Gelesen wird wenig? Die Zahlen aus rheinland-pfälzischen Bibliotheken erzählen eine andere Geschichte. Ausgeliehen wurde 2025 viel – und regional durchaus unterschiedlich. Das zeigt eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in mehreren Städten. Stark schneiden die großen Kommunen ab. Mainz und Ludwigshafen liegen vorn, doch auch Koblenz, Trier und Idar-Oberstein zeigen, wie lebendig Büchereien noch heute sind.
Millionenstadt Mainz
Mainz bestätigte im vergangenen Jahr seinen Ruf als literarisches Schwergewicht. "Erstmals überschreiten die Gesamtausleihzahlen die Millionengrenze", hieß es aus der Landeshauptstadt. Besonders die Vor-Ort-Ausleihen in der Kinderliteratur weisen einem Sprecher zufolge mit 8,4 Prozent eine beachtliche Steigerung auf. In der Belletristik seien zeitgenössische Autorinnen und Autoren sehr gefragt, etwa Caroline Wahl.
Ludwigshafen feiert
Die Stadtbibliothek Ludwigshafen feierte 2025 ihren 150. Geburtstag. Auch hier: "Belletristik und Kinderliteratur werden nach wie vor stark gefragt und ausgeliehen", erklärte eine Sprecherin. Sachliteratur eher weniger - mit Ausnahme der "Deutsch als Fremdsprache"-Bücher und -Medien. "Hier ist seit Jahren eine steigende Nachfrage zu verzeichnen."
"Do you speak Koblenz?"
In Ludwigshafen und auch in Koblenz gehörten Wahls Romane wie "22 Bahnen" zu den Spitzenreitern. "Die Autorin ist sowohl bei 20-jährigen, als auch bei 70-jährigen Leserinnen und Lesern nachgefragt", teilte ein Sprecher in Koblenz mit. Die Stadt steht damit exemplarisch für eine literarische Gemeinsamkeit über Generationen hinweg. Zudem interessant: Jugendliche und junge Erwachsene griffen in Koblenz vermehrt zu englischsprachigen Büchern.
Trier, Tiptoi, Tonies
In Trier werden die Zahlen zwar noch ausgewertet, aber: "Fest steht bereits, dass es 25.000 Ausleihen mehr vor Ort gab als im Jahr davor", erklärte ein Sprecher. Besonders die Kinderliteratur treibt die Statistik. Trier profitiert wie andere Städte vom Boom der Tiptoi-Bücher, Tonies und Edurinos – Medien, die das klassische Buch nicht verdrängen, sondern ergänzen: "Das sind Selbstläufer." Trier könnte damit dafür stehen, wie stark Bibliotheken als Bildungs- und Begegnungsorte funktionieren.
Idar-Oberstein versus Internet
In Idar-Oberstein fällt das nicht weniger aussagekräftig aus. Belletristisch sind etwa Ewald Arenz und Freida McFadden populär, deren neue Titel sofort vorbestellt werden. In der Edelsteinstadt ist die Sachbuchausleihe zwar insgesamt rückläufig, doch gerne ausgeliehen werden Sachbücher mit regionalem Bezug. "Außerdem ist das Thema gesunde Ernährung, Kochen, Selbermachen in der Küche beliebt, auch wenn es dazu ja auch etliche Internetseiten gibt", betonte eine Sprecherin. Idar-Oberstein illustriert, wie stark lokale Interessen das Leseverhalten prägen.
Kaiserslautern mit Ausleihrekord
Überall ähnlich ist die Entwicklung bei den Genres. Krimis und Thriller legen weiter zu – gerne nordisch, gerne an der Ostsee, gerne seriell. Fantasy verliert dagegen an Boden, etwa in Kaiserslautern. "Auf der anderen Seite gab es 2025 einen Ausleihrekord bei den Medien für Kinder, weil zu dem klassischen Buchangebot in den vergangenen fünf Jahren auch Tiptoi-Bücher und Tonies hinzugekommen sind", teilt eine Sprecherin in der pfälzischen Stadt mit.
Und dann ist da Harry Potter: 27 Jahre nach Erscheinen des ersten Bandes gehört die Reihe von J.K. Rowling landesweit weiter zu den meist geliehenen Titeln. Sachbücher hingegen kämpfen. Bibliotheken berichten von einem schleichenden Rückgang, auch weil Alltagswissen heute im Netz verfügbar ist. Ausnahmen bestätigen die Regel: Ratgeber zur mentalen Gesundheit, Bücher über Geschichte, Gesellschaft und Künstliche Intelligenz bleiben gefragt.
Analog trifft digital
Stark wächst der digitale Bereich. E-Books, Filme und Musik werden immer selbstverständlicher genutzt. Die Bibliothek wird hybrid, bedeutet: analog und digital zugleich. "Alles spricht dafür, dass die Ausleihe von e-Books zunehmen wird", heißt es etwa in Kaiserslautern.
Am deutlichsten zeigt sich der Wandel wohl bei den Jüngsten. Oft sind Kinderabteilungen die ausleihstärksten Bereiche. Für viele Familien bleiben Bibliotheken unverzichtbar - auch aus finanziellen Gründen. Der Gesamteindruck: Gelesen wird vielleicht anders, aber kaum weniger.