Nach ihrem denkwürdigen Einsatz bei der Bergung des Buckelwals vor der Ostseeinsel Poel steht den beteiligten Rettungsschwimmern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) nun die Badesaison bevor. "Wir standen schon sehr im Fokus", sagt Olliver Bartelt, der den Einsatz DLRG-seitig leitete und mittlerweile auf Usedom Wache hält.
Mitglieder seines Teams würden immer noch auf den Einsatz angesprochen. "Viele von uns werden durch die zahlreichen Videoaufnahmen erkannt", sagt der 35-jährige Ehrenamtliche der Deutschen Presse-Agentur. "Wir haben viele Zuschriften aus ganz Deutschland."
Der Zuspruch überwiege. Negative Reaktionen habe es aber auch gegeben, etwa nachdem Bartelt angekündigt hatte, man werde nach rund zwei Wochen auf Poel den Einsatz abbrechen und nach Hause fahren. Hätte Bartelt die Zeit seiner Kollegen und Kolleginnen schon vor der Saison aufgebraucht, hätten sie ihm später am Strand gefehlt, erklärt er, oder für mögliche Katastrophenlagen, für die sein Team deutschlandweit bereitstehe.
"Würde ich jedes Mal wieder so tun"
Einer privaten Initiative war es gelungen, den Buckelwal vor rund drei Wochen lebend abzutransportieren. Experten hatten empfohlen, das mehrfach gestrandete Tier in Ruhe zu lassen. Er wurde im Meer freigesetzt, liegt mittlerweile aber tot vor der dänischen Insel Anholt.
"Wir haben mit der Initiative es möglich gemacht, dass der Wal die Möglichkeit hatte, freizukommen", sagte Bartelt. Es sei klar gewesen, dass er danach nicht automatisch überlebt. "Aber wir wollten ihm die Chance geben. Und dabei haben wir unterstützt. Und das würde ich jedes Mal wieder so tun."
Den Einsatz beschreibt Bartelt für sich als sehr emotional. "Wir waren ja vor Ort bei dem Wal. Und das war natürlich schon sehr ergreifend." Das Tier habe auf die Menschen reagiert. Auch dabei zu helfen, den Wal letztlich zum Abtransport in den dafür vorgesehenen Lastkahn zu bugsieren, sei für sein Team ein einmaliges Erlebnis gewesen.
Nicht der einzige tierische DLRG-Einsatz
Mit Tieren habe die DLRG aber anderweitig auch zu tun. Bartelt berichtet etwa von jungen Robben am Strand oder Vögeln mit Problemen. Dann rufe man die Tierrettung, sperre ab oder stelle etwa Boote bereit. "Wenn zufällig Tauben in einer Brücke eingesperrt sind, wo wir uns abseilen können, um ein Gitter aufzuschrauben, machen wir das", erinnert Bartelt an einen Einsatz an der Wolgaster Peenebrücke. "Ich glaube, jeder Rettungsschwimmer kann jederzeit von irgendeiner Tierrettung oder -bergung erzählen."
Nachwuchssorgen
Bartelt, im Hauptberuf Bundespolizist, ist nach eigener Aussage mit 14 zur DLRG gekommen und mit 16 Jahren Rettungsschwimmer geworden. Seit 2010 sei er bei fast jedem Hochwassereinsatz in Deutschland gewesen. Bei den Bemühungen um den Wal habe die DLRG nicht nur wasserseitig die Menschen abgesichert, sondern sie auch zum Wal gebracht, sie verpflegt, den Wal mit Booten gelotst und mit einer Führungsstruktur unterstützt. Den Einsatz vergleicht Bartelt mit der Zeit der Corona-Pandemie. Damals habe die DLRG auch etwa beim Impfen oder Testen unterstützt. "Das ist ja keine Kernaufgabe der DLRG." Trotzdem habe man das leisten können.
Bartelt berichtet von Problemen, Nachwuchs zu finden. Es sei schwer geworden, junge Menschen dazu zu begeistern, ihre Freizeit zu opfern.