflotte, mit der Russland Sanktionen umgeht. Gegen die Listung hat der Eigner vor dem Gericht der EU Klage eingereicht. Als Grund gibt er an, das Schiff habe "zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt, sanktionierte Ölprodukte in die Europäische Union zu transportieren". Die Einfuhr in deutsche Hoheitsgewässer sei unfreiwillig aufgrund eines "technischen Defekts erfolgt und durch das Recht auf Anlaufen eines Nothafens gedeckt".

dpa