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Biologie Warum Frauen schneller frieren als Männer

Eine Frau sitzt mit angezogenen Beinen auf einem Sofa
Frauen wird schneller kalt als Männern. Das Phänomen des Frierens ist im Tierreich weit verbreitet.
© imago stock&people / Imago Images
Frauen sind Frostbeulen? Ja, sagt die Biologie. Tatsächlich frieren Frauen schneller als Männer. Das liegt vor allem an den Sexualhormonen Testosteron und Östrogen.

Während Männer oft noch T-Shirts tragen, greifen Frauen bereits zu dicken Pullovern und Kuschelsocken. Dass weibliche Personen schneller frieren, ist weder Einbildung noch Klischee, sondern hat biologische Gründe. Wenn die Außentemperatur fällt, verengen sich die Blutgefäße, um weniger Wärme nach Außen abzugeben. Der Kreislauf konzentriert sich auf die Körpermitte, damit die lebenswichtigen Organe ausreichend mit Blut versorgt werden. Arme und Beine hingegen kühlen aus – eisige Füße oder Hände sind die Folge.

Frauen frieren ab circa 15 Grad

Dieser Mechanismus setzt bei Frauen früher ein, etwa bei 15 Grad Celsius, berichtet die Barmer-Krankenkasse. Männer frieren erst bei ein paar Grad weniger. Dass Frauen ein anderes Kälteempfinden haben, liegt an der unterschiedlichen Verteilung der Sexualhormone bei den beiden Geschlechtern. Männer produzieren deutlich mehr Testosteron, was für mehr Muskelmasse sorgt. Diese macht etwa 40 Prozent des Körpergewichts aus, bei Frauen hingegen nur 25 Prozent. Mehr Muskeln erzeugen auch mehr Wärme, weshalb Männer weniger schnell frieren.

"Männer tragen daher gewissermaßen einen kleinen Ofen mit sich herum, der sie innerlich wärmt", erklärt Heidi Günther, Apothekerin bei der Barmer. Frauen haben einen höheren Östrogen-Spiegel und deshalb mehr Fettgewebe. Während bei Männern lediglich 15 Prozent des Körpergewichts aus Fett bestehen, sind es bei Frauen 24 Prozent. Diese sind unbedingt notwendig, damit der Körper der Frau für eine Schwangerschaft vorbereitet ist. Denn das Fett stellt als Energiespeicher sicher, dass Mutter und Kind ausreichend versorgt sind.

Allerdings entfernt das Fettgewebe die Haut weiter von den wärmenden Muskeln. "Das Fettgewebe isoliert einerseits das Innere des Körpers gegenüber der Haut. Aber die Haut nimmt die Temperatur des Körpers von außen wahr, so dass die Haut sich dann bei der Frau kühler anfühlt als beim Mann", zitiert die "Tagesschau" Georg Ertl, Internist an der Uniklinik Würzburg. Zudem haben Männer eine dickere Haut, die den Körper zusätzlich isoliert.

Phänomen auch im Tierreich verbreitet

Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen, bei denen die Geschlechter Temperaturen unterschiedlich wahrnehmen. Der Zoologe Eran Levin von der Universität Tel Aviv hat bei vielen Tieren festgestellt, dass sich das Weibchen häufig wärmere Plätze aussucht als das Männchen – so etwa bei Kängurus, Pavianen, Lemuren, manchen Vogel-Arten und Fledermäusen.

Der Wissenschaftler vermutet, dass der Grund dafür in der Fortpflanzung liegt. Höhere Temperaturen habe für Weibchen "wichtige physiologische Implikationen für die Funktionen, die spezifisch weiblich sind", zitiert die "Tagesschau" den Experten. Das heißt konkret, dass Wärme für die Funktion der Fortpflanzungsorgane eine entscheidende Rolle spielt. "Die Inkubation von Eiern beispielsweise oder des Fötus. Oder die Wärmeregulierung von Neugeborenen", heißt es.

Kalte Temperaturen ein Wettbewerbsnachteil für Frauen

Was für die Fortpflanzung einen Nutzen hat, erweist sich für das Gehirn als Nachteil. Die Studie "Schlacht um das Thermostat" aus dem Jahr 2019 hat gezeigt, dass sich je nach Temperatur auch die kognitive Leistung bei Männern und Frauen ändert. Über 500 Probanden mussten bei unterschiedlichen Temperaturen zwischen 16 und 33 Grad geistig anspruchsvolle Aufgaben lösen: Matheaufgaben und auch sprachliche Aufgaben, die anschließend ausgewertet wurden. Jedes Grad mehr erhöhte die Leistung der Frauen messbar. Ab 30 Grad liefen sie zu Höchstleistungen auf.

Männer punkteten bei niedrigeren Temperaturen. Die Bestform der männlichen Probanden lag bei unter 20 Grad. Mit steigenden Temperaturen ließen ihre Leistungen nach. Diese Ergebnisse könnten vor allem in diesem Winter wichtig werden, wenn Büroräume und Arbeitsplätze im Zuge der Gaskrise kühler bleiben sollten. Damit Frauen ihre Leistungsfähigkeit nicht einbüßen müssen, empfiehlt Mediziner Ertl, einzelne Körperteile gezielt zu wärmen, denn "wenn die Extremitäten warm sind, dann braucht der Körper selber gar nicht mehr so warm zu sein". Vielleicht werden Mützen oder Socken also bald zur Grundausstattung für den weiblichen Büro-Arbeitnehmer.

Quellen:Barmer, "Battle for the thermostat", Bayerischer Rundfunk, "Tagesschau"

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