In Hessen sind bei der Prüfung zum ersten juristischen Staatsexamen 24 Klausuren auf dem Postweg verloren gegangen. Der Erstkorrektor habe dem Justizprüfungsamt den Wechsel seiner Anschrift versehentlich nicht mitgeteilt, wie das Justizministerium auf Nachfrage bestätigte. In der Folge landete das Paket mit den im Februar geschriebenen Klausuren im Treppenhaus der alten Anschrift und ging dann verloren. Zuvor hatten mehrere Medien über den Fall berichtet.
Das juristische Staatsexamen gilt als eine der härtesten Prüfungen in Deutschland. In Hessen müssen die Prüflinge unter anderem sechs fünfstündige Klausuren aus verschiedenen Rechtsgebieten ablegen. Sie bereiten sich in der Regel monatelang, nicht selten auch weit mehr als ein Jahr lang, darauf vor. An dem Prüfungssystem gibt es seit Jahren Kritik, unter anderem wegen des großen Drucks, der mit den Prüfungen einhergeht.
Prüfungsamt bietet Lösung an
Umso frustrierender dürfte es für die betroffenen Prüflinge gewesen sein, dass ihre Klausuren, auf die sie sich so lange vorbereitet hatten, nicht mehr aufzufinden waren. Das Justizprüfungsamt hat ihnen nun eine Lösung angeboten, wie das Ministerium der dpa auf Nachfrage mitteilte: „Sie konnten den Durchschnitt der fünf vorhandenen Klausuren als Ergebnis ihrer schriftlichen Prüfung gelten lassen. Dann zählt die mündliche Prüfung anteilig mehr, was in aller Regel ein Vorteil ist. Oder die Prüflinge konnten sich für ein Nachschreiben der Klausur in der nächsten Kampagne im Juli 2026 mit mündlicher Prüfung im Dezember 2026 entscheiden“
Zwei Prüflinge wollen nachschreiben
Laut Justizministerium haben sich 22 Prüflinge dafür entschieden, im Juni in die mündliche Prüfung zu gehen und damit die fünf bereits geschriebenen Klausuren als Ergebnis des schriftlichen Prüfungsteils stehenzulassen. Die anderen beiden möchten die Klausur im Juli nachschreiben.
Da die Examensklausuren per Hand geschrieben wurden, lagen sie nicht in digitaler Form vor. Eingescannt wurden sie auch nicht, wie das Ministerium weiter bestätigte. Das soll sich aber nach dem Willen des Justizprüfungsamtes ändern, wie dieses dem Fachportal „Legal Tribune Online“ (LTO) mitteilte: „Das Justizprüfungsamt setzt sich für eine zügige Einführung des E-Examens auch in der staatlichen Pflichtfachprüfung ein. Verluste auf dem Postweg können nicht vollständig ausgeschlossen werden.“
Junge Union sieht Vertrauen in Prüfungsamt beschädigt.
Die Junge Union (JU) Hessen kritisierte den Vorfall und sprach von einem erschütterten Vertrauen in die Verlässlichkeit des Prüfungsamtes. „Wenn Examensklausuren verschwinden, geht es nicht um einen bloßen Verwaltungsfehler. Für die Betroffenen geht es um Monate intensiver Vorbereitung, psychische Belastung und ihre berufliche Zukunft. Ein solcher Vorfall darf sich keinesfalls wiederholen“, sagte die Referentin für Justiz und Migration, Leona Becker, laut Mitteilung.