Nach dem Skandal um heruntergerissene und zerknüllte Deutschlandfahnen hat die zurückgetretene Gleichstellungsbeauftragte von Mecklenburg-Vorpommern, Wenke Brüdgam, einen neuen Job angetreten. Die Linke-Politikerin arbeitet bei der Stadtverwaltung Rostock im Büro von Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger, ebenfalls Linke. Sie sei Koordinatorin im Fachbereich Ehrenamt, wie ein Sprecher der Hansestadt mitteilte. Zuerst hatte der NDR berichtet.
"Das Arbeitsverhältnis von Frau Brüdgam bei der RostockerStadtverwaltung war mit Übernahme der Position alsGleichstellungsbeauftragte des Landes nicht beendet worden, sondernvorübergehend ruhend gestellt", erläuterte der Sprecher. "Eine entsprechende Vereinbarung hat der damalige Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen abgeschlossen." Brüdgam sei Anfang Februar wieder in ihrArbeitsverhältnis eingetreten.
CDU spricht von "Selbstbedienungsladen"
"Da ihre vormalige Stelle zwischenzeitlich neu besetzt wurde, war eine Rückkehr auf die frühere Stelle nicht möglich", so der Sprecher weiter. Deshalb sei nun eine Stelle zugeordnet worden, "die im Rahmen der Stellenbewirtschaftung und des Stellenumfangs liegt, den die Bürgerschaft mit dem Haushaltsbeschluss 2026/2027 gefasst hat".
Die CDU übte heftige Kritik. "Während wir den Bürgerinnen und Bürgern erklären, dass wegen der Haushaltssperre kein einziger zusätzlicher Euro ausgegeben werden kann, zaubert das Rathaus plötzlich eine maßgeschneiderte Stelle aus dem Hut, und zufällig landet darauf eine Parteifreundin der Oberbürgermeisterin", teilte die CDU-Stadtfraktion mit. Es entstehe der Eindruck eines "Selbstbedienungsladens".
Rücktritt Anfang Dezember
Wenke Brüdgam war Anfang Dezember als Landes-Gleichstellungsbeauftragte zurückgetreten, nachdem sie Deutschland-Fahnen von leerstehenden Häusern entfernt und zerknüllt hatte. In einem Social-Media-Post, der später gelöscht wurde, sagte Brüdgam mit einer zerknüllten Deutschland-Fahne in den Händen, auf dem Weg zu einer Mitgliederversammlung in ihrer Stadt habe sie "diese Dinger hier" entdecken müssen, die überall aufgehängt gewesen seien.
"Also bin ich ausgestiegen und hab sie abgerissen. Denn wer in diesen Zeiten Deutschland-Fahnen an leerstehende Häuser hängt, der will nicht zeigen, dass er sein Land mag, sondern der will letztlich Nationalismus propagieren und damit klar zum Faschismus aufrufen."
Ermittlungsverfahren
Die Generalstaatsanwältin des Landes leitete daraufhin ein Ermittlungsverfahren ein. Dabei wird nach früheren Angaben von Justizministerin Jacqueline Bernhardt (Linke) geprüft, ob Brüdgams Aktion als Verunglimpfung von Hoheitszeichen eines Staates einzustufen sei. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwältin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.