Pflegeversicherung
Barmer-Pflegereport: Deutlich mehr Pflegebedürftige in MV

Welche Folgen hat es, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in MV zunimmt? (Symbolbild) Foto: Jens Büttner/dpa
Welche Folgen hat es, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in MV zunimmt? (Symbolbild) Foto
© Jens Büttner/dpa
Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen hat sich im Nordosten in zehn Jahren fast verdoppelt. Das liegt aber nicht in erster Linie an der alternden Gesellschaft.

Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Mecklenburg-Vorpommern ist dem neuen Barmer-Pflegereport zufolge in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. 2023 waren rund 140.000 Menschen pflegebedürftig, wie die Barmer-Krankenkasse in Schwerin mitteilte. Zehn Jahre zuvor seien es noch etwa halb so viele gewesen. Die Zahlen basieren demnach auf den Daten von rund 265.000 Barmer-Versicherten in MV und der Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes. 

Demnach stieg die Zahl der Pflegebedürftigen stärker als die der älteren Menschen. Die demografische Entwicklung erkläre den Anstieg damit nur zum Teil. Haupttreiber sei die Leistungsausweitung der Pflegeversicherung im Rahmen der großen Pflegereform 2017, sagte der Barmer-Landesgeschäftsführer Henning Kutzbach. Mehr Menschen werden seitdem als pflegebedürftig anerkannt. "Die Pflege wird dadurch länger, teurer und personalintensiver", sagte Kutzbach. Zugleich sei diese Ausweitung richtig und gerecht gewesen.

Seit der Einführung der Pflegegrade stieg laut Kasse die Zahl der Menschen mit Pflegegrad eins von rund 1.200 auf mehr als 22.000 im Jahr 2023. Die durchschnittliche Pflegedauer sei auf 7,5 Jahre gestiegen.

Drese: ambulante Versorgung in den Blick nehmen

Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) betonte, wie wichtig ein gesundes Leben und präventive Maßnahmen seien. Daher stünden für Bewegungsförderung, psychische Gesundheit, Suchtprävention und Stärkung der Gesundheitskompetenzen im Doppelhaushalt des Landes für dieses und kommendes Jahr insgesamt vier Millionen Euro zur Verfügung. 

Dennoch brauche es eine bundesweite Pflegereform, die besonders die ambulante Versorgung in den Blick nehmen müsse. Mehr als 85 Prozent der Pflegebedürftigen würden zu Hause und ohne die Unterstützung professioneller Pflegedienste versorgt. 

Viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen seien zunehmend finanziell belastet, sagte Drese. Um diese pflegebedingten Eigenanteile zu begrenzen, sei etwa ein sogenannter Sockel-Spitzen-Tausch denkbar. Damit würden pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörige einen festen Sockelbetrag zahlen, zusätzliche Kosten würden von der Pflegeversicherung übernommen.

dpa