Vogelrettungsaktion
Uhu-Küken nach Rettung aus Kirchturm stabil

Die Uhu-Babys waren erst vor wenigen Tagen geschlüpft und standen durch die Kamera unter ständiger Beobachtung. Foto: Maik Dobbe
Die Uhu-Babys waren erst vor wenigen Tagen geschlüpft und standen durch die Kamera unter ständiger Beobachtung. Foto
© Maik Dobbermann/NABU Marburg/dpa
Nach der Rettungsaktion in Marburg sollen die drei Küken bald unter die Fittiche von Uhu-Amme "Momo" kommen. Auch Namen haben die kleinen Vögel schon bekommen.

Nach ihrer Rettung aus einem Turm der Marburger Elisabethkirche sind die drei Uhu-Küken wohlauf. Zwar werde das jüngste der drei Küken noch in einem Brutkasten gehalten, doch sein Zustand sei stabil, teilte Hartmut Möller vom Naturschutzbund (Nabu) Marburg mit. Die anderen beiden jungen Uhus seien ebenfalls in gutem Zustand. Auch Namen haben die drei Jungvögel bereits erhalten: Die Naturschützer nennen sie "Juhu eins", "Juhu zwei" und "Juhu drei".

In Kürze würden alle drei Küken dem weiblichen Uhu "Momo" übergeben, der laut Nabu als "Amme" für die Jungtiere fungieren soll. Mäuse und später Ratten würden dann von den Pflegern in der Voliere deponiert und "Momo" werde die Fütterung der Kleinen wie in einer natürlichen Situation übernehmen.

Auswilderung voraussichtlich ab September

Die weitere Entwicklung werde weiterhin ständig fachlich beobachtet. Es werde alles getan, damit die "drei Marburger" voraussichtlich im September ausgewildert werden können, so Möller. Vorher würden die Jungvögel noch von einer Vogelwarte beringt. 

Nabu-Ehrenamtliche und Biologen hatten die drei geschwächten Uhu-Küken zuvor aus dem Südturm der Marburger Elisabethkirche gerettet, da sie zu verhungern drohten. Nach der Entnahme aus dem Nistkasten wurden sie in eine spezialisierte Aufzuchtstation für Wildvogel gebracht. Über eine Live-Kamera im Nistkasten hatten zuvor über Wochen zahlreiche Interessierte dem Uhu-Paar "Hugo" und "Lisbeth" beim Brüten zugeschaut. Doch dann hatte die Kamera die Notlage der Jungvögel sichtbar gemacht, nachdem das eigentlich für die Nahrungsbeschaffung zuständige Uhu-Männchen "Hugo" mehrere Tage lang nicht mehr mit Beute aufgetaucht war.

Uhu-Weibchen ruft noch nach Partner

Die Naturschützer gehen davon aus, dass "Hugo" möglicherweise verunglückt ist. Die Uhu-Küken waren erst wenige Tage vor der Rettung geschlüpft und hatten durch die Kamera unter ständiger Beobachtung gestanden. Den Livestream sollen tausende Menschen verfolgt haben.

Dem Uhu-Weibchen "Lisbeth" sei noch immer eine Verunsicherung anzumerken, sagte Möller – es suche weiter nach den Küken und rufe auch noch nach "Hugo". Mit der Zeit dürfte sich dies aber geben, und zur nächsten Balzsaison im Herbst dürfte sich "Lisbeth" auch einen neuen Partner suchen, erwartet Möller. "In Marburg und Umgebung findet sie bestimmt einen neuen Partner, denn die Uhu-Population hat sich hier sehr gut entwickelt."

Bereits am Vortag hatte Möller erklärt, dass im Naturschutz der Grundsatz gelte, dass nicht in natürliche Prozesse eingegriffen werden sollte. Angesichts der akuten Gefahr für die Jungtiere hätten sich die Fachleute jedoch in Abstimmung mit der zuständigen Naturschutzbehörde für die "Rettungsaktion" entschieden.

dpa