Energiekosten
Mehr Energieschulden: Beratung oft erst bei drohender Sperre

Die Verbraucherzentrale NRW berät immer mehr Menschen, die von einer drohenden Sperrung ihres Strom- und Gasanschlusses betroffe
Die Verbraucherzentrale NRW berät immer mehr Menschen, die von einer drohenden Sperrung ihres Strom- und Gasanschlusses betroffen sind. (Symbolbild) Foto
© Sina Schuldt/dpa

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Immer mehr Menschen suchen erst bei drohender Energiesperre Hilfe. Warum frühe Beratung bei Energieschulden oft entscheidend ist.

Bei Problemen mit Energierechnungen wird das Beratungsangebot der Verbraucherzentrale (VZ) immer häufiger erst dann genutzt, wenn der Sperrprozess schon eingeleitet worden ist. Dies hat die VZ Nordrhein-Westfalen beobachtet. Knapp 4.000 Verbraucherinnen und Verbraucher hätten sich im vergangenen Jahr wegen drohender Energiesperren an die Verbraucherzentrale gewandt, teilte die Organisation in Düsseldorf mit. Das seien 18 Prozent mehr als 2024 und 51 Prozent mehr als 2023 gewesen.

Das seien Fälle, in denen Verbraucher zu spät in die Beratungsstelle kämen, sagte die Expertin für Energiearmut bei der Verbraucherzentrale NRW, Carina Lichtenberg. Für diese Verbraucher würden zusätzliche Kosten anfallen etwa für Mahnungen oder für Entsperrungen. Lichtenberg sprach von einem Trend, mit Energieschulden zu spät in die Beratungsstellen zu kommen. Dies habe sich auch im ersten Quartal 2026 fortgesetzt.

Viel Beratungsbedarf bei Energieschulden 

Weitere rund 6.500 Beratungsgespräche registrierte die VZ NRW zum Thema Energieschulden in einem früheren Stadium. „Das sind Fälle, wo wir präventiv noch etwas tun können, um den Sachverhalt abzuwickeln“, so Lichtenberg. 

Als Gründe für den zunehmenden Beratungsbedarf sieht die Expertin die Folgen der ersten Energiepreiskrise 2022, als sich vor allem Gas und Strom sehr verteuerten. Damals entstandene Energieschulden hätten sich unter anderem wegen zeitversetzter Abrechnungszeiträume erst später bemerkbar gemacht. 

Hinzu komme, dass insgesamt die Lebenshaltungskosten gestiegen seien. Von Armut betroffene Haushalte müssten einen großen Teil ihres Einkommens für Lebensmittel und Energie ausgeben. „Das heißt, die Möglichkeiten, noch was einzusparen, werden immer geringer.“

Beratungsstellen zählten rund 372.000 Anfragen

Insgesamt verzeichnete die Verbraucherzentrale NRW in ihren landesweit 64 Beratungsstellen im vergangenen Jahr rund 372.000 Anfragen. Ein gutes Drittel davon betraf Probleme rund um Kauf-, Dienst- und Werkverträge. Vor allem ungewollte Vertragsabschlüsse sowie Schwierigkeiten beim Online-Shopping sorgten für Beratungsbedarf. Um Energiethemen ging es in rund einem Fünftel aller Anfragen.

dpa