Wintertief "Elli" stürmt über Schleswig-Holstein. Im Süden und Westen des Landes kämpften die Räumdienste den ganzen Tag mit Neuschnee und Schneeverwehungen. Im übrigen Land blies ein kräftiger und böiger Sturm aus Osten, der die Ostsee aufwühlt und in die Buchten und Förden trieb. Es gab Ausfälle bei Bussen, Bahnen und Fähren. Die Polizei berichtete darüber hinaus von einem eher ruhigen Verkehrsgeschehen.
Der Fernverkehr der Deutschen Bahn in Norddeutschland soll am Samstagmorgen schrittweise wieder aufgenommen werden. Am Samstag sei trotzdem bundesweit noch mit Einschränkungen und Zugausfällen zu rechnen, teilte das Unternehmen mit.
Die Nordbahn will am frühen Samstagmorgen zunächst alle Strecken prüfen, bevor der Betrieb aufgenommen werden soll. Die Vorgehensweise vom Vortag habe sich bewährt, teilte die Eisenbahngesellschaft mit. Bevor der Verkehr am Morgen aufgenommen wird, sollen zuerst alle Strecken daraufhin geprüft werden, ob sie sicher befahrbar sind. Daraufhin soll entschieden werden, wie die Züge am Sonnabend verkehren werden.
Ostsee steigt höher als zunächst erwartet
Die Sturmflut der Ostsee könnte höher steigen als zunächst erwartet. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) geht von einem bis zu 1,5 Meter höher als normalen maximalen Wasserstand in Flensburg aus. Tiefer gelegene Bereiche am Hafen würden dann überschwemmt. Für die Kieler Bucht erwartet das BSH maximal 1,4 Meter und für Lübeck 1,2 Meter. Auch in der Hansestadt tritt das Wasser dann örtlich über das Ufer.
In der Landeshauptstadt wurde die Kiellinie an der Förde gesperrt. In Kombination mit Minustemperaturen bestehe die Gefahr, dass übertretendes Wasser und Gischt gefrieren und sich gefährliche Glatteisflächen bilden. Gesperrt wurde deshalb der nördliche Abschnitt der Kiellinie zwischen Lindenallee und Koesterallee. Die Fahrbahn ist dort für alle Verkehrsarten vollständig abgeriegelt. Nach aktueller Einschätzung der Stadt wird die Sperrung mindestens bis Samstagmittag Bestand haben.
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Aufgrund des starken Sturmes und des Hochwassers kann die Schlepp- und Fährgesellschaft Kiel (SFK) derzeit nicht mehr die Anlegebrücken sicher bedienen. Der Betrieb der Schwentinelinie F2 wird deshalb vorübergehend eingestellt. Fahrgäste sollen auf die Busse der Kieler Verkehrsgesellschaft ausweichen.
Meteorologe: Kein Jahrhundert-Event
Nach Einschätzung des DWD-Meteorologen David Menzel ist die aktuelle Wetterlage zwar durchaus etwas Besonderes, weil es zuletzt wenige intensive Winter im Norden gegeben habe. Aber: "Ich würde es nicht als ein Jahrhundert-Event einordnen. Das ist es auf gar keinen Fall. Es ist ein winterlicher Sturm und - wenn man das große Ganze betrachtet - nichts sonderlich Außergewöhnliches."
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt dennoch weiter vor Unwetter durch starke Schneeverwehungen in Teilen Norddeutschlands. Die amtliche Unwetterwarnung gelte bis Samstag, 7.00 Uhr für das Gebiet zwischen Ostfriesland, Elbe-Weser-Dreieck, Dithmarschen und Dänischer Grenze, hieß es am Abend. Auf Helgoland treten bis Freitagabend demnach orkanartige Böen aus Ost auf.
Frau verunglückt schwer mit E-Scooter
In Flensburg wurde eine 52 Jahre alte Frau bei einem Unfall mit ihrem E-Scooter am Morgen schwer verletzt. Sie rutschte im Schneematsch aus, als sie versuchte, nach dem Überqueren der Straße wieder auf den Gehweg zu fahren, wie die Polizei mitteilte. Bei dem anschließenden Sturz verletzte sie sich am Kopf.
Aufgrund einer Schneewehe ist ein Auto im Kreis Schleswig-Flensburg im Gleisbett stecken geblieben. Das Fahrzeug war am Nachmittag in der Gemeinde Sollerup bei einem Bahnübergang auf den Gleisen zwischen Husum und Jübek zum Halt gekommen, wie die Polizei mitteilte.
Auf der A1 (Hamburg - Lübeck) kippte bei Großhansdorf im Kreis Stormarn ein Lastwagen mit Anhänger um. Die Fahrbahn war über vier Stunden voll gesperrt, wie die Polizei mitteilte. Verletzt wurde niemand. Der 64-jährige Fahrer war in Richtung Norden auf der glatten Fahrbahn unterwegs gewesen, als er aus bislang ungeklärter Ursache die Kontrolle über das Gespann verlor und mit der Mittelschutzplanke kollidierte.
Wegen wetterbedingter Schulausfälle in neun Kreisen des Landes wurde für Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen eins bis sechs eine Notbetreuung angeboten. Geschlossen blieben Schulen in den Kreisen Dithmarschen, Herzogtum Lauenburg, Nordfriesland, Pinneberg, Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Flensburg, Segeberg, Steinburg und Stormarn. Nach dem Wintertief "Elli" rechnet Schleswig-Holsteins Bildungsministerium für Montag wieder mit landesweitem Schulbetrieb.
Für das Wochenende sagt der Deutsche Wetterdienst weitere Schneeschauer voraus. Der Wind weht kräftig, so dass es weiter zu Schneeverwehungen kommen kann. Die Temperaturen bleiben im Minusbereich. In den Nächten muss teilweise mit Frost bis minus sieben Grad gerechnet werden.