Offen für Gläubige und Gäste
Dom ohne Drehkreuz - Eintritt in Kirchen bleibt frei

Die Gestaltung des Mainzer Doms geht im Wesentlichen auf den Entwurf von Erzbischof Willigis (975-1011) zurück. (Archivbild) Fot
Die Gestaltung des Mainzer Doms geht im Wesentlichen auf den Entwurf von Erzbischof Willigis (975-1011) zurück. (Archivbild) Foto
© Jörg Halisch/dpa
Während Köln zur Kasse bittet, wollen die Kathedralen in Rheinland-Pfalz ihre Pforten für Besucherinnen und Besucher vorerst weiterhin kostenlos öffnen.

Im Gegensatz zum Kölner Dom sollen Touristen für den Besuch des Innenraums der Kathedralen in Rheinland-Pfalz zumindest vorerst nicht zur Kasse gebeten werden. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Mainz: Aktuell keine Pläne für einen Eintrittspreis

Zum Bistum Mainz gehören rund 600.000 Katholiken. Das Gebiet der Diözese liegt zu einem Drittel in Rheinland-Pfalz und zu zwei Dritteln in Hessen. Bereits seit etwa dem 4. Jahrhundert ist Mainz Bischofssitz. Es war zwischenzeitlich die größte Erzdiözese Europas. Mittelpunkt des Bistums ist der mehr als 1.000 Jahre alte, sechstürmige Dom im Herzen der heutigen rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Kostet das Betreten des Gotteshauses bald etwas? Nein, teilt eine Sprecherin im Namen von Domdekan Henning Priesel mit: "Aktuell ist nicht geplant, einen Eintrittspreis für den Mainzer Dom zu erheben."

Speyer: Gratis, aber zwei eintrittspflichtige Bereiche

In Speyer existieren Domdekan Georg Müller zufolge seit vielen Jahren zwei eintrittspflichtige Bereiche: "die Krypta mit dem Zugang zu den Kaisergräbern sowie der Kaisersaal mit Zugang zum Südwestturm". Die Eintrittsgelder würden genutzt, um einen Beitrag zum Bauunterhalt zu erwirtschaften und Besucherströme zu regulieren. "Das Domkapitel ist mit knapper werdenden Finanzmitteln konfrontiert", betont Müller. "Konkrete Überlegungen, für den gesamten Dom Eintritt zu verlangen, gibt es derzeit nicht."

Trier: Keine Pläne für Gebühren

Ähnlich äußert sich eine Sprecherin in Trier. "Ich kann Ihnen mitteilen, dass das Trierer Domkapitel nicht plant, Eintritt für touristische Besuche im Dom zu erheben", teilt sie auf Anfrage mit.

Worms: Keine Eintrittsgelder - solange es geht

Tobias Schäfer, Propst am Dom in Worms, betont, dass der Unterhalt einer Kirche mit hohem Besucheraufkommen eine große Herausforderung sei. Anders als Köln, Mainz, Speyer oder Trier sei der Wormser Dom keine Bischofskirche. "Kirchenrechtlich ist es seit der Säkularisation eine einfache Pfarrkirche und die Finanzierung ist dementsprechend." Allerdings seien die Ausgaben unvergleichbar höher.

"Wir benötigen an sieben Tagen die Woche Aufsichtspersonal, um den Dom für Besucherinnen und Besucher, insbesondere auch Touristen, offenzuhalten. Auch etwa die Reinigungskosten sind deutlich höher." Immer wieder sei man mit der Stadt und dem Tourismusbüro im Gespräch, inwieweit sich die Kommune beteiligen könne - was bei der Finanzlage bislang ergebnislos sei.

"Von daher kann ich nachvollziehen, dass manche Kirchen über Eintrittspreise nachdenken", sagt Schäfer. Man habe das auch in Worms diskutiert, aber eine Gebühr widerspräche "unserem Selbstverständnis als offene Kirche und unserem Verständnis des Doms als Gotteshaus". Zudem sei unklar, ob die Einnahmen die Kosten für eine neue Infrastruktur zum Gebühreneinsammeln decken würden. "Solange wir es irgendwie anders bewältigen können, planen wir aktuell, keine Eintrittsgelder für den Dom zu erheben."

Mainz: Die Zukunft wird es weisen

Thomas Winter, leitender Pfarrer im Pastoralraum Mainz-City, sieht es so: "Das Thema "Eintritt nehmen" beschäftigt mich seit Antritt meines Dienstes als Pfarrer von St. Stephan mit den berühmten Fenstern von Marc Chagall." Die Kosten eines Gebäudes in dieser Größenordnung seien enorm. "Mit mehreren Hunderttausend Besucherinnen und Besuchern im Jahr haben wir natürlich auch erhöhte Reinigungskosten und regelmäßige Baumaßnahmen zum Erhalt. Dazu sind wir auch mit dem Citymarketing Mainz im Gespräch."

In diesem Jahr habe man die Vermietungskosten für Konzerte anheben müssen. "Auch dafür wird geheizt, Strom benötigt, personell muss es begleitet werden, und die Aufsicht der Fenster eines jüdischen Künstlers muss gewährleistet werden", erzählt Winter. Bisher habe er den freien Zutritt mit den vielen Menschen rechtfertigen können, die zum Beten kämen. "Ich tue mich schwer, von der ehrenamtlichen Aufsicht zu verlangen, dass sie unterscheiden müssen, wer zum Beten kommt und wer nur die Chagall-Fenster besichtigen möchte."

Man stehe vor einer Innenrenovierung der Kirche in den kommenden Jahren. "Es muss gut überlegt werden, wie wir an Gelder dazu kommen", erklärt Winter. "Es kann schon sein, dass wir in einigen Jahren gar nicht mehr drumherum kommen, auch Eintritt zu nehmen, so schwer mir das als Seelsorger fällt. Die Unterhaltung eines solchen Gebäudes wird uns dazu zwingen."

Köln: Dom kostet Touristen ab Juli Eintritt

In Köln sollen Touristen ab Juli für den Besuch des Innenraums zahlen. Für Gottesdienstbesucher und Betende sowie Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins bleibt der Dom kostenfrei. Ebenso gratis soll der Zugang zu Opferlichtern und zum stillen Gebet in bestimmten Bereichen bleiben.

dpa