Der Mainzer Carneval Verein (MCV) hat nach dem Moskauer Urteil gegen Jaques Tilly seine Solidarität mit dem Düsseldorfer Wagenbauer bekundet. "Mit ihm wurden alle angeklagt und verurteilt, denen Meinungsfreiheit, Freiheit der Kunst und Freiheit der Satire ein wichtiges Anliegen ist", sagte der Sprecher des MCV-Kreativkreises, Boris Henkel. "Einmal mehr entgegnen wir dem Machthaber im Kreml: "Wir alle sind Jacques Tilly"!" In dem Kreativkreis werden die Motivwagen der Mainzer Fastnacht entwickelt. Darunter war zuletzt 2025 auch einer mit Kremlchef Wladimir Putin.
MCV-Präsident Hannsgeorg Schönig sagte: "Dass künstlerische Freiheit und politische Satire derart kriminalisiert werden, macht uns betroffen – und wütend." Tillys Arbeiten stünden für das, was Satire leisten müsse: den Mächtigen den Spiegel vorhalten, Missstände sichtbar machen und Haltung zeigen. Das "absurde Urteil aus Russland" zeige umso deutlicher, wie notwendig Satire sei. "Das Recht darf dem Unrecht nicht weichen – und schon gar nicht dienen."
Mainzer Fastnachter karikieren auch künftig das Weltgeschehen
Die Mainzer Fastnachter ließen sich von dem Urteil nicht beeindrucken und würden weiterhin in Vorträgen und Motivwagen das Weltgeschehen karikieren, kündigte der Vorstandssprecher der Mainzer Fastnacht eG, Markus Perabo, an. In der Fastnacht eG sind 41 Vereinen zusammengeschlossen. Sie werde die Meinungsfreiheit immer in den Vordergrund stellen, betonte Perabo.
Ein Gericht in Moskau hatte zuvor den deutschen Bildhauer Jacques Tilly in Abwesenheit zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Tilly habe sich der Verletzung religiöser Gefühle und der Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte schuldig gemacht, urteilte Richter Konstantin Otschirow in dem umstrittenen Strafverfahren. Hintergrund sind die von Tilly gebauten Karnevalswagen, die Putin und den von ihm befohlenen Krieg in der Ukraine kritisieren.