Der erste deutsche seetüchtige Elektrokatamaran bringt von heute an wieder Gäste von Norddeich (Landkreis Aurich) zur ostfriesischen Insel Norderney. Zum Start in die neue Saison sind im Frühjahr zunächst drei bis vier Abfahrten täglich geplant, wie die Reederei Norden-Frisia mitteilte. In der Sommersaison vom 4. Juli an soll der Katamaran mit dem Namen "Frisia E-I" fünfmal täglich zwischen Norddeich und Norderney pendeln. Im Winterhalbjahr hatte das Schiff zuletzt pausiert und war zur Wartung in einer Werft.
Die Reederei hatte den Elektrokatamaran als erstes rein elektrisch betriebenes Seeschiff unter deutscher Flagge im April 2025 in den Dienst gestellt. Die erste Bilanz der Fährgesellschaft fällt positiv aus. "Das Probejahr ist sehr gut gelaufen", sagte Michael Garrelts, technischer Inspektor der Reederei, in einer Mitteilung. "Wir waren sowohl mit der Auslastung als auch mit der Performance und Zuverlässigkeit des innovativen Schiffes sehr zufrieden."
Zwei kleine Reparaturen
Die Fahrgäste schätzten demnach, dass der Katamaran – anders als die größeren Passagierfähren im Inselverkehr – umweltfreundlich angetrieben werde. Statt mit Schiffsdiesel fährt der E-Kat mit Solarstrom, der Elektromotoren an Bord antreibt. Außerdem komme bei den Fahrgästen gut an, dass sich mit dem Katamaran die Fahrzeit von und zur Insel um die Hälfte auf rund 30 Minuten reduziere, teilte die Reederei weiter mit. Dafür wird bei den Katamaran-Fahrten allerdings auch ein Aufpreis von fünf Euro pro Ticket fällig.
Während der ersten Saison gab es auch kleinere Reparaturen an dem neuen Schiff, das Platz für bis zu 150 Fahrgäste hat. Einmal gab es nach Angaben der Reederei Probleme beim Laden, weil eine Sicherung ausgefallen war. Ein anderes Mal lag ein mechanisches Problem mit dem Getriebe vor. Alle Defekte hätten aber innerhalb kurzer Zeit behoben werden können, hieß es.
Strom kommt vom Autoparkplatz im Hafen
Neben dem batteriebetriebenen Schiff hat die Reederei auch eine Ladeinfrastruktur und eine Stromerzeugung am Hafen in Norddeich aufgebaut. Der Strom aus erneuerbaren Energien kommt nach Unternehmens-Angaben größtenteils aus eigenen Photovoltaikanlagen. Dazu hatte die Reederei 600 Stellplätze eines großen Autoparkplatzes am Hafen mit Solaranlagen überdacht.
Für Reederei-Vorstand Carl-Ulfert Stegmann ist der Katamaran ein erster Schritt zu einer CO2-freien Inselversorgung. "Die CO2-Reduktion in der Schifffahrt ist eines der großen Zukunftsthemen der Branche", sagte Stegmann. In Kombination mit der eigenen Stromerzeugung und der Ladetechnik sei der Elektrokatamaran ein gutes Beispiel dafür, wie innovative Technik praxisfähig entwickelt und zuverlässig eingesetzt werden könne.