In den Parteizentralen in Mecklenburg-Vorpommern werden die Kampagnen für die Landtagswahl in einem halben Jahr vorbereitet. Dabei wird auch Geld gezählt. Wie viele Plakate in welchen Größen können wir bestellen? Wie viele Euro stecken wir in den Online-Wahlkampf? Welche Veranstaltungen können wir finanzieren? Fragen wie diese beschäftigen die Planer.
Die Summen, mit denen die größeren Parteien im Land planen, sind durchweg sechsstellig und überschreiten auch schon mal die Grenze von einer Million Euro. Bei der SPD etwa lag das Budget im Landtagswahlkampf 2021 bei gut einer Million Euro, wie Landesgeschäftsführer Steffen Wehner mitteilt. Für die diesjährige Kampagne wird nach seinen Worten in einem ähnlichen finanziellen Rahmen wie bei früheren Landtagswahlkämpfen geplant. Gewählt wird am 20. September.
Schwesig am Küchentisch
Für die Kommunikation hat der Landesverband die SPD-Social-Media-Expertin Lilly Blaudszun engagiert - wie schon 2021. Sie setzt vor allem die Spitzenkandidatin der Sozialdemokraten, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, beinahe täglich in den sozialen Medien in Szene - am Küchentisch, am Bahnsteig, am See. Alles sehr persönlich.
51.000 Follower hat Schwesig bei Instagram und damit mit Abstand die meisten von allen Spitzenkandidaten. Der Spitzenkandidat der AfD, Enrico Schult, kommt auf gut 6.500; der Frontmann der CDU, Daniel Peters, auf knapp 2.400 und die Spitzenkandidatin der Linken, Simone Oldenburg, auf 2.200 Follower.
Doch der Online-Wahlkampf sei nicht entscheidend, sagt der Politikwissenschaftler Wolfgang Muno von der Universität Rostock. Es werde in der Regel die eigene "Bubble" erreicht - also Menschen, die ohnehin ein Interesse an einem haben und dem eigenen politischen Lager nahestehen. Viel wichtiger seien nach wie vor der Wahlkampf an der Haustür und das direkte Gespräch mit den Bürgern, sagt der Forscher.
SPD und CDU mit je über einer Million Euro
Auch die CDU will über eine Million Euro in den Wahlkampf investieren, wie der Landesvorsitzende und Spitzenkandidat Daniel Peters sagt. Das sei mehr als im Landtagswahlkampf 2021. "Am wirksamsten ist Haustür-Wahlkampf", sagt Peters. "Social Media wird auch in Mecklenburg-Vorpommern immer wichtiger, Stände sind unverzichtbar."
Im Vordergrund stehe nicht die Werbung. "Im Vordergrund stehen unsere politischen Inhalte. Deswegen fließt unsere meiste Energie in die inhaltliche Arbeit." Mehr Großplakate als im letzten Landtagswahlkampf sollen aber aufgestellt werden.
Die Grünen wollen 350.000 Euro investieren, das BSW gibt 480.000 Euro an. Die Linke hat nach eigenen Angaben rund 600.000 Euro in der Wahlkampfkasse. Nach Worten ihres Landesvorsitzenden Hennis Herbst setzt die Partei einerseits auf einen Mix aus traditionellen Formen wie dem klassischen Infostand auf dem Marktplatz und dem Gespräch an der Haustür. Aber auch Social-Media werde für die Linke eine herausgehobene Rolle spielen, sagt der Politiker.
"Die letzten Wahlen haben gezeigt, dass Die Linke bei jungen Menschen ein sehr hohes Potenzial hat." Diese informierten sich vor allem in den sozialen Netzwerken. "Uns ist es wichtig, die Menschen dort zu erreichen, wo sie wirklich sind - in einer Sprache, die jeder versteht." Knapp 4.800 Follower bei Instagram hat der Linke-Landesverband.
AfD mit meisten Followern im Netz
Der AfD-Landesverband hat 15.700 Follower und damit weit mehr als alle anderen Parteien im Nordosten. "Im Netz sind wir mit großem Abstand die Nummer Eins", sagt Leif-Erik Holm, Ministerpräsidenten-Kandidat seiner Partei. "Das werden wir natürlich ausgiebig nutzen."
Überdies werde es viele Veranstaltungen, Infostände und Gespräche an Haustüren geben. "Wir werden den Wahlkampf wie immer sehr bürgernah führen." Auch soll die Zahl der Großplakate erhöht werden. Investieren will die AfD in den Wahlkampf laut Holm einen hohen sechsstelligen Betrag.
Die bundesweit agierende Kampagnen-Organisation Campact vermutet bei der AfD in MV ein Wahlkampfbudget von bis zu einer Million Euro. Sie will dieselbe Summe aufbringen, damit gegen die AfD agitieren und so in den Landtagswahlkampf eingreifen.
In Sachsen-Anhalt, wo ebenfalls dieses Jahr ein neuer Landtag gewählt wird, hat Campact laut der eigenen Webseite dasselbe vor. "Mit 50 Prozent der Spendengelder unterstützen wir Initiativen und Vereine vor Ort in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern", erklärt die Organisation.
Campact plant Kampagne gegen AfD
Ein Nutznießer in MV ist die Aktion "Zusammen bewegen", die Ende Februar erstmals in die Öffentlichkeit trat, wie eine Sprecherin des Bündnisses sagt. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss einer Reihe von Initiativen und Einzelpersonen im Nordosten, darunter Omas gegen Rechts, die sich laut Internetseite für ein solidarisches Miteinander einsetzen.
Die verbleibenden 50 Prozent will Campact eigenen Angaben zufolge für eigene Kampagnen gegen die AfD nutzen. "Dabei greifen wir auf unsere Erfahrungen aus den vergangenen Wahlen zurück." So schaltete Campact bei der Landratswahl 2025 in MV nach eigenen Angaben für 30.000 Euro Online- und Zeitungsanzeigen gegen die AfD-Kandidaten, die es in die Stichwahl geschafft hatten.