Geflügelpest
Erster Vogelgrippe-Ausbruch vor 20 Jahren - Millionenschaden

Die Vogelgrippe gehört seit dem ersten Ausbruch vor 20 Jahren inzwischen fast zum Alltag. (Archivbild) Foto: picture alliance /
Die Vogelgrippe gehört seit dem ersten Ausbruch vor 20 Jahren inzwischen fast zum Alltag. (Archivbild) Foto
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Der erste Ausbruch der Vogelgrippe in Deutschland war im Februar 2006 auf der Insel Rügen. Das H5N1-Virus wird seither immer bedrohlicher. Was könnte Impfen ausrichten?

Vor 20 Jahren, am 14. Februar 2006, ist erstmals in Deutschland das Vogelgrippe-Virus H5N1 nachgewiesen worden. Betroffen waren zwei tote Schwäne auf der Insel Rügen. Hunderte weitere Zugvögel verendeten damals in der Ferienregion - und es sollte erst der Anfang sein.

Allein in Mecklenburg-Vorpommern registrierten die Behörden seither mehr als 170 Ausbrüche in Geflügelbetrieben, wie das Umwelt- und Agrarministerium in Schwerin berichtet. Dabei hat das Geschehen in den letzten fünf Jahren deutlich Fahrt aufgenommen. 

Bis 2020 schlägt das Virus saisonal zu

Bis Herbst 2020 schlug das Virus saisonal mit dem Herbstvogelzug und in den darauffolgenden Wintermonaten zu, berichtet Till Backhaus (SPD), der das Geschehen vom ersten Tag an als MV-Agrarminister begleitete. Seit 2021 kommen demnach Infektionen bei Wildvögeln und Ausbrüche in Haltungen nach seinen Worten zunehmend ganzjährig vor. Von den 168 Ausbrüchen in Geflügelställen von 2006 bis 2025 wurden 36 bis zum Jahr 2020 festgestellt und 132 in den Jahren 2021 bis 2025.

In den ersten Wochen des neuen Jahres gab es in MV auch schon wieder sechs Ausbrüche, so Backhaus. Damit seien seit vergangenem September 20 Ausbrüche in Ställen mit etwa 383.000 Tieren verzeichnet worden. Die Tiere verendeten oder wurden getötet. 

Ausbruch ist Todesurteil für alle Tiere eines Stalls

Bei einem Geflügelpest-Ausbruch muss das ganze Geflügel des betroffenen Betriebes getötet werden. Das Virus gilt als hochansteckend. Um das Unternehmen werden Schutzzonen gezogen, in denen etwa der Handel mit Geflügel eingeschränkt ist. 

Das Land und die Tierseuchenkasse haben dem Ministerium zufolge seit 2006 gut 14 Millionen Euro Entschädigungen an betroffene Geflügelhalter bezahlt. "Der tatsächliche Schaden für die Betriebe entlang der Wertschöpfungskette ist aber deutlich höher", so Backhaus. Er spricht sich für die Impfung von Geflügel aus. Das ist aber nicht ganz so einfach.

Impfung: Möglich aber kompliziert

Zwar ist die Impfung von Nutzgeflügel in der Europäischen Union erlaubt, flächendeckend angewendet wird sie nicht - wegen aufwendiger Kontrollpflichten und weil Betriebe mögliche Handelsbeschränkungen beim Export ihrer Waren befürchten. Ein Impfprogramm in Frankreich bei größeren Entenbeständen habe gezeigt, dass großangelegtes Impfen erfolgreich möglich ist, so Martin Beer, Vizepräsident des FLI.

Derzeit müsse regelmäßig offiziell bestätigt werden, dass geimpfte Tiere auch tatsächlich gesund sind. "Es müssen zahlreiche Proben genommen werden, die ein Labor in engen Abständen untersuchen muss. Und wir reden ja nicht von zehn Hühnern, sondern eventuell von einem Betrieb mit zwei Millionen." Deshalb gebe es Gespräche auf EU-Ebene, die Regularien zu vereinfachen und künftig vornehmlich krank erscheinende oder verendete Tiere in geimpften Beständen zu untersuchen. 

Gezielt eingesetztes Impfen könnte helfen, es würde die übrigen Maßnahmen gegen eine Verbreitung von Erregern aber nicht ablösen, so Beer weiter. Das heißt auch, es würde das Töten von Tieren beim Seuchenausbruch nicht komplett verhindern können.

Auch Kühe betroffen 

Zuletzt hatte der erste Vogelgrippe-Nachweis bei einer Kuh außerhalb der USA Aufsehen erregt. In der Milch eines Tieres in den Niederlanden waren im Januar Antikörper gegen den Erreger H5N1 gefunden worden. 

Das Risiko schätzt das zuständige Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald nach eigenen Angaben trotz des neuen Falls für hiesige Wiederkäuer weiter als sehr gering ein - "solange es bei einem Einzelfall bleibt und weitere Untersuchungsergebnisse keine Hinweise auf eine weitere Viruszirkulation bei Rindern liefern", hatte eine Sprecherin geschrieben.

dpa

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