Der seit Jahren leerstehende Bahnhof Alexisbad (Landkreis Harz) soll durch einen Investor saniert werden und dadurch perspektivisch den Tourismus im Selketal ankurbeln. Wie die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) mitteilten, ist eine umfassende Modernisierung des traditionsreichen Gebäudes geplant. Perspektivisch sei außerdem eine gastronomische Nutzung vorgesehen.
"Nach vielen Jahren ohne erfolgreiche Nachnutzungsperspektive ist dies ein wichtiger Schritt für den Bahnhof und die touristische Entwicklung der Region", sagte die Geschäftsführerin der HSB, Katrin Müller. Die HSB hatten ihre Verkaufsstelle in dem Empfangsgebäude bereits vor mehr als zehn Jahren geschlossen. Im November vergangenen Jahres war das Gebäudeensemble verkauft worden.
Autohausbesitzer und Agrarinvestor übernimmt Bahnhofsgebäude
Am Mittwoch teilten die HSB offiziell den Käufer mit. Dabei handelt es sich um Agrarinvestor und Autohausbesitzer Markus Hercher aus dem thüringischen Bad Frankenhausen, direkt an der Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen. Hercher ist laut Handelsregister Geschäftsführer zahlreicher Unternehmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Unter anderem führt er ein Unternehmen, das acht Autohäuser betreibt, darunter in Leipzig, Zwickau und Altenburg.
Seit 2005 investierte Hercher zudem in mehrere Agrarunternehmen und landwirtschaftliche Betriebe mit tausenden Hektar Fläche. Dabei ist Hercher auch im Harz kein Unbekannter: Eines seiner Agrarunternehmen hat in Harzgerode, wozu Alexisbad gehört, seit mehr als 20 Jahren seinen Sitz. Ganz unumstritten sind die Investitionen des Investors allerdings nicht. Im Sommer 2019 übergab die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft den Schmähpreis "Heuschrecke des Jahres" an Hercher. Damit kritisierte der Verband die Investitionen in landwirtschaftliche Großbetriebe.
Im Selketal wird an mehreren Stellen investiert
Die Pläne für eine Sanierung des leerstehenden Bahnhofs reihen sich ein in die Investitionen im Selketal. Die Stadt Harzgerode bekam im vergangenen Jahr vom Infrastrukturministerium rund sieben Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung gestellt. Davon soll alleine mit 4,6 Millionen Euro das historische Logierhaus in Alexbad aus dem Jahr 1811 modernisiert werden. Das markante Gebäude mit seinen vier Türmen war im Winter 2024 vom Touristikkonzern Skan-Tours gekauft worden, das ein Hotel in dem Ortsteil betreibt. Das Unternehmen plant eine umfassende Sanierung des früheren Erholungsheims.
"Seit vielen Jahren stehen schöne historische Gebäude in Alexisbad leer", sagte die geschäftsführende Gesellschafterin des Unternehmens, Iona Werner, damals. "Deren baufälliger Zustand schreckt viele Gäste ab und schadet dem Ruf des idyllischen kleinen Kurorts im Selketal." Mit gezielten Investitionen in das Ortsbild solle dem entgegengewirkt werden.
Die Selketalbahn mit den historischen Dampfloks spielt im touristischen Konzept der Region eine wichtige Rolle. Auch wenn ein Gutachten zur Zukunft der HSB im vergangenen Jahr die Einstellung des Betriebs der Selketalbahn nahegelegt hatte, will das Unternehmen daran festhalten und weiter in die Strecke investieren.